Wer schläft, wird nicht gefressen: die Siebenschläfer-Art zu überleben

Nach ihrem achtmonatigen Winterschlaf steht den niedlichen Siebenschläfern die gefährlichste Zeit ihres Lebens bevor. Denn wer Futter suchen muss – entweder nach einem langen Winterschlaf oder weil er seinen Nachwuchs versorgt -  liefert sich seinen Feinden aus. Damit erklärt eine Langzeitstudie die unterschiedliche Überlebensrate von Siebenschläfern in mehreren europäischen Ländern, die von einer Gruppe um Thomas Ruf vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmeduni Vienna koordiniert wurde. Die Ergebnisse wurden im Journal „Ecography“ veröffentlicht.

Karin Lebl, eine PhD-Studentin aus der Gruppe von Thomas Ruf, untersuchte gemeinsam mit Kooperationspartnern die Überlebensraten von Siebenschläfern in Österreich, Tschechien, England, Deutschland und Italien. Dem Einfluss der  Jahreszeit, verschiedener Klimafaktoren und des Fortpflanzungsverhaltens schenkte sie dabei besondere Aufmerksamkeit. Im Gegensatz zu manchen Murmeltierarten, bei denen Winterschlaf bekannterweise mit hohen Sterblichkeitsraten verbunden ist, baut der Siebenschläfer offensichtlich genug Fettreserven auf – sogar für die härtesten Winter. Jedoch sind die Tiere im zeitigen Frühjahr leichter angreifbar. Sie haben monatelang nichts gefressen und deshalb massiv Gewicht verloren; daher müssen sie nach dem Aufwachen sehr viel Zeit mit der Futtersuche verbringen. So präsentieren sie sich ihren Fressfeinden auf dem Silbertablett, den Eulen, Wieseln, Mardern, Haus- und Wildkatzen.

Gefahrenquelle Nachwuchs?

Dass sich Siebenschläfer nicht jedes Jahr fortpflanzen, ist für kleine Säuger ungewöhnlich. Stattdessen „sparen“ sie sich ihre Reproduktionsbemühungen für Jahre auf, wenn reichliches Angebot von Eicheln und Bucheckern besteht. Das wiederum geschieht unregelmäßig und in unterschiedlichen Abständen, in Deutschland beispielsweise beträchtlich häufiger als im Untersuchungsgebiet in Norditalien. Lebl und Ruf fanden heraus, dass die Sterberaten in den Jahren signifikant höher waren, wenn die Tiere Nachwuchs hatten. Das mag mit der gesteigerten Zeit zusammenhängen, die sie mit der Futtersuche verbringen, während sie die Jungen säugen. Oder es hat seine Ursache in den direkten Energiekosten der Reproduktion. Das Fazit ist jedoch, dass Siebenschläfer in „guten“ Habitaten in Deutschland, wo Eichen und Buchen regelmäßig Samen produzieren, im Durchschnitt weniger als vier Jahre leben, in weniger guten Habitaten wie in Norditalien mehr als doppelt so lange. Die deutschen Siebenschläfer haben größere Würfe. Wegen ihrer kürzeren Lebensdauer gelingt es ihnen trotzdem nicht, dieselbe Anzahl von Nachkommen zu produzieren wie ihre italienischen Artgenossen.

Warum also leben manche Siebenschläfer so lange? Thomas Ruf dazu: „Wir können es nicht wirklich erklären. An den Klimaunterschieden kann es nicht liegen. Und wir haben keinen Nachweis dafür gefunden, dass Klimaänderungen eine Auswirkung auf das Überleben der Tiere haben. Unsere Arbeitshypothese ist, dass Art und Anzahl der Fressfeinde die Siebenschläferpopulation beeinflussen. Vielleicht gibt es weniger Fressfeinde in Italien oder die italienischen Siebenschläfer sind besonders gewieft in der Wahl ihrer Methoden, diesen Feinden zu entkommen.“

Die Studie „Survival rates in a small hibernator, the edible dormouse: a comparison across Europe” von Karin Lebl, Claudia Bieber, Peter Adamík, Joanna Fietz, Pat Morris, Andrea Pilastro and Thomas Ruf wurde in “Ecography” publiziert.

Der wissenschaftliche Artikel im Volltext [Link 1]

 

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Rückfragehinweis

Prof. Thomas Ruf
T +43 1 4890915-150
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Aussender

Mag.rer.nat. Klaus Wassermann