Kleine RNA-Schnipsel fördern spezielle Lymphomerkrankungen

Gewebeschnitt durch ein anaplastisches großzelliges Lymphom (ALCL). (Foto: Michaela Schlederer)

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Sehr kurze RNA-Abschnitte stecken offenbar hinter der Entstehung einer bestimmten Form von sogenannten anaplastischen großzelligen Lymphomen (ALCL). Dies haben Heidelberger und Wiener WissenschafterInnen um den Pathologen Lukas Kenner von der Abteilung für Labortierpathologe an der Vetmeduni Vienna herausgefunden und vor kurzem im renommierten "Journal of Pathology" publiziert.

"ALCL ist ein seltenes, aggressives Non-Hodgkin-Lymphom, das oft bei jungen Patienten vorkommt", so der Pathologe Kenner. Lymphome sind eine Art von Blutkrebs, wobei es aber zur Entstehung von Tumoren kommt. Etwa bei der Hälfte der ALCL-Patienten liegt eine Genveränderung vor, die zum Entstehen eines Fusionsproteins (NPM-ALK) führt. Dieses als Enzym wirkende Protein treibt das Wachstum der bösartigen Zellen an. Besonders aggressiv ist aber eine ALCL-Form, welche dieses Fusionsprotein nicht aufweist (ALK-negativ).

Erstautor Olaf Merkel (Pathologie/MedUni Wien) und die Co-Autoren haben ein kleines RNA-Molekül (miR-155) gefunden, das bei diesen Patienten stark gehäuft auftritt. Es gehört zu einer Klasse von nicht Protein kodierenden DNA-artigen Botenstoffen, sogenannte microRNAs, und spielt bei der Entwicklung von weißen Blutzellen und in der Immunantwort eine wichtige Rolle. Durch spezielle aus Heidelberg stammende Anreicherungstechniken gelang es den Wissenschaftern auch, die Zielmoleküle dieser microRNA zu identifizieren.

Neue therapeutischen Ansätze möglich

miR-155 fördert die Produktion von des Immunbotenstoffs Interleukin-22, unterdrückt hingegen die Bildung von Interleukin-8. "Die neuen Daten sind einerseits von großer diagnostischer Bedeutung, da man bis jetzt die Patienten ohne der Proteinverbindung schwer von anderen Lymphompatienten unterscheiden konnte. Weiters eröffnen sich durch die genauere Kenntnis der Signalwege auch neue therapeutischen Ansätze. Zum Beispiel wäre es denkbar DNA-Moleküle mit der entgegengesetzten Sequenz zu injizieren, was die microRNA blockieren würde", schrieb Kenner. An Mäusen habe man prinzipiell die Wirksamkeit solcher möglicher Therapien bereits belegen können.

Erst vor kurzem haben die Wiener Pathologen gezeigt, dass ALCL-Erkrankungen auch durch Mutationen im JAK1- und im STAT3-Gen charakterisiert sein können. Schließlich wurden im vergangenen Jahr Hinweise gefunden, dass Brustimplantate in seltenen Fällen über den Weg von chronisch entzündetem Narbengewebe ALCL-Erkrankungen auslösen könnten.

(APA/Red)

am )

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