Erstmals winterschlafende Primatenart außerhalb Madagaskars entdeckt

Südostasiatische Zwergloris halten regelmäßig Winterschlaf. (Foto: Tilo Nadler)

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Drei Lemurenarten auf Madagaskar waren bislang die einzig bekannten Primaten, die Winterschlaf halten. Forschende der Vetmeduni Vienna und des vietnamesischen Endangered Primates Rescue Center zeigten nun erstmals, dass eine in Vietnam, Kambodscha, Laos und China lebende Primatenart, die sogenannten Zwergloris, ebenso den Winterschlaf nutzen, um Energie zu sparen. Die Ergebnisse wurden in Scientific Reports veröffentlicht.

Winterschlaf ist ein Zustand der Energieeinsparung, bei dem die Körpertemperatur und die Stoffwechselrate drastisch sinken. Hält dieser Zustand länger als 24 Stunden an, spricht man vom echten Winterschlaf. Kürzere Perioden werden als täglicher Torpor bezeichnet. Es gibt viele verschiedene Säugetiere, die Winterschlaf halten. Bei Primaten stellt der Zustand jedoch eine ganz besondere Fähigkeit dar, weil er bisher weltweit nur bei drei Lemurenarten beobachtet wurde. Lemuren leben ausschließlich auf der afrikanischen Insel Madagaskar, wo sie während der Trockenzeit Winterschlaf halten, hauptsächlich um Wasser zu sparen.

Südostasiatische Zwergloris halten regelmäßig Winterschlaf

Nun entdeckte ein Team vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmeduni Vienna, in Zusammenarbeit mit KollegInnen des vietnamesischen Endangered Primate Rescue Center, eine weitere Primatenart, die Winterschlaf hält: Die sogenannten Zwergloris (Nycticebus pygmaeus). Sie gehören zu den Feuchtnasenprimaten und werden etwa 20 Zentimeter groß und 400 Gramm schwer. Sie leben in Südostasien und sind nachtaktive Baumbewohner.

Die WissenschafterInnen untersuchten die Körpertemperatur von fünf Zwergloris im Herbst, Winter und Frühling in einem vietnamesischen Primatenreservat. Es zeigte sich, dass beide Geschlechter zwischen Dezember und Februar mehrmals bis zu 63 Stunden Winterschlaf hielten. Gründe sind laut Erstautor Thomas Ruf einerseits die innere Uhr der Tiere, die zu bestimmten Jahreszeiten – wenn die Nahrung knapp wird - den Winterschlaf induziert. Es seien aber auch die Außentemperaturen, die den Energiesparmodus auslösen. „In Vietnam, wo wir die Tiere untersucht haben, gibt es deutliche Jahreszeiten. Die Temperatur kann bis auf fünf Grad Celsius sinken. Genau dann war die Wahrscheinlichkeit für eine Winterschlafphase bei den Loris besonders hoch“, erklärt Ruf.

Mehr dazu in der Presseinformation "Erstmals winterschlafende Primatenart außerhalb Madagaskars entdeckt". 2

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