Khulan trifft Straße – Auswirkungen Bergbau-bedingter Infrastruktur auf mongolische Wildesel in der Wüste Gobi

 

Foto von zwei laufenden Wildeseln in der mongolischen Steppe 1
 
Das Unter-suchungsgebiet in der Gobi
 2
Khulane vor der OT Mine
 3
Khulane am Rand der Minenstrasse
 4
Fang mit dem Betäubungs-gewehr
 5
Betäubter Khulan
 6
Das Khulan Fangteam 2013
 7
Besenderter Khulan
 8

Khulane (Equus hemionus) sind eine der am weitesten umherziehenden Huftierarten. Während ihrer jährlichen Wanderungen durchstreifen sie Gebiete von vielen Tausend Quadratkilometern. Diese hohe Mobilität ermöglicht es ihnen mit den sehr unvorhersehbaren, für die Wüste Gobi typischen, Klimabedingungen klarzukommen – sie folgen quasi den seltenen Regenereignissen und weichen regionalen Dürren oder extremen Winterereignissen aus. Doch die Gobi ist reich an Bodenschätzen und der jetzt beginnende Ausbau der Infrastruktur, der mit der Erschließung dieser Bodenschätze einhergeht, droht ohne geeignete Ausgleichsmaßnahmen, die Wanderwege dieser nomadischen Wildequidenart zu fragmentieren. Dies kann zu lokalem Aussterben führen, wie bereits in den 1950er Jahren passiert, als eine Trasse der trans-mongolische Eisenbahn durch die Gobi gebaut wurde.  

Im August  2013 stattete ein internationales Team von Wildtierexperten 20 Wildesel mit GPS Satellitenhalsbändern aus. Das Team bestand aus Biologen und Veterinären des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien 9 und des Mongoleibüros der Wildlife Conservation Society 10. Finanziert wird das Projekt von  Oyu Tolgoi 11der größten Mine in der Region, wobei die Projektabwicklung über ein Kooperationsabkommen mit Sustainability East Asia LLC 12   erfolgt. Schon die ersten Ergebnisse aus dem Projekt geben einen Eindruck welche Bedeutung „grenzenloser Raum“ für das Überleben dieser tierischen Nomaden der Wüste hat.

Schon innerhalb nur eines Monats durchstreiften die 20 Khulane eine Gebiet von über 80.000 Km²; das entspricht fast der Größe Österreichs! Der Flächenbedarf der Khulane stellt damit selbst die weltbekannten Wanderungen von Gnus und Zebras über das 25.000 km² große Serengeti-Mara Ökosystem in den Schatten. Mehrere der besenderten Khulane haben bereits Bergbaustraßen überquert, was darauf hindeutet, dass Straßen per se nicht automatisch Barrieren darstellen, aber auch bestätigt, dass diese Bergbaustraßen die Streifgebiete der Khulane durchschneiden. Im Moment ist das Verkehrsaufkommen auf den Bergbaustrassen wegen reduzierter Produktion gering, aber dies wird sich wieder ändern. Ein hohes Verkehrsaufkommen mit mehr oder weniger kontinuierlichem Lastwagenverkehr auf parallel verlaufenden Straßen kann dann sehr wohl zu einem massiven Hindernis für wandernde Khulane werden.

Die im August 2013 besenderten Khulane werden über die nächsten 2 Jahre per Satellitenhalsband überwacht werden und je nach Ergebnissen ist es geplant, auch noch weitere Tiere zu fangen und zu überwachen. Die GPS Daten der Khulane werden den Forschern wichtige Einblicke in die jährlichen und saisonalen Wanderbewegungen der Khulane liefern. In dem unproduktiven und großen Schwankungen – sowohl innerhalb eines Jahres, also auch zwischen Jahren – unterworfenen Trockenökosystem der Gobi braucht es Langzeitstudien um die Raumnutzung und den Raumanspruch von wilden Huftieren zu verstehen und robuste Lösungsansätze zu entwickeln.

 
Khulan GPS Positionen
 13

Der Raumbedarf der Khulane in der Mongolischen Gobi kann an Hand von Karten abgerufen werden (siehe Box rechts). Hier kann man sich die Bewegungen der besenderten Tiere anhand von regelmäßig aktualisierten Karten veranschaulichen.

 
 

Stimmen aus der Gobi

 

Petra Kaczensky, Projektleiterin und Mitarbeiterin der Gruppe Angewandte Ökologie am FIWI

"Der südöstliche Teil der Wüste Gobi beherbergt die weltweit größte Population von Khulanen. Diese Tiere können in dem unproduktiven und variablen Umfeld nur überleben indem sie ständig auf Nahrungssuche herumziehen. Dadurch können sie klimatischen Extremereignissen wie lokalen Dürren oder Schneestürmen, aber auch Störungen durch Menschen oder Weidekonkurrenz mit deren Vieh ausweichen."

 

Chris Walzer, Leiter der Gruppen Angewandte Ökologie und Conservation Medicine am FIWI

"Unsere vorläufigen Ergebnisse bestätigen, dass Khulane riesige Gebiete durchwandern. Die nächsten Monate werden zeigen, ob und inwiefern Landschafts-zerschneidende lineare Strukturen wie Straßen mit unterschiedlichem Verkehrsaufkommen sich auf diese lebenswichtigen Wanderungen auswirken.  Die Ergebnisse der Studie werden in die Planung geeigneter Ausgleichsmaßnahmen einfließen, mit dem Ziel ein vernetztes und intaktes Gobi-Steppenökosystem zu bewahren.”  

 

Buuveibaatar Bayarbaatar, Leiter der Abteilung Wissenschaft & Naturschutz bei WCS Mongolei

Khulane sind für den globalen Artenschutz wichtig, da sie eine einzigartige ökologische Nische belegen. Die Wildlife Conservation Society setzt auf die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft um mögliche negative Auswirkungen der mit dem Bergbau einhergehenden Infrastrukturentwicklung und zunehmenden menschlichen Präsenz zu identifizieren und diesen mit geeigneten Ausgleichsmaßnahmen entgegenzuwirken. Nur so kann eine langfristig überlebensfähige Khulanpopulation und eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung in der Region erreicht werden.“

 

Unser Partner

 10

 

Projekt Kontakte

Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie

Petra Kaczensky

Wildlife Conservation Society

Bayarbaatar Buuveibaatar


 

Unterstützt von

 11

Finanzielle Mittel

Kontakt: Samdanjigmed Tulganyam


 
 12

Verwaltet von

Kontakt: Nyamdorj Barnuud


 

Zusätzliche Information


 

Allgemeiner Kontakt

Sekretariat

Savoyenstraße 1
A-1160 Wien

T +43 1 25077-7900
F +43 1 25077-7941

E-Mail an FIWI senden