Saisonale Anpassungen

Hirsche im Gatter des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie
Foto von Hirschkühen im Wald [Link 1]
 
Rothirsch im sommerlichen Wald
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Blick auf die sommerliche Wiese im Hirschgatter am Forschungs- institut
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Im Sommer ist reichlich Pflanzenmaterial vorhanden
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Wenn die Ressourcen knapp werden verlangsamen Hirsche ihren Stoffwechsel
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Eingeschneit!
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Das Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie beschäftigt sich seit langem mit der Frage, wie Wildtiere, insbesondere große Pflanzenfresser, mit den im Winter drastisch veränderten Lebensbedingungen zurechtkommen. Zum deutlich geringeren und auch qualitativ schlechteren Nahrungsangebot kommt noch der aufgrund der Kälte eigentlich höhere Energiebedarf hinzu. Zu unserer Überraschung stellten wir in unseren ersten Studien zu dieser Frage an Rothirschen (Cervus elaphus) aber fest, dass sie im Winter gegenüber dem Sommer eine auf etwa die Hälfte reduzierte Stoffwechselaktivität haben. Dies äußert sich auch im Nahrungsbedarf. Die Tiere fressen im Winter nur halb so viel wie im Sommer, selbst wenn wir sie reichlich mit gutem Futter versorgen. Rothirsche zehren im Winter von Fettreserven, die sie im Sommer angesammelt haben und leben auf Sparflamme. Die geringeren Energieausgaben werden vor allem durch Reduktion der inneren Wärmeproduktion und einer niedrigeren Körpertemperatur verwirklicht. Im Winter, vor allem in den kalten Nächten, gleichen die Tiere Wärmeverluste an die kalte Umgebung nicht aus, sondern tolerieren ein Absinken der Körpertemperatur. Aufgrund ihrer Größe und deshalb thermischen Trägheit, ist der Temperaturabfall im Körperkern kaum merklich, kann aber in den Gliedmaßen und äußeren Körperteilen erheblich sein. Rothirsche sind also zu physiologischen Reaktionen fähig, die man bisher nur von Winterschläfern kannte. Mittlerweile wissen wir durch die Erweiterung unserer Untersuchungen auf andere Arten, dass winterschlafähnliche Reaktionen bei Huftieren der nördlichen Breiten weit verbreitet sind (z.B. Steinbock, Przewalski-Wildpferd und Gämsen).

Die Erforschung der erstaunlichen saisonalen Anpassungen einheimischer Wildtiere ist nur durch den Einsatz modernster Telemetrietegeräte  [Link 7]möglich, die wir am Forschungsinstitut selbst entwickeln. Die kontinuierliche Messung detaillierte physiologischer Werte über lange Zeiträume erfolgt dabei ohne Belastung für die Tiere. Wir nutzen die aus der tierärztlichen Praxis schon lange bekannte Tatsache, dass Wiederkäuer keine Probleme mit kleineren Fremdkörpern in ihrem Pansen haben.  Am FIWI wurden daher Miniatursender entwickelt, die durch Abschlucken in den Netzmagen eingebracht werden. Diese Sender erfassen die Herzschlagrate, ein gutes Maß der Stoffwechselintensität, und die Temperatur der Tiere im Körperinneren. Der Pansensender kommuniziert mit der Technik im Halsband des Tieres, die auch die Fülle von Messwerten speichert. Das System wird mittlerweile auch an freilebenden Wildtieren eingesetzt und ermöglicht die kontinuierliche Messung von Pulsrate, Körpertemperatur, Aktivität und GPS-Position über einen Zeitraum von bis zu 2 Jahren.

 

Wissenschaftlicher Kontakt am FIWI

O.Univ.Prof. Dr. Walter Arnold, Leiter, Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie, Vetmeduni Vienna

T. +43 (1) 25077-7100

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Allgemeiner Kontakt

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T +43 1 25077-7900
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