Jede Menge Schätze im Keller

Biologe Stefan Kummer flitzt über den Campus, denn der Transport von Tumoren oder Organen von der Klinik bis ins Labor der VetBioBank muss schnell gehen. (Foto: Melanie Korb/Vetmeduni Vienna)

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Aus VETMED 03/2015 - In der VetBiobank der Vetmeduni Vienna lagern rund 17.000 Gewebeproben von Tumoren und gesunden Organen. Ohne hohe Qualitätsstandards wäre das Einlagern von Tierproben in der zentralen Datenbank zwecklos. Die wertvolle Sammlung steht für zahlreiche Forschungsfragen zur Verfügung. VETMED-Das Magazin der Vetmeduni Vienna erscheint in Kürze, mit dieser und zahlreichen anderen Geschichten rund um die Uni.

Wenn das „Tumorhandy“ läutet, dann beginnt die Zeit zu laufen. Jede Minute ist kostbar. Stefan Kummer nimmt das grüne Fahrrad, das griffbereit in der VetBioBank steht, und fährt über den Campus der Vetmeduni Vienna zur Kleintierchirurgie. Dort wird gerade bei einem Hund ein faustgroßer Milz-Tumor herausoperiert. Kummer übernimmt den Tumor, packt ihn steril in eine Kühltasche und bringt ihn möglichst rasch ins Labor. Temperaturverlauf und Zeit werden dokumentiert. Was der Hund nicht mehr braucht, ja sogar schädlich für seine Gesundheit ist, bedeutet wertvolles Gewebematerial für die Forschung.

Schneller als der Zellabbau

Darum auch der Zeitdruck. Je weniger Zeit vergeht vom Unterbrechen der Blutversorgung des Tumors im Operationsraum, bis zur Stabilisierung der Probe mit speziellen Lösungen im Labor der VetBioBank, umso mehr Informationen stehen später für die Forschenden zur Verfügung. Die Zellen und ihre Bestandteile sollen möglichst so in der Datenbank die Biobank eingelagert werden, wie sie im lebenden Organismus vorgekommen sind. Das fragile Gleichgewicht von Proteinen, RNA, Enzymen und anderen Bestandteilen in der Zelle soll sich während des Transports möglichst wenig verändern.

Gesundes und krankes Gewebe

Die VetBioBank ist die einzige veterinärmedizinische Datenbank für biologische Proben in Österreich. Im Gegensatz zu anderen Biobanken, in der auch Blut- oder Urinproben eingelagert sind, sammelt die VetBioBank derzeit ausschließlich Gewebe von Tumoren und gesunden Organen. „Der Vorteil von Gewebe ist, dass es viel mehr Informationen liefert als etwa Blut. Neben Zellen und Biomarkern kann ich auch die Morphologie, also die Struktur der Zellen, analysieren und zum Beispiel feststellen, in welchen Zellen gewisse Biomarker vorkommen. Biomarker können Hinweise auf den Ursprung und den Verlauf einer Erkrankung geben“, erklärt die Leiterin der VetBioBank, Ingrid Walter.

17.000 Gewebestückchen im Keller

Derzeit lagert die Biobank Proben von knapp 1.000 Tumoren und rund 1.500 gesunden Organen. Das Gewebe liegt - gefroren bei minus 170 Grad im Stickstofftank oder in Paraffin gegossen bei Raumtemperatur - im Keller des Institutsgebäudes. Die meisten Proben stammen von Hunden und Katzen, aber auch Gewebe von Pferden, Rindern, Schweinen oder Frettchen sind dabei. Geliefert von den Universitätskliniken und Instituten der Vetmeduni Vienna, bewahrt die VetBioBank das tierische Gewebe auf dreierlei  Arten auf. Seit 2008 sammelten sich so knapp 17.000 einzelne Proben an. „Je nach wissenschaftlicher Fragestellung kann entweder der klassische histologische Schnitt oder eine tiefgefrorene Probe, in der noch die empfindliche RNA oder Lipide enthalten sind, nützlich sein. Wir sind in Österreich Vorreiter, was die Probenvielfalt anbelangt. Um statistisch relevante Fallzahlen anbieten zu können, müssen wir jedoch sehr lange sammeln. Biobanken sind auf Jahrzehnte hin ausgelegt. Die Qualitätsstandards von heute bestimmen den Wert der Sammlung in der Zukunft“, so Walter.

Aufbewahrt für die Ewigkeit?

Die hohe Qualität bei der Aufbereitung und Lagerung von biologischen Proben steht an oberster Stelle im Netzwerk der europaweiten Biobanking and Biomolecular Resources Research Infrastructure (BBMRI.at), an dem sich die VetBioBank  seit zwei  Jahren beteiligt. Im Österreich-Knoten vernetzen sich die heimischen Biobanken. Das Ziel: einheitliche Standards und eine in Zukunft zentrale Probenausgabe für Forschende. „Bei jeder Probe muss nachvollziehbar sein, was genau wann mit ihr passiert ist. Andernfalls sind Artefakte nicht auszuschließen, zum Beispiel Veränderungen in der Gewebestruktur, die durch die Präparation entstanden sind, nicht aber durch die Erkrankung“, erklärt Monika Wieser, BBMRI-Koordinatorin der Vetmeduni Vienna.  Außerdem habe die VetBioBank als einzige veterinärmedizinische Gewebedatenbank einen großen Vorteil: „Ethische und datenschutzrechtliche Fragen sind für uns einfacher zu klären als für humane Biobanken, die Probengewinnung und -vergabe an Forschende ebenfalls. Damit hat die VetBioBank ein enormes Potenzial. Tiere als Modellorganismen für Erkrankungen beim Menschen spielen eine immer wichtigere Rolle. Mit unserer Spezialsammlung an Gewebeproben sind wir ganz vorne dabei.“

Zur Onlineausgabe des ganzen Heftes (VETMED 03/2015) 2

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Kategorie: Forschung, Startseite, Magazin, Tierspital & Universitätskliniken  4

 

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