Sei mein Schwarm – Buntbarschschwestern schwimmen gemeinsam, um ans Ziel zu kommen

Weibliche Buntbarsche verbreiten sich weiter als männliche. (Foto: Stefanie Schwamberger)

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Im Schwarm zu schwimmen bietet vielen Fischen Schutz. Wer aber mit wem schwärmt, ist von Art zu Art unterschiedlich. Ein Forschungsteam vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni Vienna hat Buntbarsche im zentralafrikanischen Tanganjikasee untersucht. Auf ihren Tauchgängen beobachteten die Forschenden, dass Weibchen sich im Laufe ihres Lebens weiter vom Geburtsort entfernen als Männchen. Um Risiken zu minimieren und die Verbreitung der eigenen Erbinformation zu sichern, schwimmen die Weibchen dabei häufig mit ihren Schwestern im Schwarm. Männchen bevorzugen es außerdem, mit nicht verwandten Artgenossen einen Schwarm zu bilden. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Oecologia veröffentlicht.

Wie und wohin sich Tiere nach dem Verlassen ihres Nests verbreiten, hängt von der Tierart und den ökologischen Umständen ab. Viele Fische bilden  einen Schwarm, um nicht vom nächstbesten Feind gefressen zu werden. Schwimmen Verwandte miteinander im Schwarm, ist der Vorteil noch größer, da der gemeinschaftliche Schutz den eigenen Verwandten zu Gute kommt. Das fördert das Weiterbestehen und die zukünftige Verbreitung der eigenen Erbinformation.

Franziska Lemmel-Schädelin, Wouter van Dongen, Yoshan Moodley und Richard Wagner vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung untersuchten Buntbarsche (Neolamprologus caudopunctatus) im zweitgrößten See Afrikas und zweit tiefsten See der Erde, dem Tanganjikasee. Seine Oberfläche beträgt rund 33.000 Quadratkilometer. Das entspricht etwa der Größe von Niederösterreich und Oberösterreich zusammen. Die Forschenden untersuchten dort, wie das Geschlecht und die Größe der Fische ihre Verbreitung und ihr Schwarmverhalten beeinflussen. 

Weibchen verbreiten sich weiter als Männchen

Während  zahlreicher Tauchgänge im Oktober und November 2008 untersuchten Lemmel-Schädelin und ihre KollegInnen das Migrationsverhalten und die Verwandtschaftsverhältnisse von mehr als 900 Buntbarschen. Dazu sammelten die TaucherInnen DNA-Proben der Rückenflossen und dokumentierten Körpergrößen sowie Geschlecht der Barsche. Nach Analyse der Daten zeigte sich, dass sich Weibchen im Laufe ihres Lebens viel weiter von ihren elterlichen Bruthöhlen entfernen als Männchen.

„Um Inzucht oder den Wettkampf um begrenzte Ressourcen zu vermeiden, ist es bei vielen Tieren grundsätzlich so, dass sich ein Geschlecht weiter  vom Geburtsort weg bewegt als das andere. Bei Säugetieren sind das meist die Männchen, während die Weibchen  eher in der Nähe der Nester bleiben. Im Gegensatz dazu sind es bei der untersuchten Buntbarschart offenbar die Weibchen, die abwandern“, erklärt Verhaltensbiologin Lemmel-Schädelin.   

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