Top im "Job" - Prüfung für Assistenz- und Therapiebegleithunde

Im Auftrag des Sozialministeriums entstand die neue Prüfstelle für Assistenz- und Therapiebegleithunde (Im Bild: Minister Hundsdorfer und Rektorin Hammerschmid, (c) Hans Hofer/Sozialministerium)

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Aus VETMED 2015/01 - Am Messerli Forschungsinstitut der Vetmeduni Vienna wurde die Prüfstelle für Assistenz- und Therapiebegleithunde eingerichtet. Höhere Qualität, besserer Tierschutz und neue Forschungserkenntnisse werden erwartet.

Schäferhund Aldo soll zum Assistenzhund ausgebildet werden, um seinem Tierhalter, der wegen Multipler Sklerose im Rollstuhl sitzt, im Alltag zu helfen. Wie alle Assistenzhunde, zu denen Blindenführ-, Service- und Signalhunde zählen, wird auch Aldo rund um die Uhr bei seinem Herrchen leben. Therapiebegleithunde hingegen wohnen bei Gesunden und kommen nur stundenweise in Betreuungseinrichtungen wie etwa Senioren- oder Behindertenheimen zum Einsatz, um Therapien zu begleiten. Für den Eintrag in den Behindertenpass und die daran geknüpften Vorteile, das Tragen des amtlichen Logos „Assistenzhund“ und eine staatliche Förderung, müssen Aldo und sein Halter nun ein Beurteilungsverfahren positiv abschließen. Bisher mussten nur Blindenführhunde eine Prüfung bestehen. Das alte System hatte jedoch Mängel, was alle anderen Assistenz- und Therapiebegleithunde betrifft: TierhalterInnen konnten nicht sicher sein, über welche Fähigkeiten ihre Therapiehunde tatsächlich verfügten, Ausbildungsstätten waren nicht vor ungerechtfertigten Ansprüchen geschützt, es gab keine Ausbildungsstandards und auch Fragen des Tierschutzes kamen zu kurz. Mit der Änderung des Bundesbehindertengesetzes, die am 1. Jänner 2015 in Kraft trat, wurden nun die Beurteilungskriterien für die Prüfung definiert und Qualitätssicherungsmaßnahmen wie Weiterbildung oder Nachschulungen in den Richtlinien festgeschrieben.

Sozial verträglich und gehorsam?

Eine Schlüsselrolle spielt dabei das Messerli Forschungsinstitut der Vetmeduni Vienna. Dort wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Soziales, Arbeit und Konsumentenschutz die nationale Prüfstelle eingerichtet. Hauptverantwortlich ist Karl Weissenbacher, der auch die Koordinierungsstelle „Tierschutzqualifizierte/r HundetrainerIn“ leitet: „Wir organisieren die Prüfung, vom Konzept über die Aufsicht bis hin zur Zusammenstellung der Prüfkommissionen.“ Zur neuen, zweiköpfigen Kommission für Assistenzhunde zählt auch ein Behindertensachverständiger mit dem Gütesiegel „Tierschutzqualifizierter Hundetrainer.“ Bei Schäferhund Aldo wird nun etwa abgecheckt, ob er die Voraussetzungen wie gesundheitliche Eignung, ein erwünschtes Sozial- und Umweltverhalten und ausreichend Gehorsam mitbringt, und ob er spezifische Aufgaben bewältigen kann. Den Hundehalterinnen und -haltern wird in Sachen Haltung, Ernährung und Tiergesundheit auf den Zahn gefühlt. Schließlich wird auch das Team „Mensch-Tier“ unter die Lupe genommen.  Bestehen Aldo und sein Herrchen die Prüfung nicht, kann der Hund zwar bei ihm bleiben, erhält jedoch keinen Eintrag in den Behindertenpass.

Datengrundlage schaffen

Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Evidenzliste für Assistenz- und Therapiebegleithunde, die von der Prüfstelle an der Vetmeduni Vienna geführt wird, enorm wichtig. Erstmals werden alle in Österreich mittels Prüfnummer registrierten Hunde zentral erfasst. Mangels Daten wusste man bisher nichts über deren Gesundheitszustand und Entwicklung. Wie wirkt sich etwa die tägliche Arbeit, 365 Tage im Jahr, auf die Gesundheit von Assistenzhunden aus? Und obwohl Therapiebegleithunde bei Gesunden leben und „nur“ stundenweise im Einsatz sind, ist laut Weissenbacher „nicht jeder Hund so gefestigt, um den Anforderungen gewachsen zu sein. Die Ausbildungsstätten sollten deshalb gut selektieren.“ In Summe bringt die Neuregelung somit für alle Beteiligten, ob Einzelpersonen, Hundeschulen oder Betreuungseinrichtungen, mehr Qualität. Schließlich wollen sich nicht nur Zwei-, sondern auch Vierbeiner gut versorgt wissen.

Diesen Beitrag finden Sie auch in der Ausgabe 2015/01 des VETMED - Magazin der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

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Kategorie: Magazin

 

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