Lemuren auf Madagaskar vom Aussterben bedroht – Forscher ziehen die Notbremse

20.02.2014 - Lemuren leben ausschließlich auf Madagaskar. Da die Wälder auf der Insel stetig schrumpfen, ist auch der Lebensraum der Halbaffen gefährdet. Mit einem Drei-Jahres-Aktionsplan der International Union for Conservation of Nature (IUCN) sollen die Lemuren nun vor dem Aussterben gerettet werden. In einem diese Woche erscheinenden Artikel im renommierten Journal Science erklärt eine ExpertInnen-Gruppe gemeinsam mit einer Forscherin der Vetmeduni Vienna, wie das Überleben der Halbaffen gesichert werden kann.   

Lemuren sind die am meisten vom Aussterben bedrohte Säugetiergruppe der Welt. Der Lebensraum der Halbaffen ist der tropische und subtropische Wald auf Madagaskar, in dem immer häufiger auch Wilderer die Tiere gefährden. Umweltschutzprogramme wurden in den vergangenen Jahren aufgrund der politischen Situation auf Madagaskar gekürzt. Ein Aktionsplan der IUCN soll nun helfen, die Lemuren zu retten.

Lemuren auf der „Roten Liste“

Es gibt etwa 100 verschiedene Lemurenspezies auf der afrikanischen Insel. Laut IUCN sind 22 Lemurenarten vom Aussterben bedroht, 48 stark gefährdet und 20 gefährdet. Damit stehen 94 Prozent der weltweiten Lemurenpopulation auf der „Roten Liste“. ExpertInnen haben dennoch Hoffnung.

Aktionsplan soll eingeführt werden

Co-Autorin Marni LaFleur vom Institut für Populationsgenetik an der Vetmeduni Vienna untersuchte gemeinsam mit 18 weiteren LemurenexpertInnen unter der Leitung von Christoph Schwitzer (Bristol Zoological Society, UK) die Lebensbedingungen der Lemuren. In ihrem Artikel veranschaulichen die Forschenden, warum der Einsatz eines Drei-Jahres-Aktionsplans das Überleben der Lemuren ermöglichen kann. Der Plan enthält Naturschutzstrategien für die 30 wichtigsten Schutzgebiete zur Erhaltung der Lemuren und soll helfen, Spenden für die verschiedenen Projekte zu sammeln.

Die Einmaligkeit der Lemurenpopulation schützen

LaFleur betont: “Die Lemuren gibt es nur auf Madagaskar, dennoch repräsentieren sie weltweit mehr als 20 Prozent der Primatenspezies. Obwohl sie alle auf einer Insel leben, gibt es viele verschiedene Spezies. Diese Kombination an Diversität und Einmaligkeit ist in keinem anderen Land zu finden.“

Der Experte Schwitzer warnt: “Wenn wir nicht sofort handeln, riskieren wir den Verlust einer ganzen Unterordnung von Primaten.  Die Lemuren nehmen auf Madagaskar eine wichtige ökologische aber auch wirtschaftliche Rolle ein. Sie verteilen Samen in Madagaskars Wäldern und sichern so die Artenvielfalt. Ihr Verlust würde eine ganze Kaskade des Aussterbens anderer Tierarten auslösen.  Lemuren ziehen aber auch Touristen an, die auf der Insel ein wichtiger Wirtschaftsfaktor geworden sind.“

Management der Schutzzonen verbessern

Vor allem das Management der Naturschutzzonen auf Madagaskar soll verbessert und den lokalen Communities übergeben werden. Langzeitforschungsprogramme sollen in den besonders kritischen Zonen etabliert werden.  Nach der Wahl des neuen Präsidenten Madagaskars, Hery Rajaonarimampianina, im vergangenen Jahr könnten nun Schutzprojekte und internationale Hilfe wieder fruchten.

Der Drei-Jahres-Aktionsplan der IUCN „Lemurs of Madagascar – A Strategy for Their Conservation 2013 – 2016“ enthält Strategien zur Erhaltung der 30 wichtigsten Schutzgebiete für Lemuren und wurde von 83 Autoren verfasst.

Der Artikel „Averting Lemur Extinctions amid Madagascar‘s Political Crisis” by C. Schwitzer, R. A. Mittermeier, S. E. Johnson, G. Donati, M. Irwin, H. Peacock, J. Ratsimbazafy, J. Razafindramanana, E. E. Louis, Jr., L. Chikhi, I. C. Colquhoun, J. Tinsman, R. Dolch, M. LaFleur, S. Nash, E. Patel, B. Randrianambinina, T. Rasolofoharivelo und P. C. Wright wurde am 20.2.2014 im Journal Science (Policy Forum) veröffentlicht. [Link 1] DOI: 10.1126/science.1245783

 

 

Weitere Informationen


 

Pressefoto

Ein Kronenmaki-Weibchen auf Madagaskar. (Foto: Russell Mittermeier)
Ein Lemurenweibchen hält sich an einem Baumstamm fest.

 

Rückfragehinweis

Marni LaFleur, PhD (englischsprachig)

T: USA 001-619-630-5315

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Aussenderin

Dr.rer.nat. Susanna Kautschitsch
T +43 1 25077-1153; +43 664 60257-6587
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