Welt-Malaria-Tag 2017: Auch Vögel können an Malaria erkranken

Vogelmalaria wurde im Gegensatz zur Erkrankung beim Menschen lange unterschätzt. (Foto: Vetmeduni Vienna)

Welt-Malaria-Tag

Seit 2007 erinnert uns der Welt-Malaria-Tag am 25. April jedes Jahr an den globalen Kampf gegen die Krankheit. Trotz des stärkeren Bewusstseins und effektiverer Kontrollmaßnahmen, sind noch immer Millionen von Menschen, vor allem in Afrika, einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt. Plasmodien lösen die Krankheit aus. Sie werden von Stechmücken übertragen und sind nicht nur eine Bedrohung für die menschliche Gesundheit. Bei Vögeln lösen die Blutparasiten die mitunter ebenso tödlich verlaufende Vogelmalaria aus. Forschende der Vetmeduni Vienna untersuchen derzeit die Bedeutung und Verbreitung der bislang unterschätzten Krankheit in heimischen Wildvögeln.

Der Welt-Malaria-Tag zeigt, dass Malaria beim Menschen als lebensbedrohliche Krankheit anerkannt und ernstgenommen wird. Vogelmalaria wurde dagegen lange Zeit als harmlos eingestuft. Durch die gemeinsame Evolution der Wirte und Parasiten ging man von einer perfekten Anpassung der Wildvögel an die Plasmodien aus, die die Tiere nicht krank werden lässt.

„Vogelmalaria galt nur für jene Vögel als hohes Risiko, die sich nicht an den Parasiten gewöhnen konnten. Das galt besonders für Tiere aus kälteren Regionen, wie der Antarktis, wo auch keine Stechmücken vorkommen“, erklärt Herbert Weissenböck vom Institut für Pathologie und gerichtliche Veterinärmedizin. „Wurden antarktische Wildvögel, wie Pinguine, in Zoos übersiedelt und infizierten sie sich mit den Malariaparasiten, dann zeigten sich schwere Symptome und häufig ein tödlicher Verlauf.“ Bei heimischen Wildvögeln ging man dagegen davon aus, dass sie zwar infiziert sind, aber die Krankheit nicht ausbrechen kann.

Vieles deutet jedoch darauf hin, dass Wildvögel auch in ihren natürlichen Verbreitungsräumen wesentlich häufiger durch eine Infektion mit Plasmodien schwer erkranken. „2015 konnten wir in heimischen Wildvögeln, die von 2001 bis 2004 gesammelt worden waren, auch Vogelmalaria als Todesursache nachweisen“, so Weißenböck. Plasmodien könnten demnach neben anderen Blutparasiten als Ursache von Erkrankungen und Todesfällen unterschätzt worden sein.

Weissenböck führt dies auch auf einen Mangel an umfassenden Studien zu Todesursachen bei Wildvögeln zurück. Zusätzlich fehlen geeignete Methoden, um die Parasiten im Gewebe toter Vögel unterschiedlichen Genera, Subgenera oder Arten zuzuordnen. „Wir nehmen auch an, dass eine größere Zahl der Blutparasiten die Fähigkeit hat gleichermaßen in Wild-, Käfig- und Volierenvögel Krankheiten auszulösen, als bislang angenommen. Die diesbezüglichen Daten sind deshalb lückenhaft, weil die Gewebsstadien der unterschiedlichen Blutparasiten morphologisch ähnlich sind und derzeit keine Methoden zur Bestimmung der Parasitenarten in Gewebeproben, insbesondere auch bei Fällen von Mischinfektionen, verfügbar sind.

Im Zuge eines neuen Projekts testet Weissenböck deshalb mit seinem Team die Möglichkeit definierte Gattungen und Arten unterschiedlicher Blutparasiten direkt in Gewebeproben sichtbar zu machen. „Wir arbeiten an einer sogenannten in situ Hybridisierung für die Visualisierung in den Proben.“ Bei dieser Methode werden kurze Basenfolgen, sogenannte Gensonden, genutzt, die genau auf einen festgelegten Abschnitt eines Gens abgestimmt sind und an diesen binden können. Der Bereich wird durch diese Bindung, die Hybridisierung, markiert und kann sichtbar gemacht werden. „Unser Ziel ist ein Gen der ribosomalen RNA verschiedener Blutparasiten. Die Sequenzen, also die Basenabfolge, dieses rRNA Gens sind allerdings weitgehend unbekannt und müssen von uns im ersten Schritt noch ermittelt werden.“

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