Nachruf: Altrektor Oskar Schaller verstorben

O.Univ.Prof. DDr. Dr.h.c. Oskar Schaller

Foto von Altrektor Oskar Schaller 1

Am 16. Mai 2012 erreichte uns die Nachricht, dass der ehemalige Rektor der Veterinärmedizinischen Universität Wien, O.Univ.Prof. DDr. Dr.h.c. Oskar Schaller, im 89. Lebensjahr verstorben ist. Der international hoch angesehene und vielfach ausgezeichnete Veterinäranatom wurde insgesamt fünf Mal zum Rektor der Vetmeduni Vienna gewählt. Unsere aufrichtige Anteilnahme gilt seiner Familie und seinen Verwandten.

Oskar Schaller wurde am 5. Juli 1923 in Linz, Oberösterreich, geboren. Seine Familie übersiedelte wenige Jahre später nach Wien. Nach der Volksschule besuchte er das Schopenhauer Gymnasium in Wien Währing (heute BRG 18). Er fühlte sich seiner Schule verbunden, bis zuletzt besuchte er die Maturatreffen seines Abschlussjahrgangs. Nach seiner Matura im Jahr 1941 studierte er Veterinärmedizin an der damaligen Tierärztlichen Hochschule in Wien, wo er im Jahr 1951 promovierte. Neben seiner Assistententätigkeit studierte er an den Medizinischen Fakultäten der Universitäten Graz und Wien Humanmedizin und schloss 1958 auch dieses Studium erfolgreich ab. 1956 erlangte er an der Wiener Tierärztlichen Hochschule die Lehrbefugnis (Habilitation) für Systematische und Topographische Anatomie. 1960 wurde er zum außerordentlichen Universitätsprofessor ernannt, seine Berufung zum ordentlichen Universitätsprofessor erfolgte im Jahr 1962. Obwohl er 1965 einen Ruf an die Tierärztliche Fakultät der Universität München erhielt, entschloss er sich, in Wien zu bleiben.

Leidenschaftlicher Tieranatom

Sein Forschungsinteresse galt der Röntgenanatomie, der Anatomie des Herzen und des peripheren Nervensystems. Besonders intensiv beschäftigte sich Schaller mit vergleichenden anatomischen Fragestellungen und mit Fragen der veterinäranatomischen Nomenklatur. Für seine hervorragenden Leistungen auf wissenschaftlichem Gebiet und für seine Verdienste um die Belange der Universität wurde er 1979 mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse ausgezeichnet. Im Jahr 1991 wurde Schaller zudem das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen.

Innovativer Lehrer

Besondere Verdienste erwarb sich Schaller als Universitätslehrer. Er gestaltete den Unterricht in der Anatomie wesentlich neu und baute ihn aus. So wurden an seinem Institut schon früh zahlreiche Videofilme für die anatomische Lehre gestaltet. Im Jahr 1992 erschien zudem die erste Auflage des von Schaller gestalteten und weltweit verwendeten Referenzwerkes „Illustrated Veterinary Anatomical Nomenclature“, welches mittlerweile in der 3. Auflage vorliegt.

Prägendes Rektorat

Von ganz besonderer Bedeutung für die Veterinärmedizinische Universität Wien war jedoch seine Tätigkeit als Rektor. Schaller war insgesamt neun Studienjahre hindurch als Rektor im Amt (1974-1977, 1981-1983, 1987-1991). Während seiner Amtszeit als Rektor für die Studienjahre 1974 bis 1977 war Schaller der letzte vom Professorenkollegium gewählte Rektor und anschließend der erste auf Basis des damals neu inkraftgetretenen Universitäts-Organisationsgesetzes der erste vom Universitätskollegium gewählte Rektor. Mit seiner Korrektheit in der Amtsführung schuf er ein gutes Einvernehmen unter allen Kurien der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

Schlagwortartig seien weitere markante Ereignisse an der Universität erwähnt, die in Schallers Amtszeit fielen:

  • 1975: Inkrafttreten des Studiengesetzes Veterinärmedizin
  • 1981: Eröffnung der Tierpflegerschule des Fonds zur Förderung der Tierpflegerausbildung
  • 1982: Übernahme der neu adaptierten Gebäude der Meierei des Schlosses Wilhelminenberg zur Beherbergung des Forschungsinstitutes für Wildtierkunde
  • 1983: Abschluss der Adaptierungsarbeiten im Haus Ungargasse 14
  • 1990: Spatenstich und Grundsteinlegung für den Neubau der Veterinärmedizinischen Universität Wien am heutigen Standort in Wien Floridsdorf

Weitere Funktionen

Von 1965 bis 1980 war Schaller Präsident der Internationalen Veterinäranatomischen Nomenklaturkommission und von 1970 bis 1973 Präsident der Europäischen Vereinigung der Veterinäranatomen. In den Jahren 1966 bis 1968 hatte er zudem das Amt des Präsidenten der Österreichischen Gesellschaft der Tierärzte inne.

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Kategorie: Nachruf