Publikation: Misstrauen vor Neuem verzögert die Erkundungsfreude

Ein Touchscreen-Test mit verschiedenen Vogelarten zeigte, das Misstrauen vor Neuem die Erkundungsfreude nur hinauszögert, aber nicht hemmt. (Foto: Messerli Forschungsinstitut)
Kea Touchscreen [Link 1]

07.07.2017: Bislang galten Vögel, die Neuartiges eher meiden, auch als kaum erkundungsfreudig. Neugierige Vögel wie Krähen oder Papageien, die neue Dinge oder Situationen interessieren, dagegen schon. Das Misstrauen gegenüber Neuartigem wurde damit bislang als artspezifisches Merkmal und als Hemmschuh für die Erkundungsfreude angesehen. Ein internationales Team um KognitionsforscherInnen des Messerli Forschungsinstituts konnte nun zeigen, dass das Misstrauen nur den Zeitpunkt des Erkundens verzögert und dass das Verhalten nicht ausschließlich artspezifisch, sondern individuell verschieden ist. Die Ergebnisse der Studie wurden in Scientific Reports publiziert.

Auch bei den Vögeln werden Arten unterschieden, die für neuartige Situationen oder Dinge Interesse oder Abneigung zeigen. Jene, die mit neophobem Verhalten reagieren, Neuem also eher misstrauen, werden häufig auch als weniger erkundungsfreudig angesehen. Für Arten, die offen sind für Neuartiges, wie die Keas, die aus Neugier auch Autos in ihrer Heimat, Neuseeland,zerlegen“, gilt das Gegenteil. Neue Studien fanden jedoch heraus, dass das Erkunden und der Respekt vor neuen Dingen von unterschiedlichen Reizen ausgelöst werden und damit kein direkter Zusammenhang zwischen den beiden Verhaltensmustern besteht.

Ein internationales Team um Forschende des Messerli Forschungsinstitutes der Vetmeduni Vienna untersuchte nun mittels eines Touchscreen-Tests an vier Krähen- und fünf Papageienarten, welche Faktoren den „Abenteurergeist“ und die Erkundungsfreudigkeit beeinflussen. Das Experiment zeigte, dass das Verhalten der Vögel nicht artspezifisch ist und dass das Misstrauen gegenüber Neuem nicht vom Erkunden neuer Situationen oder Dinge abhält, sondern es lediglich hinauszögert.

Misstrauische Vögel untersuchen Neues erst nach einer Gewohnheitsphase

Für den Touchscreen-Versuch wurden Vögel wie Raben, Krähen oder Goffini-Kakadus ausgewählt, da bekannt ist, dass diese Arten ein „Technikverständnis“ haben. Keines der Tiere hatte jedoch zuvor mit einem Touchscreen gearbeitet. Nach einem Vorversuch wurden den Vögeln insgesamt 16 Formen wiederholt gezeigt und zusätzlich unbekannte Formen eingeführt. Das Forschungsteam analysierte, wann die Tiere diese neuen Muster akzeptierten und ab welchem Zeitpunkt sie sie auch näher untersuchten.

Es zeigte sich im Versuch, dass es einen zeitlichen Faktor gab. Vögel, die gegenüber neuen Formen misstrauisch waren, begannen ganz einfach später mit der Untersuchung der neuen Formen. Sie brauchten eine bestimmte Gewöhnungsphase, bevor sie bereit waren, sich mit den unbekannten Formen zu beschäftigen.

Das Individuum und nicht die Art ist entscheidend

Zusätzlich erkannten die ForscherInnen einen starken individuellen Charakter, unabhängig von der Art, wann die Vögel unbekannte Formen genauer untersuchten. Dabei spielte sowohl der Rang in der Gruppe eine Rolle, als auch das Alter. „Zwischen den Arten gab es kaum Unterschiede, bis auf die jugendlichen Aaskrähen“, so Erstautor Marc O’Hara. Bei allen anderen Vogelarten konnten die Forschenden dagegen einen deutlichen Unterschied zwischen den einzelnen Tieren erkennen. „Die Jungkrähen interessierten sich schneller für die unbekannten Formen als alle anderen Vögel“, so O’Hara.

Damit scheinen vor allem die Hierarchie und auch der Erfahrungswert eine Rolle zu spielen. „Der Mut oder der Wille etwas zu erkunden, hat vor allem mit der aktuellen Notwendigkeit, Informationen zu sammeln, zu tun. Deshalb vermuteten wir auch einen Zusammenhang mit dem Alter“, so Ludwig Huber, Leiter der Abteilung für Verhaltensforschung des Messerli Forschungsinstitutes der Vetmeduni Vienna. Umweltfaktoren, wie eine stärkere Bedrohung durch Raubtiere, scheinen geringeren Einfluss zu haben. „Das konnte durch Vergleich der diesbezüglich stark variierenden Krähen- und Papgeienarten geschlossen werden“, so Huber. „Goffini-Kakadus und Keas leben etwa auf Inseln, auf denen sie keine Gefahr durch Räuber in einer neuen Situation fürchten müssen, aber Kolkraben fressen Aas, das von gefährlichen Raubtieren wie Wölfen oder Bären erlegt wurde.“ Die Ergebnisse der Studie sollen das Verständnis erhöhen, durch welche Prozesse das Verhalten unterschiedlicher Tierarten kontrolliert wird, wenn sich ihr gewohntes Umfeld verändert.

Die Studie wurde von einem Forschungsteam des Messerli Forschungsinstitutes der Vetmeduni Vienna, der Universität Wien, des Max Planck-Instituts für Ornithologie, Deutschland und der University of Lincoln, UK, durchgeführt.

Der Artikel „The temporal dependence of exploration on neotic style in birds“ von Mark O’Hara, Berenika Mioduszewska, Auguste von Bayern, Alice Auersperg, Thomas Bugnyar, Anna Wilkinson, Ludwig Huber und Gyula Koppany Gajdon wurde in Scientific Reports publiziert. [Link 2]

 

Großer Erfolg für das CompMed-Team bei EAACI 2017, Helsinki, Finnland

Die jährliche Konferenz der Europäischen Akademie für Allergie und Klinische Immunologie gehört zu den weltweit größten Ereignissen im Bereich der Allergien. Vom 17. – 21. Juni 2017 besuchten 8300 Teilnehmer diese Konferenz in Helsinki.

Das Team der Komparativen Medizin war mit Referenten, Vorsitz, Poster-Moderatoren sowie in mehreren Arbeitsgruppen vertreten. (Siehe auch Newsletter vom 17. Juni 2017 [Link 3]).

Hier die Auszeichnungen der Gruppe im EAACI-Treffen 2017:
• Sherienne Afifi: JMA Travel Stipendium
• Jelena Gotovina: Preis für den besten ePoster
• Franziska Roth-Walter
• Judit Fazekas-Singer und
• Galateja Joradkieva, Posterpreise.

Glückwünsche an alle!

 [Link 4]
 

Publikation: Empfindlichkeit gegen ungerechte Behandlung liegt Wölfen und Hunden im Blut

Nicht nur Hunde, sondern auch Wölfe reagieren, ähnlich wie Menschen oder Primaten, auf ungleiche Behandlung. Das bestätigt eine neue Studie von VerhaltensforscherInnen der Vetmeduni Vienna. Im Versuch weigerten sich Wölfe und Hunde mitzuarbeiten, wenn nur der Partner mit einem Leckerli belohnt wurde oder sie selbst ein minderwertigeres bekamen. Da dieses Verhalten bei Wölfen wie bei Hunden gleichwertig ausgeprägt ist, ist diese Sensibilität gegenüber ungleicher Behandlung kein Effekt der Domestikation, wie bislang vermutet, sondern eine vererbte Fähigkeit gemeinsamer Vorfahren. Die Ergebnisse wurden in Current Biology veröffentlicht.

Weitere Information [Link 5]

 

Kakadus passen auf ihre Werkzeuge auf

Nur wenige Tierarten so wie Neukaledonische Krähen oder einige Primaten können Werkzeuge benutzen. Noch weniger können sie diese selbst herstellen. Eine Vogelart, der Goffin-Kakadu, schafft es dagegen, sich diese beiden Fähigkeiten ohne Erbanlagen selbst beizubringen. Forschende der Vetmeduni Vienna und der Universität Wien zeigten nun, dass die schlaue Papageienart ein weiteres Talent beim Umgang mit Werkzeugen hat.

 

Weitere Informationen  [Link 6]

 

Vortrag bei Open Science: Tierversuche – Fakten, Werte und Konflikte

Samuel Camenzind hielt im Rahmen der Fortbildung für PädagogInnen des Vereins Open Science einen Vortrag zum Thema "Tierversuche für die biomedizinische Forschung aus verschiedenen Perspektiven".
Thema seines Vortrags war, dass die "Notwendigkeit von Tierversuchen" als naturwissenschaftliche, rechtliche oder moralische Notwendigkeit verstanden werden kann, wobei unterschiedliche Ansprüche zum Ausdruck gebracht werden.
Es wurde erläutert, dass die praktische Notwendigkeit der Naturwissenschaft, bestimmte Zwecke (z. B. Wissen) durch bestimmte Mittel (Tierversuche) zu erreichen, alleine noch kein Argument ist, das Tierversuche legitimiert – vielmehr wird dies durch rechtliche und moralische Imperative entschieden. Die Rolle der (Tier-)Ethik besteht unter anderem darin, Transparenz zu schaffen, indem Fakten von (impliziten) Normen und Wertvorstellungen unterschieden werden.

Unterstützt wird Open Science u.a. vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft und der Stadt Wien.

Weitere Informationen zu Open Science [Link 7]

 

Heuschrecke, Zikade, Käfer und Co. am Teller: neue Leitlinie für essbare Insekten des BMGF gemeinsam mit Vetmeduni Vienna

Die einen ekeln sich davor, für andere wiederum sind sie ein wertvolles Nahrungsmittel. Der Trend Insekten als Nahrungs- und Genussmittel für Menschen, statt nur als Tierfuttermittel zu verwenden, hat auch Österreich erreicht. Viele der Tiere gelten aufgrund ihres hohen Nährstoffgehaltes als gesund. Als mögliche, neue Nahrungsmittel müssen sie jedoch zum Schutz der Konsumenten als essbar gekennzeichnet sein und bestimmte Sicherheitskriterien erfüllen. ForscherInnen des Messerli Forschungsinstitutes warnen auch vor dem Allergiepotential von essbaren Insekten. Diese Vorgaben wurden nun vom Bundesministerium für Gesundheit und Frauen (BMGF) in einer Leitlinie zusammengefasst. Damit kann zukünftig die Sicherheit beim Verzehr der essbaren  Insekten, auch im Hinblick auf bislang unerforschte Allergierisiken, gewährleistet werden.

Insekten werden im europäischen Raum bislang entweder wie die Bienen als nützlich, oder zumeist als ekelig oder lästig empfunden. In anderen Teilen der Welt, wie in Afrika oder Asien, gelten sie dagegen, aufgrund des hohen Eiweißgehalts, als proteinreiche Nahrungsquelle oder Delikatesse. So findet man auf asiatischen Märkten viele Stände, die frittierte Heuschrecken, Zikaden oder Käfer als Snack anbieten. Insekten werden aber mittlerweile auch in Europa und somit Österreich immer öfter als Nahrungs- oder Genussmittel angeboten.

Wie bei jedem Nahrungsmittel müssen jedoch Sicherheit und Verträglichkeit gewährleistet, sowie das Gesundheitsrisiko für den Konsumenten, etwa durch Giftstoffe oder Allergene, abschätzbar sein. Essbare Insekten werden innerhalb der EU als sogenanntes „Novel-Food“ eingestuft, da sie vor dem 15. Mai 1997 nicht in nennenswertem Umfang in der Europäischen Union verzehrt wurden. Ihre Sicherheit muss vor einem Inverkehrbringen erst belegt werden.

Österreichischer Leitfaden für Handel und Verzehr essbarer Insekten
Ganze Insekten und ihr Inverkehrbringen als Lebensmittel fällt erst ab 1. Jänner 2018 unter die Novel Food Verordnung (EU) 2015/2283). Aufgrund einer Übergangsfrist müssen sie auch erst mit Beginn 2020 ein Zulassungsverfahren durchlaufen, um ihre Sicherheit zu belegen. Damit war es nötig, für bis dahin bereits vertriebene, ganze essbare Insekten eine eindeutige Regelung zu erstellen. Das Bundesministerium für Gesundheit und Frauen (BMGF) beauftragte deshalb eine Arbeitsgruppe unter der Mitarbeit von Isabella Pali-Schöll, Allergieexpertin des interuniversitären Messerli Forschungsinstitutes der Vetmeduni und MedUni Wien, mit der Erstellung einer Leitlinie.

In dieser neu veröffentlichten Leitlinie ist festgehalten, dass für Insekten als Nahrungsmittel ihre Erkennbarkeit gegeben sein muss. Auf der Verpackung sollen außerdem Hinweise zu Art und Verarbeitung angegeben werden. Selbstverständlich muss auch die mikrobiologische und toxikologische Sicherheit der essbaren Insekten gewährleistet sein.

Nahrungsmittelallergien durch Insekten noch unerforscht, Kreuzreaktionen bei Allergikern möglich
„Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das mögliche Allergiepotential von proteinreichen Insekten“, sagt Isabella Pali-Schöll von der Abteilung für Komparative Medizin (Leitung: Erika Jensen-Jarolim) des Messerli Forschungsinstitutes Wien. Es besteht laut der Expertin für Nahrungsmittelallergien ein hohes Risiko, dass Patienten mit Allergie gegen Krustentiere wie Shrimps, oder gegen Hausstaubmilben eine Kreuzreaktion gegen Insekten wie Mehlwürmer und Wanderheuschrecke erleiden können. „Die Erforschung weiterer Kreuzreaktionen sowie den Einfluss der Verarbeitung von Insekten untersuchen wir gerade in Kooperation mit der Universität für Bodenkultur Wien“, so Pali-Schöll. Die konkrete Zahl zu Nahrungsmittelallergien gegen Insekten ist derzeit völlig unbekannt.(20.4.2017)

Service: Link zur neuen Leitlinie [Link 8]

 [Link 9]
 

Publikation: Menschen, Tiere und Aristoteles

Der gesamte englische Artikel ist hier [Link 10] zu finden.

 

Publikation Hundeforschung: Hunde reagieren mit Gefühlsansteckung auf emotionale Laute von Menschen und Artgenossen

Hunde können das Phänomen der Gefühlansteckung als Reaktion auf negativ-emotionale Laute von Menschen und Artgenossen zeigen, so KognitionsbiologInnen des Messerli Forschungsinstituts der Vetmeduni Vienna. In einer umfangreichen Studie spielten sie 53 Hunden verschiedenster Rassen und Mischlingen eine Reihe von Lauten vor, welche sich in den folgenden Dimensionen unterschieden: „Emotionalität“ (nicht-emotionale und emotionale Laute), „Spezies“ (menschliche Laute und Hundelaute) und „Valenz“ (positiv-emotionale und negativ-emotionale Laute). Die Verhaltensreaktion der Hunde auf diese Laute unterschied sich anhängig davon, ob sie nicht-emotionale Laute ihrer täglichen Umgebung oder emotionale Laute von Menschen und Artgenossen hörten. Weiters unterschied sie sich abhängig davon, ob die emotionalen Laute positiv oder negativ waren, wobei letztere bei den Hunden eine Gefühlsansteckung auslösten. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Animal Cognition veröffentlicht. Link [Link 11]

 

Nimmt man Emotionen bei anderen wahr, so kann hierdurch eine Gefühlsansteckung bei dem Beobachter ausgelöst werden. Die Gefühlsansteckung ist ein Phänomen, bei dem ein Individuum die Emotion eines anderen Individuums übernimmt, was zu einer Angleichung des emotionalen Zustands zwischen den beiden Individuen führt. Diese Reaktion kann sehr schnell, automatisch und unwillkürlich vonstatten gehen. Die Gefühlsansteckung wird als die grundlegendste Form der Empathie angesehen, welche selbst ein facettenreiches soziales Phänomen ist, das lange Zeit alleine nur dem Menschen zugeschrieben wurde. Wissenschaftliche Studien jedoch decken immer häufiger empathische Reaktionen auch bei nicht-menschlichen Tieren auf – ein grundlegender Schritt hin zur Erweiterung unseres Wissens um die Komplexität des Gefühlslebens von Tieren. 

Hunde sind eine soziale Spezies, welche im Rahmen der Erforschung von Gefühlsansteckung eine besondere Beachtung verdient, denn sie können eine aussergewöhnlich enge Beziehung zu einer anderen Spezies aufbauen – zu uns Menschen. Aus diesem Grunde bietet die Erforschung der Gefühlsansteckung bei diesen Tieren die einzigartige Möglichkeit, verschiedenste Forschungsfragen gleichzeitig zu beleuchten: Sind Hunde überhaupt in der Lage dazu, Gefühlsansteckung zu zeigen? Und, gesetzt den Fall, ist deren Fähigkeit zur Gefühlsansteckung auf ihre eigene Art beschränkt oder können sie dies auch über ihre eigene Art hinaus gegenüber Menschen zeigen? Finden wir einen Unterschied in deren Reaktion abhängig davon, ob sie Emotionen von Menschen oder Artgenossen wahrnehmen? Und, nicht zuletzt, unterscheidet sich die Gefühlsansteckung abhängig davon, ob die Emotion welche sie wahrnehmen, positiv oder negativ ist?

In einer Studie, welche am Clever Dog Lab des Messerli Forschungsinstituts der Vetmeduni Vienna durchgeführt wurde, zielten KognitionsbiologInnen um Prof. Ludwig Huber darauf ab, diese Fragen zum ersten Mal gleichzeitig im Rahmen eines umfangreichen Experimentes zu beantworten. Für diesen Zweck verwendeten sie ausschliesslich Laute, um zu erforschen, ob Hunde in der Lage sind zu unterscheiden zwischen (1) nicht-emotionalen und emotionalen Lauten, (2) menschlichen Lauten und Hundelauten und (3) positiv- und negativ-emotionalen Lauten von Mensch und Hund. Würden die Hunde Verhaltensweisen zeigen, die auf eine Angleichung des emotionalen Zustandes mit dem Laut, welchen der Hund gehört hatte, schliessen lässt, so liese dies eine begründete Annahme zu, dass diese Reaktion eine Gefühlsansteckung darstellt.

Auf Basis umfassender Analysen des Hundeverhaltens konnten die Forscher zeigen, dass sich die Reaktion der Hunde eindeutig zwischen emotionalen und nicht-emotionalen Laute unterschied. Im Hinblick auf die Spezies, von welcher der Laut stammte, zeigten die Hunde eine vergleichbare Reaktion mit der Ausnahme, dass die Wahrnehmung der Hundelaute, gleich ob diese positiv- oder negativ-emotional waren, zu einem verstärkten Erstarren geführt hatte – ein Verhalten, das auf eine Anspannung bei Hunden hindeutet. Vergleicht man die positiv-emotionalen mit den negativ-emotionalen Lauten beider Spezies, so entdeckten die Forscher, dass sich das Verhalten der Hunde tatsächlich zwischen diesen beiden Arten von Lauten unterschied. Im Vergleich zur Reaktion auf positiv-emotionale Laute zeigten die Hunde bei negativ-emotionalen Lauten eindeutig verstärkt Verhaltensweisen, welche bei Hunden mit negativen Emotionen in Verbindung gebracht wurden. Hieraus lässt sich schliessen, dass negativ-emotionale Laute negative Emotionen bei den Hunden hervorgerufen hatten; eine Reaktion, welche die Forscher auf eine Gefühlsansteckung zurückführten.

Die Ergebnisse dieser Studie liefern einen wichtigen Beitrag für die Erforschung von Empathie und emotionalen Phänomenen bei nicht-menschlichen Tieren im Allgemeinen und bei Hunden im Besonderen. Darüber hinaus decken sie mögliche Einflussfaktoren auf das Wohlbefinden von Hunden auf, die bislang weniger Beachtung fanden. Nicht zuletzt adressiert dieses Wissen zudem unsere ethische Verantwortung gegenüber nicht-menschlichen Tieren, die in solch enger gegenseitiger Beziehung mit uns leben und unter unserer direkten Betreuung stehen.

 

Publikation Hundeforschung: Du siehst etwas, was ich nicht seh

Menschen sind in der Lage, das Verhalten anderer durch Zuschreibung mentaler Zustände zu interpretieren. Indem sie die Perspektive des anderen einnehmen, können sie deren Gefühle, Bedürfnisse und Absichten vermuten und sich darauf einstellen. Im Tierreich ist diese Fähigkeit der mentalen Zuschreibung (englisch Theory of Mind) sehr umstritten. KognitionsbiologInnen des Messerli Forschungsinstitutes der Vetmeduni Vienna konnten nun mit einem neuen Testverfahren beweisen, dass Hunde nicht nur erkennen können, ob ein Mensch eine Futterquelle im Blick hat und daher weiß, wo Futter versteckt wurde. Sie können dieses Wissen auch anwenden, um Hinweise von Menschen richtig zu interpretieren und für sie nicht sichtbares Futter zu finden. Diese Fähigkeit der Perspektivenübernahme ist ein wichtiger Baustein sozialer Intelligenz und hilft den Vierbeinern, sich in unserer menschlichen Umwelt zu behaupten. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Animal Cognition veröffentlicht.

Mehr dazu [Link 12]

 

Publikation: Elefanten wissen wann ihr Körper ein Hindernis darstellt

 [Link 14]
 

Publikation Keaforschung: Lachen ist auch beim Bergpapagei ansteckend

Sobald wir Kichern oder Lachen, kann das bei unseren Mitmenschen die gleiche positive Emotion auslösen. Denn, wie jeder weiß, Lachen ist ansteckend. Andere Säugetiere wie Schimpansen oder Ratten können bei ihren Artgenossen genauso positive Emotionen durch ihr Verhalten auslösen. Forschende der Vetmeduni Vienna wiesen diese Eigenschaft nun erstmals auch bei einem Vogel, dem intelligenten Bergpapagei, Kea, nach. Wenn die neuseeländischen Papageien alleine oder miteinander spielen, stoßen sie Laute aus, die andere Keas zum Spielen animieren. Diese Vögel sind damit nachweislich die erste Tierart außer den Säugetieren, die Artgenossen emotional, wie beim Lachen, „anstecken“ können. Die Studie wurde in Current Biology veröffentlicht.

Mehr dazu [Link 15]

  

Informationen für JournalistInnen

Rückfragen:

Jennifer Bentlage, MSc.
 [Link 16]

Tel.: +43 1 25077-2681