Gute Beziehung - gute Kommunikation

Studierende üben untereinander das Gespräch zwischen Tierärztin und Tierhalterin (Foto: Frauke Lejeune/Vetmeduni Vienna)

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Aus VETMED 2/2016 - Eine erfolgreiche Behandlung basiert auf erfolgreicher Kommunikation. Die Vetmeduni Vienna setzt daher als erste Veterinärmedizinische Universität im deutschsprachigen Raum auf einen strukturieren Kommunikationsunterricht für angehende TierärztInnen.

Kater Tiger ist schwer krank und soll eingeschläfert werden. Für seinen Halter ist das eine große Belastung - er will ihn nicht leiden lassen, hat aber gleichzeitig Angst davor, nach zehn Jahren Seite an Seite mit dem Kater alleine zu leben. Wie kann die Tierärztin dem Besitzer möglichst einfühlsam die Euthanasie empfehlen?

Wir befinden uns mitten im Kommunikationsunterricht für angehende TierärztInnen. Die Veterinärmedizin-Studierenden lernen in Rollenspielen ein erfolgreiches Gespräch mit den TierhalterInnen zu führen. Schließlich wollen diese gut informiert sein, nachvollziehen können, wofür sie bezahlen und vor allem sicher sein, dass ihre vierbeinigen Gefährten die bestmögliche Behandlung bekommen. „Kommunikation lässt sich am besten durch Übung und Selbstreflexion erlernen. Genau das decken wir mit den Kommunikations-Lehrveranstaltungen ab. Mit diesem Angebot sind wir im deutschsprachigen Raum die erste Vet-Uni“, erklärt Michael Leschnik von der Universitätsklinik für Kleintiere und Verantwortlicher für dieses Kommunikationstraining an der Vetmeduni Vienna.

Lernen, wie Kommunikation gelingt

Der Unterricht rund um die gute Gesprächsführung beginnt im 3. Semester des Diplomstudiums Veterinärmedizin. Nach einer Einführungsvorlesung zur Sensibilisierung in Kommunikationsfragen starten bereits die ersten Rollenspiele. Die Drehbücher dafür, auch Fallvignetten genannt, geben die wichtigsten Rahmenbedingungen vor: Ort des Gesprächs, Erfahrung der Tierärztin bzw. des Tierarztes, Daten zum Tierpatienten sowie persönliche Eigenschaften und Lebensumstände des Halters bzw. der Halterin. Die Studierenden üben, wie sie aus einer introvertierten Tierhalterin die relevanten Informationen herausbekommen oder umgekehrt, wie sie mit dem Überfluss an Informationen, die ein extrovertierter Tierhalter gibt, die wesentlichen herausfiltern. „Dieses Anamnesegespräch stellt eine der wichtigsten Grundlagen für den Behandlungserfolg dar. Ich muss als Tierarzt sicher gehen, alles Wichtige über den Patienten zu erfahren“, erläutert Leschnik.

Während im 3. Semester beide Seiten von Studierenden gespielt werden, übernehmen im 6. Semester professionelle SchauspielerInnen die Rollen der TierhalterInnen. Die Fallvignetten decken die Besprechung von Befunden und die Entscheidung über nächste therapeutische Maßnahmen ab. Dabei werden die Situationen immer komplexer, denn die TierhalterInnen bringen verstärkt ihre persönlichen Wünsche, Bedürfnisse und Möglichkeiten ein. Ein Beispiel: Der wertvolle Zuchtstier Mandi wird mit einer schweren Bauchfellentzündung vorgestellt. Seine erfolgreiche Karriere als Besamer steht auf dem Spiel. Ob eine Antibiotikatherapie wirken wird, ist fraglich. Wird er medikamentös behandelt, könnte er aber auch als Fleischlieferant unbrauchbar werden. Neben der emotionalen Komponente hat die Entscheidung auch wirtschaftliche Relevanz für Mandis Halterin, die gemeinsam mit dem Tierarzt über die Therapie entscheiden muss.

Compliance basiert auf guter Kommunikation

Für den Tierarzt geht es nicht nur im beschriebenen Fall darum, eine tragfähige Beziehung mit der Halterin aufzubauen. Diese ist die Basis für den Informationsaustausch aber auch für die Compliance, also die Bereitschaft der Besitzerin, die therapeutischen Maßnahmen aktiv zu unterstützen. Für TierärztInnen ist es dabei hilfreich, die eigenen Emotionen zu erkennen und bewusst damit umzugehen. „Kommunikativ besonders herausfordernd sind versteckte Konflikte. Etwa wenn ein Besitzer aus schlechtem Gewissen heraus aggressiv wird und die Tierärztin für Fehler verantwortlich macht, die ihm selbst in der Prophylaxe passiert sind. Oder wenn eine Tierhalterin die Kompetenz des Tierarztes in Frage stellen“, nennt Leschnik Beispiele. 

Während die einen oben den beschriebenen Fall durchspielen, beobachten die Mitstudierenden, der Lehrgangsleiter und eine Kamera das Gespräch. Die Feedbackrunde ist ein wesentliches Element im Lernprozess. Beide Seiten, TierärztIn und TierhalterIn, berichten, wie es ihnen ergangen ist und die nicht beteiligten Studierenden geben strukturiertes Feedback. Zusätzlich sehen die DiskutantInnen die Videoaufzeichnung an und notieren Erfahrungen und Erlebnisse in einem persönlichen Mini-Portfolio. „Die Studierenden stufen die Lehrveranstaltung als sehr nützlich ein. Das hat eine Evaluierung ergeben. Wohl auch deshalb, weil eine reflektierte Kommunikation für alle Bereiche des Lebens hilfreich ist, nicht nur für den Beruf der Tierärztin oder des Tierarztes“, freut sich Leschnik über die erfolgreiche Umsetzung des Kommunikationscurriculums.

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Kategorie: Studium, Startseite, Magazin

 

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