FIWI-Studie als Titelgeschichte des „Journal of Applied Ecology“

Titelbild (Quelle: Journal of Applied Ecology)

Titelbild des Journal of Applied Ecology 1

Den Sprung auf das Titelblatt der aktuellen Ausgabe des „Journal of Applied Ecology“, eines der international anerkanntesten Fachblätter auf dem Gebiet der angewandten ökologischen Forschung, schaffte eine Studie des FIWI (Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie) der Vetmeduni Vienna. Thema der Studie ist eine in der Mongolei entstandene, vergleichende Forschungsarbeit zu den Lebensraumansprüchen zweier wilder Equiden-Arten.

Dr. Petra Kaczensky, Dipl.-Geogr. Henrik von Wehrden und Univ.Prof. Dr. Chris Walzer vom FIWI sowie ihr mongolischer Kooperationspartner O.Ganbaatar (M.Sc.) verglichen in ihrer Arbeit die Lebensräume von Asiatischen Wildeseln (Equus hemionus) und Przewalski-Wildpferden (Equus ferus przewalskii) hinsichtlich ihrer Überschneidungen. Das einzigartige an der Studie ist, dass die Wissenschafter für ihre Datengewinnung erst jahrelange Vorbereitungsarbeiten leisten mussten; denn die Przewalski-Wildpferde waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts in freier Wildbahn ausgerottet. Darum wurden unter Beteiligung von Prof. Walzer zuerst Nachzuchten des Przewalski-Wildpferdes aus Zoobeständen im Schutzgebiet „Große Gobi B“  wieder angesiedelt. Darauf fußt die weitere Arbeit der Wissenschafter.

Studienhypothese

Den Forschern bot sich nun die einmalige Gelegenheit, die Hypothese zu überprüfen, dass Przewalski-Wildpferde an feuchtere Steppengebiete und Asiatische Wildesel an Trockensteppen und Halbwüsten angepasst sind. Die Ergebnisse der Studie gelten als wichtige Voraussetzung für künftige Entscheidungen bezüglich des Managements der zentralasiatischen Schutzgebiete.
Zwischen 2001 und 2005 wurden 9 Przewalski Pferde und 7 Asiatische Wildesel mittels Satellitentelemetrie und direkten Beobachtungen hinsichtlich Habitatnutzung und sozialer Organisation untersucht. Es zeigte sich, dass Przewalski-Pferde überlappende Streifgebiete von 150 bis 830 km² Größe einnehmen. In stabilen Haremsverbänden beanspruchen sie als Lebensraum nur die produktivsten Vegetationstypen. Die Asiatischen Wildesel hingegen durchstreifen wesentlich größere Gebiete von 4.500 bis zu 6.800 km² Größe. In offenen Verbänden mit wechselnder Zusammensetzung lebend, zeigten sie kaum Präferenzen für einen speziellen Vegetationstyp.

Studienergebnisse

Die Ergebnisse deuten auf eine unterschiedliche Einnischung der beiden Wildequidenarten hin. Die Schutzgebiete in der Wüste Gobi sind für das Przewalski-Wildpferd kein optimaler Lebensraum, da die Pferde sehr stark auf die wenigen produktiven Habitatinseln angewiesen sind. Für zukünftige Wiedereinbürgerungen kommen deshalb nur weniger dürre Gebiete in Frage. Asiatische Wildesel scheinen an Trockensteppen und Halbwüsten besser angepasst zu sein, brauchen aber riesige Räume, um den wenig vorhersagbaren, harten Lebensbedingungen in der Gobi trotzen zu können.

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