Wie Allergiefaktoren KrebspatientInnen helfen können

Die AllergoOnkologie ist ein Brückenschlag zwischen Allergie- und Krebsforschung und unterstützt auch die Entwicklung neuer Therapieformen, die auch krebskranken Kindern, für die der Internationale Kinderkrebstag am 15. Februar ausgerufen wurde, zu Gute kommen. (Foto: Vetmeduni Vienna)

Kinderkrebstag

Am 15. Februar erinnert uns der Internationale Kinderkrebstag, dass jährlich über 100.000 Kinder und Jugendliche an Krebs erkranken. Unser Immunsystem spielt bei Krebserkrankung ebenso eine Rolle. Mechanismen, die es aus der Balance bringen, stehen sowohl im Fokus der Allergie-, als auch der Krebsforschung. Aufgrund gemeinsamer Schnittpunkte bietet es sich daher an, das Wissen beider Fachrichtungen zu vernetzen, denn Allergiemechanismen spielen auch bei Tumoren eine Rolle. Schon 2006 wurde deshalb ein neues Forschungsgebiet der Immunologie, die AllergoOnkologie, definiert. Kürzlich veröffentlichten internationale AllergologInnen und OnkologInnen um Erika Jensen-Jarolim vom Messerli Forschungsinstitut der Vetmeduni Vienna nun ein Europäisches Positionspapier in der Fachzeitschrift Allergy. Darin wurden Schnittstellen zwischen Allergie- und Krebsforschung, wie der Nutzen von Immunglobulin E, festgehalten und zukünftige Maßnahmen und Vorgaben des relativ neuen Forschungsgebietes definiert.

Unser Immunsystem ist eigentlich ein verlässlicher Schutzschirm unseres Körpers. Durch die Allergie- und Krebsforschung wissen wir allerdings, dass die schützenden Immunantworten aus dem Gleichgewicht kommen können. Das Wissen aus der Allergie- und Krebsforschung über fehlgeleitete Mechanismen des Immunsystems soll daher zukünftig stärker vernetzt und gebündelt werden. Erika Jensen-Jarolim vom interuniversitären Messerli Forschungsinstitut der Vetmeduni Vienna, MedUni Wien und Uni Wien, sieht in dem kombinierten Forschungszweig, der AllergoOnkologie, eine große Chance auf neue Behandlungsmethoden für Allergie- und KrebspatientInnen.

Neuer Ansatz für natürliche Immunabwehr gegen Tumoren möglich

„Allergische Reaktionen auf Medikamente sind natürlich auch in der Krebstherapie von großer Bedeutung“, sagt Jensen-Jarolim. „Die AllergoOnkologie beschäftigt sich aber vor allem mit den Schnittpunkten, die sich in der Allergie- und Krebsforschung ergeben. Zwei Komponenten des Immunsystems sind da derzeit besonders im Fokus.“ Es sind dies die sogenannten T-Helfer-Zellen vom Typ 2 (Th2) und Immunglobulin E. Letzteres löst durch die Bindung eines Allergens die Ausschüttung des Botenstoffs Histamin und damit die allergische Reaktion des Körpers aus. Das Immunglobulin wurde allerdings auch schon im Zusammenhang mit Krebserkrankungen gefunden und ist ein Kandidat für eine neue Generation von Antikörpertherapien von PatientInnen, die statt auf Immunglobulinen der Klasse IgG, auf IgE basiert. Immunglobulin E könnte bei der Krebsbehandlung einen positiven Effekt haben, während es bei AllergiepatientInnen schon wegen harmloser Allergene wie den Pollen Krankheitssymptome auslöst.

Immunglobulin E als alternative Schnittstelle für Immunabwehr

Jensen-Jarolim und KollegInnen aus dem Europäischen Consortium sehen beim Einsatz von IgE zur Krebstherapie einen ähnlichen Ablauf wie bei den schon längere Zeit genutzten IgGs. IgE zieht natürliche Immunzellen zum Tumor hinzu, die ansonsten in der Allergie nur krank machen. Die IgE Antikörper bilden damit quasi eine Schnittstelle für eine natürliche Immunabwehr gegen das Tumorwachstum. Eine Therapie könnte demnach zusätzlich zum bekannten IgG oder komplementär durchgeführt werden. Die Forschenden setzten bei der Entwicklung dieser neuen Therapieform auf die weitreichende Erfahrung aus der Allergologie. „IgE arbeitet ausgesprochen effektiv, weil es stark an die Effektorzellen bindet, obwohl es im Körper nur in sehr geringer Menge vorhanden ist. Das könnte auch einen ökonomischen Vorteil durch eine geringe Dosierung für eine Therapie bedeuten.“

Toleranz bei Allergien aufbauen und bei Tumoren abschwächen

Ein weiterer Ansatzpunkt ist auch die Immuntoleranz, die sich AllergiepatientInnen erst durch eine Behandlung erarbeiten muss. Dabei wird das Immunsystem an die Allergene gewöhnt. „Bei der Allergen-Immuntherapie wird eine Verträglichkeit, also Toleranz für ein Antigen aufgebaut und damit die allergische Immunantwort unterdrückt. Bei Tumoren muss jedoch genau das Gegenteil erreicht werden. Tumorzellen lähmen nämlich die angreifenden Immunzellen, das Ziel muss es sein das Immunsystem wieder zu aktivieren und diese Toleranz aufzuheben. Aber auch der umgekehrte Weg ist möglich“, so Jensen-Jarolim. Man könnte daher allerdings auch die Toleranzentstehung in Tumorzellen genau erforschen und dieses Wissen für die Allergietherapie nutzen.

Forschung mit Hunden hat Vorteile

Bei der kombinierten Forschung an Allergenen und Tumoren sieht Jensen-Jarolim ein Limit für die sonst üblichen Mausversuche, wo künstlich Allergie oder Krebs erzeugt wird. Haustiere mit Allergien und/oder Tumoren entwickeln diese Erkrankungen hingegen spontan. Sie stellen daher nicht nur ideale Studien-Modelle für neue Erkenntnisse im humanmedizinischen Bereich dar, sondern sind selbst Patiententiere, die von neuen Entwicklungen profitieren können. Das Immunsystem des Hunds ist zudem dem unseren viel ähnlicher, als das der Maus, erklärt Jensen-Jarolim. Untersuchungen können somit für beide, Hunde und Menschen, von Vorteil sein.

Das nun veröffentlichte Positionspapier beschreibt diese Möglichkeiten des kombinierten Forschungsfeldes. Die Bedeutung dieser Forschungstätigkeit wird auch die Anerkennung der internationalen Fachgesellschaft, der European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI), deutlich.

Zum Positionspapier „AllergoOncology – the impact of allergy in oncology: EAACI position paper” von Erika Jensen-Jarolim et al. wurde im Fachjournal Allergy veröffentlicht. [Link 1]

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