Einfluss der Geschlechter- und Altersstruktur auf das Geburtsgeschlechterverhältnis beim Rotwild

Rotwild (Foto Friedrich Boehringer via Wikimedia Commons)
Foto von drei Rothirschen [Link 1]
 
Hirschrudel am FIWI, mit Halsbandsender (Foto F. Balfanz)
Foto von einem Hirschrudel [Link 2]
Hirschkühe des Rudels am Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (Foto M. Habe)
Foto von Hirschkühen [Link 3]
Hirsche mit Kälbern (Foto BS Thurner Hof via Wikimedia Commons)
Hirschrudel mit Kälbern [Link 4]
FIWI Hirsch im Winter (Foto M. Habe)
Foto von Hirsch im Schnee [Link 5]

Erste Auswertungen von Jagdstatistiken (Jagdstrecken, Verkehrsfallwildzahlen, Körpergewichte) aus dem Bundesland Niederösterreich lassen vermuten, dass hohe Rotwildbestände mit einer Verschiebung des Geschlechterverhältnisses bei den Kälbern hin zu weiblichen Tieren in Zusammenhang stehen. Insbesondere ein hohe Präsenz von einjährigen weiblichen Tieren in der Population und eine geringere von älteren weiblichen Tieren scheinen zu diesem Effekt beizutragen. Auch die Altersstruktur des männlichen Teils der Population scheint auf das Geburtsgeschlechterverhältnis Einfluss zu haben. Es gibt eine Tendenz zu mehr männlichen Kälbern je mehr Hirsche der Altersklasse I (vollendetes 10. Lebensjahr) in einem Bestand sind.

Diese Befunde lassen annehmen, dass zu hohe Bestände sowie eine ungünstige Alters- und Geschlechtsstruktur das Geschlechterverhältnis der Kälber zu mehr weiblichem Nachwuchs verschiebt. Aus Langzeitstudien an schottischem Rotwild ist bekannt, dass weibliche Tiere in guter Verfassung – also eher dominante, ältere Tiere – bevorzugt männlichen Nachwuchs haben, dies aber umso weniger, je dichter ein Bestand, d.h. je höher die Nahrungskonkurrenz ist. Weiter zeigten experimentelle Untersuchungen an spanischem Rotwild, dass Hirsche umso mehr männliche Kälber zeugten, je größer deren Geweih war. In Niederösterreich sind diese kapitalen Hirsche vor allem in der Altersklasse I zu finden.

Wir vermuten, dass sich diese Besonderheiten der Fortpflanzungsbiologie des Rotwildes tatsächlich auch bei freilebendem Rotwild in Niederösterreich nachweisen lassen. Wahrscheinlich kann die dringend erforderliche Reduktion der Rotwildbestände leichter erreicht werden, wenn die Eingriffe in die verschiedenen Alters- und Geschlechtsklassen so erfolgen, dass sich das Geschlechterverhältnis des Zuwachses zugunsten des männlichen Nachwuchses verschiebt.

Um diese Fragen zu klären werden die langjährig vorhandenen Jagdstatistiken aus Niederösterreich dahin gehend analysiert in wie weit die Populationsdichte und/oder –struktur das Geschlechterverhältnis bei Rotwildkälbern beeinflusst.

Wirtschaftlicher Nutzen

Das Geburtsgeschlechterverhältnis spielt für das Management von jagdbaren Schalenwildarten eine entscheidende Rolle. Einerseits besteht ein Interesse an einem möglichst hohen Ertrag von kapitalen Trophäenträgern, andererseits gilt es aber ein übermäßiges Populationswachstum zu beschränken um Wildschäden in der Forst- und Landwirtschaft hintanzuhalten, die Gefahr von Wildunfällen im Straßenverkehr zu reduzieren und die Ausbreitung von Wildkrankheiten einzudämmen. Letzteres gilt vor allem für jene Wildarten, die sich in letzter Zeit stark vermehrt haben. Dazu gehört das Rotwild, bei dem Jagdstrecken in Mitteleuropa in den letzten Jahrzehnten stark angestiegen sind, was auf anwachsende Populationen hindeutet und exakt die oben genannten Probleme verursachen kann. Ein zum männlichen Geschlecht hin verschobenes Geschlechterverhältnis bei Rotwildkälbern könnte nicht nur helfen den Ertrag an Trophäenträgern zu steigern, sondern durch die resultierende geringere Anzahl von weiblichen Tieren im Bestand zugleich auch das Populationswachstum eindämmen.

Projektlaufzeit 2016-2017

 

Projektpartner/Sponsoren

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Wissenschaftlicher Kontakt am FIWI

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