Dem Wiener Dachs auf der Spur

07.07.2016: Wien ist auch für viele Wildtierarten eine lebenswerte Stadt. Einer dieser „wilden“ Bewohner ist Meister Grimbart, der Dachs. Er ist als Schädlingsbekämpfer ein wichtiger Bestandteil des städtischen Ökosystems. Sehen lässt sich das scheue und nachtaktive Tier allerdings selten. Durchwühlte Komposthaufen oder umgegrabene Gärten können aber auf einen Dachs hindeuten. Die WildtierspezialistInnen der Vetmeduni Vienna hoffen daher wieder auf die Meldungen von aufmerksamen WienerInnen. Denn der Dachs ist der neue Schwerpunkt der Plattform StadtWildTiere.  Bis Ende September bringt ein Beitrag außerdem Punkte für den Citizen Science Award.

Die BürgerInnen von Wien nehmen die Gegenwart von Wildtieren in der Hauptstadt immer bewusster wahr. Das beweisen alleine die 4000 gemeldeten Sichtungen auf der Plattform  www.stadtwildtiere.at [Link 1].  Nach einem erfolgreichen ersten Jahr zum Thema Fuchs gibt es auf der Plattform nun einen neuen  Themenschwerpunkt, den Dachs.

Ein scheuer, nachtaktiver Allesfresser

Der Dachs ist meist nachts unterwegs und als Allesfresser nicht wählerisch bei seiner Nahrung. Jetzt im Sommer frisst er vor allem Fallobst und Feldfrüchte wie Mais. Auf seinem Speiseplan stehen aber auch bevorzugt Regenwürmer, Käferlarven und Mäuse. Deshalb ist er ein wichtiger Teil des fragilen Ökosystems einer Stadt. Es kann allerdings sein, dass der landläufig als Grimbart bezeichnete Dachs den einen oder anderen Garten auf der Suche nach den Schädlingen umgräbt.

Die Tiere leben meistens im Familienverband. Ein Dachsbau wird sogar oft über Generationen hinweg genutzt. Deshalb ist es auch wichtig – wo möglich - die Baue zu erhalten. Auf Veränderungen reagieren diese Wildtiere nicht so flexibel wie zum Beispiel Füchse.

Respektvoller Abstand zu Wildtieren

Dachse kommen dennoch in der Stadt gut zurecht. Müllplätze, Vogelhäuser und offene Komposthaufen sind für sie eine zusätzliche Nahrungsquelle. Der Dachs nutzt zwar das zusätzliche Nahrungsangebot. Er bleibt trotzdem ein Wildtier. Man sollte daher auf keinen Fall Futter- oder Wasserschüsseln auf der Terrasse aufstellen. „Ein Dachs holt sich selbst was er braucht“, erklärt Richard Zink vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmeduni Vienna.

Das gilt auch für andere Wildtiere in Wien. Das Beobachten der Tiere muss ausreichen. Eine Futterstelle lockt die Tiere zwar an. Man tut ihnen damit aber keinen Gefallen und es macht sie nicht zutraulich. Wildtiere sind keine Haustiere, man stört durch diese Eingriffe lediglich ihre natürlichen Abläufe. „Die Rücksichtnahme geht aber manchmal auf Kosten der eigenen Zufriedenheit. Ein Dachs kann sich auch ein gepflegtes Garteneck als Latrine aussuchen“, sagt Zink. „Darauf könnte man eigentlich stolz sein, weil auch er sich wohlfühlt.“

Wie man den geheimnisvollen Nachbarn Dachs aufspürt

Der Dachs ist bei seinen „Geschäften“ sehr diszipliniert. Er hebt eine Grube aus und verrichtet dort wiederholt seine Notdurft. Dafür sucht er sich eben auch einmal eine Stelle im benachbarten Garten. Die Latrinen sind laut Zink ein guter Hinweis auf das scheue Tier. Andere Spuren können regelmäßig umgewühlte Komposthaufen oder Erdreich sein. Ein weiterer Hinweis sind Kratzspuren auf den Bäumen.

Diese können auch in den an Wien grenzenden Wäldern gefunden werden. Damit ist man einem Dachsbau schon sehr gut auf der Spur.

Jedes Foto und jede Sichtung zählt

Zink gibt diese Hinweise nicht ohne Grund. Er ist mit seinen KollegInnen verantwortlich für die Plattform StadtWildTiere. Die Plattform bietet den BewohnerInnen von Wien die Möglichkeit Sichtungen und Fotos von Wildtieren zu melden. „Die Stadt ist für Wildtierbiologen kein leichtes Pflaster“, sagt seine Kollegin Theresa Walter. „Der Zugang zu vielen Flächen wie Privatgärten und Industriegebieten ist kaum oder nur mit erheblichem Aufwand möglich. Wildtierbiologen können auch nicht überall und gleichzeitig in Wien unterwegs sein. Aufmerksame Bürgerinnen und Bürger helfen uns deshalb Wildtiere, wie den Dachs, besser in Wien zu erforschen.“

Dafür sind keine Profifotos nötig. Schon einfache Schnappschüsse mit dem Smartphone reichen für eine korrekte Bestimmung der Art. Eine Dokumentation gelingt allerdings nicht immer, vor allem bei einem scheuen Tier wie dem Dachs. Das wissen auch Wildtierbiologen wie Zink. Steht man im Wind, dann wird der Dachs sehr schnell verschwinden, weil er den Geruch sofort wahrnimmt. Beobachtungen können daher auch jederzeit ohne Foto auf der Plattform eingegeben werden.

Einfach Mitforschen und für Citizen Science Award punkten

Läuft einem dennoch zufällig ein Dachs über den Weg oder findet man einen Dachsbau, dann kann man mit einem Eintrag bis 30. September sogar am Citizen Science Award teilnehmen. Für unterschiedliche Nachweise werden Punkte vergeben. Die meisten Punkte gibt es für einen Bau. Den Beobachtern mit der höchsten Punkteanzahl winken Preise wie zum Beispiel eine Exkursion mit Projektleiter Richard Zink. Die beiden einzigen Bedingungen für die Teilnahme am Gewinnspiel: die Mitforschenden müssen sich auf der Plattform registrieren und Beobachtungen müssen in diesem Fall mit einem Foto dokumentiert sein.

 

Weitere Informationen


 

Pressefoto

Der Dachs ist zwar ein scheues Wildtier, hat man aber die Gelegenheit für einen Schnappschuss, dann kann man damit beim Citizen Science Award punkten. (Foto: Marc Graf)
Dachs

 

Rückfragehinweis

Richard Zink

Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)

M +43 1 25077 7211
E-Mail an Richard Zink
 [Link 3]


 

Aussender

Mag.rer.nat. Georg Mair
T +43 1 25077-1165
E-Mail an Georg Mair senden  [Link 4]