Giardiose der Haustiere – ein altes oder ein neues Problem?

Anja Joachim, Heinrich Prosl



Einleitung

Die Giardiose der Haustiere und des Menschen ist eine durch den Flagellaten Giardia intestinalis verursachte Enteritis, die asymptomatisch verlaufen kann oder mit intermittierender, oft wochenlanger Diarrhoe einhergeht. Zumeist sind jüngere Individuen betroffen. Die Infektion mit diesem weit verbreiteten Einzeller erfolgt über die resistenten Zysten aus der Umgebung; der Parasit gilt als potentieller Zoonoseerreger. Die Diagnose wird über den direkten oder indirekten (Antigen-) Nachweis im Kot gestellt. Zur Behandlung der Infektion bei Hunden und Katzen sind mehrtägige Kuren mit  Flubendazol, Fenbendazol oder Mentronidazol indiziert, jedoch erweisen sich vor allem Infektionen bei Katzen häufig als therapieresistent. Eine begleitende Hygiene und Diagnostik sind zur Sicherung des Therapierfolges notwendig.


Biologie

Life-Cycle Giardia

Life-Cycle Giardia

Giardia lamblia (syn. Giardia intestinalis, Lamblia intestinalis) ist ein Flagellat, der den Gastrointestinaltrakt verschiedener Säugetiere und des Menschen besiedeln kann.

Als Wirte kommen in Europa hauptsächlich Haustiere (Rind, Hund, seltener Katze) und der Mensch in Frage. Wildtiere wie Schalenwild, Nager oder Biber, die in Nordamerika als Reservoirs zum Eintrag von Parasiten in die Umwelt (vor allem Oberflächenwässer) beitragen, sind in unseren Breiten bisher nicht auffällig geworden.

Zysten, die als Dauerformen über den Kot oder Stuhl infizierter Wirte ausgeschieden werden und in die Umwelt gelangen, sind unmittelbar infektiös (d. h. im Gegensatz zu Kokzidien gibt es keine exogene Entwicklung) und bleiben aufgrund ihrer hohen Tenazität bei ausreichender Feuchtigkeit und niedriger Temperaturen (z. B. in Gewässern) über Monate vital. Trockenheit, hohe Umgebungstemperaturen (> 25 °C) oder Frost bringen die Zysten dagegen schnell zum Absterben.

Im Dünndarm exzystieren die Parasiten nach der Aufnahme und wandeln sich in die Vermehrungsform, den Trophozoiten, um. Sie heften sich an der Schleimhaut an und vermehren sich durch Zweiteilung (Abb. 1). Im Verlauf der Infektion kommt es zu einer zunehmenden Irritation der Schleimhaut und zum Ablösen des Epithels, wodurch eine sekretorische Diarrhoe verursacht wird. Die genauen Mechanismen der Pathogenese sind bisher nicht bekannt.


Epidemiologie

Verbreitung von Giardia

Verbreitung von Giardia

Die Infektion erfolgt oral durch direkten Kontakt mit Kot (Schmierinfektion), durch Verzehr kontaminierter Nahrung oder über Wasser (Abb. 2). Obwohl Giardien in Oberflächenwasser in Europa regelmäßig nachgewiesen werden, sind Ausbrüche in großem Umfang im Gegensatz zu Nordamerika bei uns nicht bekannt geworden. Die Verbreitung auf andere Wirtsspezies ist abhängig vom Genotypen des Parasiten (s.u.).


Die Giardose gilt als Zoonose, allerdings ist dabei zu berücksichtigen, dass nicht alle Genotypen von Giardia dasselbe Wirtsspektrum besitzen. Es gibt es 6 Genotypen, die bei Haustieren vorkommen, davon sind 3 als zoonotisch beschrieben. Ein Genotyp wird ausschließlich bei Menschen gefunden. Als Überträger zoonotischer Genotypen gelten vor allem Hunde und Katzen. Rinder sind häufig mit Giardia infiziert, der Anteil zoonotischer Genotypen bei dieser Tierart ist in unseren Breiten unbekannt. Während einige Berichte die Übertragung der Giardien von Hunden auf Menschen unter natürlichen Bedingungen (insbesondere in tropischen Ländern) bestätigen, scheinen laut anderer Untersuchungen für Menschen und Hunde getrennte Übertragungszyklen zu bestehen. Bei Vögeln und Fröschen kommen weitere Giardia-Arten ohne Zoonosecharakter vor.


Die Erkrankung

Anteil mit Parasiten infizierter Hunde und Katzen Vetmeduni Vienna 1999-2005

Infizierte Hunde und Katzen

Giardien gehören zu den häufigsten Endoparasiten von Hunden und Katzen in Österreich (Abb. 3). Häufig sind Tiere (und auch Menschen) Träger und Ausscheider von Giardien, ohne zu erkranken. Eine klinische Manifestation der Infektion zeigt sich in chronisch-intermittierendem, katarrhalischem Durchfall, gelegentlich mit Schleim-, selten mit Blutbeimengungen (Abb. 4). Die Inkubationszeit beträgt etwa eine Woche, die Ausscheidung kann mehrere Wochen, oft sogar Monate dauern, wobei der Durchfall durch die variierende Parasitendichte und die damit verbundene Irritation in veränderlicher Intensität auftritt. Besonders anfällig sind jüngere Tiere unter 1 Jahr und Kinder. Neben Durchfall können auch Leibschmerzen, Blähungen, Malabsorption und Abmagerung und beim Menschen Saccharose-Intoleranz auftreten. Bei gleichzeitiger Immunschwäche können sich die Krankheitssymptome erheblich verschlimmern. Todesfälle sind jedoch selten.


Blutig-schleimiger Kot bei Giardiose

Blutig- schleimiger Kot

Im Gegensatz zu Deutschland sind Giardia-Infektionen des Menschen in Österreich nicht meldepflichtig, daher sind die genauen Prävalenzen nicht bekannt. In Deutschland wurden im Jahre 2004 4621 Infektionen, meist bei Kindern unter 10 Jahren, gemeldet, davon etwa ein Drittel Reiseinfektionen. Die Dunkelziffer dürfte erheblich höher liegen.


Diagnose

Giardienzysten nativ in Kotanreicherung

Giardien- zysten nativ in Kot- anreicherung

Die Diagnose der Giardiose erfolgt entweder durch Nachweis der Zysten im Kot oder Stuhl, durch Koproantigennachweis oder (seltener) durch Nachweis der Trophozoiten in frischem Darminhalt (s. Tabelle 1) [Link 9]. Aufgrund der geringen Größe (8-15 x 7-10 µm) und des geringen Kontrasts sind Zysten im Direktverfahren oft schwer zu detektieren (Abb. 5). Man kann sich daher auch indirekter Nachweisverfahren bedienen, die allerdings mit höheren Kosten verbunden sind. Während die Materialkosten für die konventionelle Kotanreicherung bzw. die MIFC-Methode bei unter 1 € liegen, kosten die Fertigtestsysteme zwischen 6 und 8 €/Probe; der ELISA liegt dazwischen.

 


Bekämpfung

Eine effektive Bekämpfung der Giardiose kann sich recht schwierig gestalten. Grundsätzlich stehen wirksame Medikamente zur Verfügung, allerdings ist die Gefahr einer erneuten Ansteckung aufgrund der weiten Verbreitung und hohen Umweltresistenz des Parasiten sehr hoch. Ein zusätzliches Problem stellen therapieresistente Fälle dar, wie sie insbesondere bei Katzen immer wieder beschrieben werden. Resistente Stämme sind beim Menschen beschrieben und sollen bei zwischenartlicher Übertragung auch bei Tieren vorkommen und für mangelnde Therapierfolge verantwortlich sein.

Eine Behandlung ist angezeigt, wenn Tiere klinisch erkrankt sind, im Kot (auch bei fehlender Symptomatik) wiederholt Zysten/Antigen in größeren Mengen gefunden werden oder wenn die Gefahr einer Weiterverbreitung auf andere Tiere in einem Bestand, auf Kinder sowie immungeschwächte Personen besteht. Für Hunde und Katzen stehen in Österreich drei Wirkstoffe zur Verfügung (s. Tabelle 2) [Link 10]: das auch gegen Giardien wirksame Benzimidazol Fenbendazol ist in verschiedenen Formulierungen für Hunde und Katzen zugelassen. Für Welpen (bis 6 kg) eignet sich die Pet Paste am besten. Nur eine mehrtägige Medikation bringt gute Erfolge. Das zur Entwurmung von Hunden und Katzen zugelassene Kombinationspräparat Drontal® Plus enthält Febantel als gegen Giardien wirksamen Bestandteil und wird in hohen Dosen über mehrere Tage als wirksam empfohlen. Das gegen Giarideninfektionen beim Menschen eingesetzte Metronidazol ist auch bei Hunden und Katzen wirksam, wird jedoch in zwei Dosen pro Tag verabreicht und sollte über mindestens 5 Tage gegeben werden. Es empfiehlt sich eine Anwendung in Tablettenform. Albendazol gilt als wirksam, hat jedoch erhebliche Nebenwirkungen und ist daher nicht mehr zu empfehlen.

Die Beseitigung der Zysten ist unter Bedingungen der üblichen Zwingerhaltung praktisch unmöglich. Die Anwendung von Dampf oder Desinfektionsmitteln kann nur bei entsprechend widerstandsfähiger Einrichtung vorgenommen werden. Jedoch führt die tägliche Kotbeseitigung und Reinigung von Böden und Ausläufen mit anschließender Trocknung (!) zu einer Reduzierung des Infektionsdrucks. Bei einem Giardioseausbruch müssen Hygienemaßnahmen stets begleitend durchgeführt werden, um die Reinfektionsgefahr zu mindern. Dazu wird auch das Baden der Tiere nach Behandlung (zum Entfernen der evtl. im Fell vorhandenen Zysten) und das Verbringen in saubere Räume empfohlen.


Vakzinierung

Obwohl Fenbendazol, Febantel und Metronidazol im Allgemeinen gut wirksam sind, gelingt es nicht in allen Fällen, die Infektion damit zu kontrollieren. Vor allem bei Katzen treten immer wieder therapieresistente Patienten auf. Eine in USA entwickelte und zugelassene Vakzine (Giardia Vax, Fort Dodge) auf der Basis inaktivierter Trophozoiten soll in Kombination mit Behandlung und Hygiene gute Erfolge haben, allerdings wird die Wirksamkeit nicht in allen Publikationen bestätigt und die Vakzine ist in Europa auch nicht zugelassen.


Zusammenfassung und Ausblick

Giardien scheinen bei uns außerordentlich weit verbreitet zu sein. Es ist unklar, warum einige Individuen eine zum Teil ausgeprägte Klinik entwickeln, während andere, die unter denselben Umständen leben (z. T. im selben Haushalt oder Zwinger!) den Parasiten ohne gesundheitliche Beeinträchtigung beherbergen.

Eine effektive Bekämpfung sollte eine gezielte, mehrtägige Behandlung (dies bereitet v. a. Katzenbesitzern aufgrund der mangelnden Kooperation der Patienten manchmal Schwierigkeiten!), begleitende Hygienemaßnahmen und eine umfassende Diagnostik zur Überwachung des Therapieerfolgs und möglicher Reinfektionen einschließen. Bei positivem Befund muß die Anamnese eine Besitzerbefragung zu Personen und anderen Tieren im Haushalt und deren Gesundheitszustand einschließen, um eine umfassende Beurteilung der Situation und der Bekämpfungsmöglichkeiten vornehmen zu können.

Literatur:
Trans R Soc Trop Med Hyg. 1990, 84(2):249-250
Trends in Parasitology 2001, 20 (4), 185-191
J Am Vet Med Assoc. 2003, 222(11), 1548-1551
Parasitology 2004, 128, 253-262Can Vet J 2004, 45(11), 924–930
Parasitol. Res. 2005, 97 (1), 1-6
RKI, Epidemiologisches Bulletin, Juli 2005
Maggie Fisher, GUARDING AGAINST GIARDIA: www.priory.com/vet/giardia.htm [Link 11]