Allgemeine Chirurgie

 

Notfallchirurgie

 

Verletzungen

Bedingt durch die Schreckhaftigkeit des Fluchttieres Pferd kann es zu Verletzungen kommen. Wird ein verletzter Patient vorgestellt, ist es wichtig vor einer gründlichen Allgemeinuntersuchung eine überblicksmäßige Beurteilung der Wunde durchzuführen. Ausschlaggebend für die Prognose der Wundheilung sind Alter sowie Art und Lokalisation der Wunde. Nach gründlicher Reinigung des Wundbereiches wird die Wunde so gut es die Strukturen zulassen adaptiert.

 

Kolikoperationen

Beim Begriff Kolik handelt es sich um das Symptom Bauchschmerzen, welches meistens durch Erkrankungen des Magen-Darmtraktes hervorgerufen wird. Früher war Kolik der zweithäufigste Grund, nach orthopädischen Problemen, für die Euthanasie von Pferden. Nicht nur die Weiterentwicklung der chirurgischen Techniken und der Anästhesie haben die Überlebensrate der Kolikpatienten deutlich verbessert, sondern auch das Wissen von Tierärzten und Pferdebesitzern, dass eine schnelle korrekte Behandlung den Erfolg entscheidend beeinflusst.

Die häufigsten Erkrankungen, welche zu Koliksymptomen führen können, sind:

  • Erkrankungen des Magens, wie z.B. Magengeschwüre, Magenüberladung mit Futter, Magenentleerungsstörungen
  • Erkrankungen des Dünndarmes, wie z.B. Drehungen, Einklemmungen, Entzündungen, Verstopfung durch Futteransammlungen
  • Erkrankungen des Dickdarmes, wie z.B. Verstopfungen, Verlagerungen aufgrund von Funktionsstörungen, Entzündungen, Drehungen
 

Obere Atemwege

Kehlkopfpfeifer

Als "Rohrer" oder "Kehlkopfpfeifer" werden Pferde bezeichnet, deren Kehlkopf nicht mehr vollständig funktionsfähig ist. Betroffene Tiere haben in der Regel ein relativ lautes Atemgeräusch, welches hauptsächlich beim Einatmen zu hören ist. Wichtiger als das Atemgeräusch ist aber die Tatsache, dass der Kehlkopf auf der betroffenen Seite (meistens links) nicht mehr oder nur noch eingeschränkt geöffnet werden kann. Die dafür nötigen Muskeln sind nämlich gelähmt. Dies stellt zwar keine lebensbedrohliche Situation dar, da die gesunde rechte Seite funktionstüchtig ist, kann aber bei Sportpferden zu einer Leistungsminderung führen. Um sicher zu gehen, was die Ursache für ein eventuelles Atemgeräusch oder eine festgestellte Leistungsminderung bei einem Pferd darstellt, sollte das Tier vom Tierarzt gründlich untersucht werden. In den meisten Fällen kann man mittels Endoskopie die Diagnose stellen. Die Therapie mit der höchsten Erfolgsquote besteht aus einer Kombination von Operationen. Zum einen wird die Seite des Kehlkopfes die nicht mehr von alleine geöffnet werden kann mittels Fäden nach außen gezogen, also weit gestellt. Zum anderen werden das Stimmband und die Stimmtasche entfernt. Heutzutage wird das meistens endoskopisch mit einem LASER durchgeführt.

 

Kopper

Beim Koppen handelt es sich um ein sich wiederholendes Verhaltensmuster ohne ersichtlichen Funktionszusammenhang (=Stereotypie). Über die Ursachen des Koppens gibt es keine einheitliche Meinung.

Durch Herabziehen und Zurückschnalzen des Kehlkopfes strömt Luft in die Speiseröhre ein und das typische Koppergeräusch ist zu hören. Man unterscheidet grob den Aufsetzkopper vom Freikopper. Ersterer benötigt zum Zurückziehen des Kehlkopfes einen festen Widerstand, die Pferde setzen auf allen möglichen Gegenständen auf und schleifen sich dabei relativ stark die Schneidezähne ab. Der Freikopper braucht diesen Widerstand nicht.

Bei Pferden, die nicht länger als 3 Jahre Aufsetzkoppen, kann mittels einer Kombinationsoperation relativ sicher das Koppen beseitigt werden. Dazu werden einerseits die unteren Halsmuskeln, die den Kehlkopf zurückziehen, entfernt, andererseits der versorgende Nervenast des seitlichen Halsmuskels durchtrennt. Für den Patienten hat dies, außer daß das Pferd nicht mehr Koppen sollte, keinerlei andere mechanische oder kosmetische Auswirkungen.

 

Magen-Darmtrakt / Abdomen

Operationen am Magen-Darmtrakt

Die häufigste Form an Operationen in diesem Bereich ist sicher durch Kolik bedingt. Dabei wird der Bauch vorrangig in Rückenlage in der Medianlinie eröffnet und ermöglicht so Zugang zu den wichtigsten Bereichen (siehe Kolikoperationen).

 

Nabelbruch

Bei dieser Erkrankung handelt es sich um einen unvollständigen Verschluß der Bauchdecke im Bereich des Nabels, welcher sich meistens erst 10-14 Tage nach der Geburt zeigt, bedingt durch zunehmendes Wachstum und geänderte Druckverhältnisse. Je nach Größe der Bruchpforte kann sich auch Darm in den sogenannten Bruchsack verlagern. Solange der Nabelbruchbereich weich und nicht schmerzhaft ist, kann mit einer geplanten Versorgung des Bruches theoretisch zugewartet werden, bis das Fohlen alt genug für einen Eingriff ist. Es kann aber sehr plötzlich zu einer Einklemmung des Darmes kommen, der Bruchbereich schwillt an, wird heiß und schmerzhaft. In diesem Fall muß sofort eine Notoperation durchgeführt werden, um den eingeklemmten, eventuell geschädigten Darm zu entfernen und das Leben des Pferdes zu retten.

Obwohl also ein kleinerer Nabelbruch bis zum ersten Lebensjahr theoretisch selbst verheilen kann, ist es oft schwierig, das Pferd unter ständiger Kontrolle zu halten um das Risiko einer Darmeinklemmung zu minimieren.

 

Urogenitalbereich

Kastrationen

Diese werden beim Pferd in erster Linie auf Besitzerwunsch aufgrund der erschwerten Haltungsbedingungen von Hengsten durchgeführt. Medizinische Indikationen für eine Kastration sind:

  • Unvollständiger Abstieg der Hoden (Kryptorchismus), siehe auch laparoskopische Kastrationen.
  • Verletzungen der Hoden
  • Hodentumor
  • Hodendrehungen, sogenannte Torsionen: eine relativ seltene Erkrankung, in den meisten Fällen ist eine abnormale Entwicklung der Verbindung zwischen Hoden und Nebenhoden die auslösende Ursache. Bei dieser Erkrankung kann das Pferd Koliksymptome zeigen und muß, wenn die Erkrankung länger besteht, ehebaldigst operiert werden.
  • Leistenbruch (Hernie): siehe unten

Dem Chirurgen stehen mehrere Operationstechniken zur Verfügung, entschieden wird für jedes Pferd speziell, abhängig von Alter, Hodengröße und Möglichkeiten der Nachtherapie. Generell werden Hoden und Nebenhoden entfernt, der verbleibende Samenstrang unter sterilen Bedingungen abgebunden (ligiert) und dann je nach Methode, die Wunden verschlossen oder offen gelassen.

 

Leistenbruch (Hernie)

Von einem Leistenbruch spricht man, wenn sich bei Jungtieren aufgrund angeborener Abnormalitäten oder bei erwachsenen Pferden aufgrund von z.B. Schmerzen, starken Anspannungen (Deckakt) Darmteile durch den Leistenbereich bis in den Hodensack vorverlagern und dort auch eventuell eingeklemmt werden können. Während der Bruch beim Jungtier meistens in einer geplanten Operation behoben werden kann, kommt es beim erwachsenen Hengst (ganz selten sind auch Wallache betroffen) zu plötzlich einsetzenden, heftigen Kolikerscheinungen, infolgedessen auch lebensbedrohliche Zustände eintreten können.

Entfernung von Tumoren an Penis und Präputium

Harnblasenzerreißung

Eine Ruptur der Harnblase kann vor allem bei Hengstfohlen während der Geburt und beim Erwachsenen z.B. durch Trauma passieren. Der Harn gelangt in die freie Bauchhöhle und führt zu Entzündungen. Nur eine sofortige Operation mit Verschluß der Harnblase kann das Leben des Patienten retten.

Harnblasensteine

Die rauhen Steine führen zu schmerzhaften Entzündungen der Blase, weshalb diese ehebaldigst entfernt werden sollten, wenn möglich minimalinvasiv.