Genetische Spuren von Domestikation in Altweltkameliden

 
Proben zur genetischen Analyse werden unter tierärztlicher Aufsicht entnommen. (Foto P. Burger)
Foto eines Veterinärs mit Hauskamel
 

Seit ihrer Domestikation hatten Dromedare eine Schlüsselrolle in der Verbreitung und Erhaltung von Zivilisationen. Mit ihrer Anpassungsfähigkeit an extremste Umweltbedingungen übertrafen sie dabei alle anderen Säugetiere in ariden Regionen. Das Potential der "Wüstenschiffe" wurde in Karawanen genutzt, die auf historischen Routen vom Indischen Ozean bis zum Mittelmeer zogen und asiatische, afrikanische und europäische Kulturen miteinander verbanden. Die Ergebnisse unserer Studie spiegeln diesen extensiven Austausch wieder und zeigen eine unerwartet hohe globale genetische Vielfalt in den heutigen Dromedaren.

Durch die Analysen von mehr als tausend Dromdaren sehen wir, dass sich zwei ursprüngliche mütterliche Linien durch den Domestikationsprozess erhalten haben, die mindestens sechs weibliche Gründertiere umfassen. Diese anfängliche Diversität ist erstaunlich hoch angesichts der räumlich und zeitlich limitierten Koexistenz von Wilddromedaren und früh-domestizierten Tieren auf der Arabischen Halbinsel.

In diesem FWF-Projekt untersuchen wir mittels der Sequenzierung von gesamten Genomen genau jene Veränderungen, die dem Prozess der Domestikation – der Anpassung an die von Menschen vorgegebenen Lebensweisen – zugrunde liegen. Das Ziel dieses Projekts ist es, diese genomischen Spuren von Selektion in domestizierten Kamelen durch vergleichende Analysen mit ihren wilden Artverwandten zu finden. Dieses Projekt soll dazu beitragen, die Mechanismen zu verstehen, die den anfänglichen Domestikationsprozessen zu Grunde liegen. Durch die Entdeckung von sogenannten “Domestikationsgenen” in Kamelen und deren Vergleich mit anderen Haustieren, erfahren wir mehr über funktionale Regionen in den Säugetiergenomen generell. Die Kenntnis der Evolutionsgeschichte der Altweltkamele wird auch zur in-situ Arterhaltung der letzten Wildkamele sowie zur Erhaltung der genomischen Diversität der wichtigsten und nachhaltigsten Haustierart in (semi-) ariden Regionen beitragen. Angesichts der Problematik von nachhaltiger Landwirtschaft in zunehmend trockenen Gebieten sind unsere Ergebnisse von hoher Bedeutung für die Öffentlichkeit. Die Kostenwirksamkeit von  Kamelen, der natürliche Insulingehalt ihrer Milch und die Besonderheiten des Immunsystems erwecken erneut
medizinisch-wissenschaftliches Interesse an diesen außergewöhnlichen Tieren.

Projektlaufzeit 1.3.2012-1.3.2016

 

Wissenschaftliche Förderung durch

  • FWF 1, Projekt P247006-B25

 

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