Römermuseum Tulln: Kamelskelett aus der Zeit der Türkenkriege ausgestellt

Foto des Ausstellungsplakats

Ausstellungsplakat

Foto des freigelegten Kamelskeletts am Fundort in Tulln

Das freigelegte Kamelskelett am Fundort in Tulln (Foto: U. Scholz)

Bis 4. November 2012 werden im Römermuseum Tulln in der Sonderausstellung „Verloren - Vergraben - Vergessen. Archäologie zur Zeit der Türkenkriege“ herausragende Funde ausgestellt und ihre archäologischen Zusammenhängen erläutert, die mit den zahlreichen Krisen und kriegerischen Auseinandersetzungen des 17. Jahrhunderts in der Stadt Tulln in Verbindung stehen. Eines dieser Ausstellungsobjekte ist das Skelett eines Kamels, das aus der Zeit der Zweiten Türkenbelagerung 1683 überliefert ist.

Hervorzuheben ist der Fund des Kamelskeletts vor allem deswegen, weil das Skelett das bisher einzige vollständig erhaltene Exemplar sowohl in Österreich, als auch in den angrenzenden Nachbarländern ist. Die Ausstellung wurde in einer Zusammenarbeit des Bundesdenkmalamtes (Dr. Martin Krenn) und dem Institut für Ur- und Frühgeschichte (Ute Scholz M.A.) unter Beteiligung des Instituts für Anatomie, Histologie und Embryologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Dr. Alfred Galik) erstellt.

Kamelskelett aus dem Ziegelkeller

Das Skelett des Kamels wurde in einem aufgegebenen und verfüllten Ziegelkeller gefunden, der während einer Ausgrabung in der Innenstadt von Tulln aufgedeckt wurde. Bei der großflächigen Grabung in den Jahren 2006-2007, die in Vorbereitung zur Errichtung eines Einkaufszentrums zustande kam, wurden mehrere Parzellen zwischen dem Hauptplatz und der ehemaligen Stadtmauer untersucht, die eine umfangreiche mittelalterlicher Stadtbebauung und Bauten eines Klostergeländes des 17. Jahrhunderts aufdeckten.

Münze und Arzneikapsel halfen bei Datierung

In dem zugeschütteten Ziegelkeller aus dem 16. und 17. Jahrhundert, der zu einem Nebengebäude der bereits im Mittelalter erbauten Rossmühle gehörte, lag in der oberster Verfüllung das vollständige Skelett eines Kamels. Zur Datierung des Kamelskelettes trugen im Wesentlichen die Buntmetallfunde bei: zum einen ein Rechenpfennig mit dem Brustbild Ludwigs XIV. von Frankreich (1643–1715), außerdem eine bleierne Flaschenkapsel für das Heilmittel Theriacum aus Wien, Apotheke zur Goldenen Krone (ca. 1628/1665). Somit konnte das Kamelskelett der Zeit der Zweiten Türkenbelagerung Wiens 1683 zugeordnet werden.

Wahrscheinlich umsorgtes Reitkamel

Bei dem Kamelskelett handelt es sich um ein männliches Individuum, das von großer und schlanker Statur war. Das Skelett weist auf einen guten Allgemeinzustand des Tieres hin und zeigt keine Erkrankungen am Bewegungsapparat, die typischerweise bei Lasttiere zu finden sind. Arthritische Gelenkserkrankungen lassen sich im Bereich der Zehengelenke und im Bereich der Lendenwirbelsäule nachweisen. Wahrscheinlich handelt es sich bei dem Kamel eher um ein gut genährtes und umsorgtes Reittier als um ein schwer schleppendes Lasttier.

 

Rückfragehinweise

Dr. Martin Krenn
Bundesdenkmalamt
A-Hofburg, Säulenstiege
1010 Wien
martin.krenn@bda.at [Link 1]                                          

Ute Scholz M.A.
Institut für Ur- und Frühgeschichte
Franz-Klein-Gasse 1
1190 Wien
ute.maria.scholz@univie.ac.at [Link 2]

Dr. Alfred Galik
Institut für Anatomie, Histologie und Embryologie
Veterinärmedizinische Universität Wien
Veterinärplatz 1
1210 Wien
alfred.galik@vetmeduni.ac.at [Link 3]

(Web-Redaktion am 31.05.2012)

Kategorie: Forschung [Link 4], Kooperationen, Event [Link 5], Startseite [Link 6]

 


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