Erster Wildvogel mit österreichischem Ring markiert

Gestern wurde an der Österreichischen Vogelwarte der Vetmeduni Vienna erstmalig ein Zugvogel mit einem österreichischen Vogelring markiert. (Foto: Christoph Roland)

Österreichische Vogelringe

Gestern fand an der Österreichischen Vogelwarte der Vetmeduni Vienna am Wilhelminenberg in Wien die erste wissenschaftliche Beringung von Wildvögeln mit eigenen, österreichischen Ringen statt. Vogelberingung ist ein wichtiges Mittel um Daten zum Zustand der Wildvögel und ihren Wanderbewegungen zu erheben. Bisher wurde in Österreich mit deutschen Markierungsringen gearbeitet. Durch die Kennzeichnung „KLIVV.AT AUSTRIA“ ist nun 103 Jahre nach der ersten Beringung eine internationale Zuordnung zu einer heimischen Beringungs- und Forschungsstation möglich.

Pünktlich mit dem Höhepunkt des Frühjahrszuges wurden gestern, 5. April 2016, zum ersten Mal wildlebende Vögel an der Österreichischen Vogelwarte, dem Austrian Ornithological Centre (AOC) am Wiener Wilhelminenberg, mit österreichischen Ringen markiert. Die Premiere machte dabei eine Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla), die ab jetzt einen kleinen Aluminiumring mit der Codierung „T 000001“ und der Aufschrift „KLIVV.AT AUSTRIA“ am Bein trägt.

Die Aufschrift „KLIVV.AT“ verweist dabei auf die Webadresse der Österreichischen Vogelwarte, die ihren Sitz am Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Veterinärmedizinischen Universität Wien hat. Der Fund oder die Sichtung eines beringten Vogels kann so unkompliziert an die MitarbeiterInnen des AOC gemeldet werden. Dank der neuen österreichischen Ringe ist ab jetzt über die Landesgrenzen hinweg sofort ersichtlich, dass ein Vogel in unserem Land beringt wurde.

Beringung in Österreich stand bisher unter deutscher Schirmherrschaft

Bereits seit dem frühen 20. Jahrhundert werden landesweit wildlebende Vögel mittels kleiner Metallringe am Bein individuell markiert. Bis vor kurzem koordinierte allerdings die deutsche Vogelwarte Radolfzell (Max-Planck-Institut für Ornithologie) die Vogelberingung in Österreich. Die hierzulande verwendeten Vogelringe trugen daher die Ringaufschrift „RADOLFZELL GERMANIA“.

Der Umstand, dass Österreich über Jahrzehnte hinweg keine selbständige ornithologische Forschungseinrichtung vorweisen konnte, führte schließlich zur Gründung der Österreichischen Vogelwarte. Diese betreibt die neue nationale Beringungszentrale, die eigene Ringe verwendet und die Koordination der wissenschaftlichen Vogelberingung in Österreich übernimmt. Die Zentrale hat mit Beginn des heurigen Jahres und damit exakt 103 Jahre nach der ersten Vogelberingung in Österreich ihre Arbeit aufgenommen. Wie es der Zufall so will, handelt es sich bei der gestern beringten Mönchsgrasmücke nun um genau jene Zugvogelart, mit der die deutsche Vogelwarte Radolfzell bahnbrechende Erkenntnisse über den Vogelzug gewinnen konnte. Ein nahtloser Wechsel von deutscher zu österreichischer ornithologischer Forschung ist damit gelungen.

Mehr dazu in der Presseinformation „Erster Wildvogel mit österreichischem Ring markiert".  [Link 1]

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