Eine Datenbank voller Leben

Biologische Vielfalt in Österreich (Fotos: NHM)

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Aus VETMED 2015/01 - Im Rahmen von Austrian Barcode of Life (ABOL) soll eine umfassende Sammlung von DNA-Abschnitten einzelner Arten von Pflanzen, Tieren und Pilzen entstehen. Anja Joachim und ihr Team vom Institut für Parasitologie starten mit der Erfassung aller parasitischen Würmer in Österreich und bringen so Licht ins Dunkel der heimischen Artenvielfalt. (Diesen Beitrag finden Sie auch im aktuellen VETMED-Magazin der Vetmeduni Vienna.)

Geht es nach den Vereinten Nationen, leben wir momentan im Jahrzehnt der Biodiversität. Um den Wert der vielen Arten schätzen zu können, müssen diese aber erst entdeckt, zugeordnet und in einer Datenbank erfasst werden. Mit modernen technischen Methoden und dem Wissen von ExpertInnen soll die biologische Vielfalt in der Alpenrepublik erstmals systematisch erhoben werden. Österreich ist aufgrund seiner geografischen Lage und der Landschaftsstruktur ein Hotspot der biologischen Vielfalt.

Geschätzt gibt es hierzulande 68.000 Arten im Tier- und Pflanzenreich. Davon sollen bei ABOL in den ersten drei Jahren 15.000 erfasst werden. Nach dieser Anlaufphase sollen die Methoden gut etabliert sein und die Erfassung schon schneller voranschreiten. Die Vetmeduni Vienna startete gemeinsam mit dem Naturhistorischen Museum Wien (NHM), der Karl-Franzens-Universität Graz und den Tiroler Landesmuseen im vergangenen Juli das Projekt ABOL.

Pilotprojekt parasitische Würmer

Anja Joachim leitet an der Vetmeduni Vienna das Institut für Parasitologie. Bei ABOL hat sie ebenfalls eine Führungsrolle übernommen. Sie leitet das Pilotprojekt zur Erfassung der parasitischen Würmer. Gemeinsam mit Hans-Peter Führer und Josef Harl startet sie mit der genetischen Analyse dieser Parasiten bei Fischen, Haustieren und Wildtieren.

Parasitische Würmer sind wirbellose Tiere. Zu ihnen gehören beispielsweise die Bandwürmer, die im Darm ihrer Wirte anhaften und dort Nahrung über die Haut aufnehmen. Zu einer anderen Gruppe gehören die sogenannten Fadenwürmer oder Nematoden, farblose, meist mikroskopisch kleine Würmchen, die in Pflanzen, Tieren und dem Menschen leben und durch ihre Anwesenheit die Gesundheit des Wirtes beeinträchtigen können. „Parasitische Würmer der Menschen und jene einiger Haustiere sind relativ gut erforscht. Über das Arteninventar bei Wildtieren ist aber beispielsweise noch wenig bekannt“, erklärt die Parasitologin Joachim. „Als Krankheitserreger sind parasitische Würmer nicht zu unterschätzen. Sie sind extrem anpassungsfähig und überleben sehr lange in ihrem Wirt“, so Joachim. „Indem wir alle heimischen Arten genetisch erfassen, können wir einen Datenfundus schaffen, mit dem wir in Zukunft diese Erreger im Menschen und im Tier identifizieren können.“

DNA-Barcoding

Beim DNA-Barcoding handelt es sich um eine standardisierte Methode. Ein bestimmter Abschnitt im Erbgut eines Lebewesens wird sequenziert. Diese spezifische DNA-Sequenz, der Barcode, wird anschließend in einer Datenbank gespeichert. Mit dieser Fülle an Barcodes können beispielsweise Blutspuren, Eier, Larven oder anderen Gewebestücke eindeutig einer bestimmten Art zugeordnet werden.

Wer ist wer und was ist was?

Die Barcode-Datenbank löst auch ein weiteres Problem. Immer häufiger mangelt es an sogenannten Taxonomen. Das sind Fachleute, die es verstehen, Arten aufgrund äußerlicher Merkmale zuzuordnen. Diese Zuordnung wird außerdem anspruchsvoller, je kleiner die untersuchte Art ist. „Große Säugetiere sind beispielsweise recht einfach einer Gruppe oder Familie zuzuordnen. Geht es in den mikroskopischen Bereich, wird das Zuordnen schon schwieriger. Auch gut ausgebildete Taxonomen können Arten dann nicht mehr mit hundertprozentiger Genauigkeit bestimmen. Deshalb wird DNA-Barcoding in Zukunft immer häufiger die Methode der Wahl sein“, betont Führer.

Globale Artenvielfalt zugänglich machen

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Monitoring eingeschleppter Arten. Weltweit laufen zahlreiche Initiativen zur Erfassung der globalen Artenvielfalt. Neben ABOL in Österreich gibt es beispielsweise auch GBOL in Deutschland und iBOL, das entsprechende internationale Projekt. Alle Initiativen haben sich zum Ziel gesetzt, Daten zu vernetzen und eine globale Sammlung frei zur Verfügung zu stellen. Wird eine Art in eine Region eingeschleppt, kann das mit Hilfe des global vernetzten Datensatzes schnell angezeigt werden.

Anja Joachim und ihr Team befinden sich am Beginn eines spannenden Projekts. Die Forscherin formuliert es so: „Mit der Erhebung der genetischen Vielfalt wird ein globales Lebensnetz gesponnen. Wir befinden uns auf einer aufregenden Reise durch die Welt der Arten und sind gespannt, was noch auf uns zukommt.“

Diesen Beitrag finden Sie auch in der Ausgabe 2015/01 des VETMED - Magazin der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

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Kategorie: Magazin

 

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