Ein Labor für Ruanda

Béatrice Mukamulisa und Jean-Claude Masengesho trainieren am Institut für Mikrobiologie an der Vetmeduni Vienna (Foto: Heike Hochhauser/Vetmeduni Vienna)

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Aus VETMED 1/2016 - Infektionskrankheiten bei Rindern und Schweinen sind in Ruanda schwer behandelbar. Es fehlt an diagnostischen Möglichkeiten, um die richtigen Medikamente auszuwählen. Für das erste veterinärmedizinische Diagnostiklabor bildet die Vetmeduni Vienna TierärztInnen aus Ruanda aus.

Béatrice Mukamulisa, Jean-Claude Masengesho und Vedaste Nyrumbuga bewerben sich im Sommer 2015 in Ruanda für die Mitarbeit an einem besonderen Projekt. Drei TierärztInnen des Landes haben die Möglichkeit, ihre veterinärmedizinische Ausbildung sieben Monate lang in Österreich zu vertiefen. Anschließend sollen sie ihr neu erworbenes Wissen für den Aufbau und den Betrieb eines diagnostischen Labors in Ruanda nutzen. Aus einer Vielzahl von Bewerbungen werden die drei ausgewählt. Masengesho hängt seinen Job als freiberuflicher Tierarzt an den Nagel, Mukamulisa lässt ihre zwei kleinen Kinder in Obhut ihres Ehemannes und die beiden reisen, gemeinsam mit Nyrimbuga, im September 2015 nach Österreich, genauer gesagt nach Wien an den Campus der Veterinärmedizinischen Universität.

Beeindruckende Ausstattung

Europa kennen die TierärztInnen aus Ruanda bisher nur aus den Medien, sie haben den afrikanischen Kontinent zuvor noch nie verlassen. In Wien angekommen, sind sie überrascht über die vielen Geräte und die Anzahl der wissenschaftlichen MitarbeiterInnen an den Uni-Instituten, den hohen Frauenanteil bei den Studierenden, den Schnee und vieles mehr. Doch Jean-Claude Masengesho und Béatrice Mukamulisa lassen sich nicht beirren von den Unterschieden. Sie sind nach Österreich gereist, um zu lernen und Erfahrungen zu sammeln. Sie möchten so viel Wissen wie möglich aufsaugen, an der Vetmeduni Vienna sowie bei der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES), wo sie für einige Zeit in Seuchendiagnostik geschult werden. „Was in unserer veterinärmedizinischen Ausbildung am Nyagatare Campus der University of Ruanda vor allem fehlte, war das praktische Arbeiten. In Wien können wir unser Wissen in Bakteriologie, Parasitologie, Hämatologie und klinischer Biochemie vertiefen. Wir lernen, wie die Proben aufzubereiten sind und die Geräte genutzt werden, um eine genaue Diagnose zu bekommen. In Ruanda können wir derzeit Medikamente häufig nur auf Verdacht verschreiben, weil wir die diagnostischen Möglichkeiten, die es hier gibt, nicht haben“, erzählt Béatrice Mukamulisa.

Katastrophe kranke Kuh

Ruandas Bevölkerung lebt zum überwiegenden Teil von der Landwirtschaft. Die meisten LandwirtInnen sind SelbstversorgerInnen. Kühe spielen dabei eine zentrale Rolle, denn sie liefern Milch für die Familie und Dünger für die Felder. Die Regierung hat sich daher zum Ziel gesetzt, dass auch die ärmsten Familien zumindest eine Kuh besitzen und für jedes Kind täglich ein Glas Milch zur Verfügung stehen sollte. „Für die vielen Kleinbauern ist eine kranke Kuh, die nicht richtig behandelt werden kann, eine Katastrophe. Mit dem geplanten Labor werden wir die veterinärmedizinische Versorgung massiv verbessern. Aber natürlich, die österreichischen Bedingungen können wir nicht eins zu eins nach Ruanda übertragen, dafür reicht das Geld nicht aus. Schritt für Schritt werden wir dennoch die Lage für die Tiere und die Menschen verbessern“ ist Jean-Claude Masengesho überzeugt.

Im Jänner, zum Zeitpunkt des Interviews, sind die TierärztInnen aus Ruanda gerade dabei, die letzten Trainings zu absolvieren und mit den Vorbereitungen für die Eröffnung des Labors in Ruanda zu beginnen. Sie erstellen eine Liste von Geräten und Services, die angeboten werden sollen. Benötigt werden Mikroskope, Zentrifugen, ein Hämatologie-Analysegerät sowie die entsprechenden Reagenzien dafür.

Österreichische WissenschaftInnen helfen beim Aufbau

Im März 2016 wird der Ausbildungsaufenthalt von Mukamulisa und Masengesho in Wien enden. Im August 2016 soll das Labor in Rwaza im Norden von Ruanda, nicht weit vom Lebensraum der letzten Berggorillas, eröffnet werden. Unterstützung erhalten die Ruander dabei auch von WissenschafterInnen der Vetmeduni Vienna, die für ein paar Wochen im ostafrikanischen Land mithelfen werden. „Als einziges derartiges Labor in ganz Ruanda wird es für Bauern, die weiter weg leben, schwierig sein, unsere Services zu nutzen. Ruanda ist gebirgig und die Straßen sind schlecht. Lange Reisen sind mit einem kranken Tier schwer möglich. Wir werden daher die TierärztInnen vor Ort schulen, die Proben richtig aufzubereiten und zu uns zu bringen“, berichtet Jean-Claude Masengesho von den Plänen.

Geld aus Liechtenstein für Kooperation

Finanziert wird die österreichisch-ruandische Kooperation von einer gemeinnützigen Liechtensteiner Tierschutz-Stiftung. Der österreichische Tierarzt Otto Fischer hat die Projektplanung und Umsetzung vor Ort übernommen. Fischer, der seit vielen Jahren in Ruanda Sozial- und Umweltprojekte umsetzt, fand in der Vetmeduni Vienna den idealen Kooperationspartner. Am Campus organisiert Christine Iben, Professorin am Institut für Tierernährung und funktionelle Pflanzenstoffe, das Ausbildungsprogramm für die Ruander. Zusätzlich widmete sie viel Zeit und Energie, um den Gästen Österreich näher zu bringen. „Mit Christine waren wir im Museum, in der Wiener Innenstadt und haben zum Wochenende Ausflüge gemacht. Sie hat sich wirklich wunderbar um uns gekümmert“, erzählt Béatrice Mukamulisa begeistert.

 

Ruanda

  • EinwohnerInnen: 12 Millionen
  • Landwirtschaft: 90 Prozent der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft, ein Großteil ist Selbstversorger
  • Sprachen: Kinyarwanda (Muttersprache der Mehrheit), Englisch (Bildungssprache)
  • Veterinärmedizin: Landesweit arbeiten rund 500 TierärztInnen. Sie werden an der einzigen veterinärmedizinischen Fakultät des Landes (Nyagatare Campus der University of Ruanda) ausgebildet und versorgen hauptsächlich Nutztiere von KleinbäuerInnen (insbesondere Wiederkäuer), in Einzelfällen auch Schweine- und Hühnerherden von Großproduzenten, sowie Wachhunde und Katzen.

Projekt unterstützen

Zum Aufbau der Labors und der Klink wird dringend neue oder neuwertige Labor- und Klinikausstattung benötigt. Angebote bitte an Christine Iben oder Otto Fischer

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