Dreamteam für Lamas

Störungen des Magen-Darmtraktes sind bei Lamas in unseren Breitengraden häufig. (Foto: Michael Bernkopf/Vetmeduni Vienna)

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Aus VETMED 2/2016 - Lamas und Alpakas werden auch bei uns immer beliebter. Doch für die Gesundheit der flauschigen Wiederkäuer gibt es medizinisch noch einiges zu tun. Dafür setzen sich die Tierärztin Sonja Franz und die Veterinärpharmakologin Agnes Dadak ein.

Sonja Franz und Agnes Dadak sind das Dreamteam für Lamas und Alpakas an der Vetmeduni Vienna. Die beiden Vollblut-Veterinärmedizinerinnen setzen ihr klinisches, pharmazeutisches und wissenschaftliches Wissen sowie ihre Liebe für die Gesundheit und das Wohlbefinden dieser flauschigen Tiere ein. Als sie vor sechs Jahren begannen Neuweltkameliden zu betreuen, waren es pro Jahr zehn bis 20 Lamas und nur vereinzelt Alpakas. Vergangenes Jahr waren bereits knapp 100 Tiere in der ärztlichen Obhut des Dreamteams.

Gelungene Mischung aus Pferd und Rind

„Lamas und Alpakas sind spezielle Patienten. Aus medizinischem Blickwinkel betrachtet, stellen sie irgendwie eine Mischung aus Pferd und Rind dar“, meint die promovierte und habilitierte Tierärztin Sonja Franz von der Universitätsklinik für Wiederkäuer mit einem Grinsen.

Bei der Versorgung von Neuweltkameliden stellte Franz fest, dass es Nachholbedarf in der klinischen Versorgung dieser ursprünglich aus Südamerika stammenden Haustiere gibt, denn die importierten Tiere sind weder an unsere heimischen Parasiten (wie zum Beispiel den Kleinen Leberegel), noch an unsere üppigen Weiden gewöhnt.

Patentierte, wohlschmeckende Paste

Sonja Franz ist Spezialistin der Wiederkäuermedizin, einem Gebiet, zu dem auch Neuwelt- und Altweltkameliden gehören. Zu den Altweltkameliden zählen Dromedare und Trampeltiere. Die domestizierten Lamas und Alpakas sowie die Wildformen Vikunjas und Guanakos zählen zur Gruppe der Neuweltkameliden.

Agnes Dadak vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie ist Franz´ kongeniale Kollegin und Veterinärpharmakologin. Sie passt Wirkstoffe und Mengen von Medikamenten an unterschiedliche Tierarten und Krankheiten an. Für das Entwurmen von Lamas und Alpakas gab es bisher am Markt nur Wurmkuren, die ursprünglich für andere Tierarten, wie zum Beispiel Rinder oder Schafe, entwickelt wurden. „Um ein Lama von Würmern zu befreien, müsste dieses enorme Mengen mancher Wurmmittel zu sich nehmen. Solche Volumina sind diesen Tieren umöglich zu verabreichen“, schildert Dadak das Problem. So entwickelten Dadak und Franz gemeinsam mit der Anstaltsapotheke der Veterinärmedizinischen Universität Wien eine für Lamas wohlschmeckende Paste, die ein Wurmmittel enthält, das gegen den gefährlichen Kleinen Leberegel wirkt. Diese spezielle Mixtur ist mittlerweile patentiert und für TierärztInnen am Markt erhältlich.

Wissensvermittlung an Interessierte

Um Erkrankungen, wie etwa einen Parasitenbefall, rechtzeitig zu erkennen, sollten HalterInnen ihre Tiere regelmäßig abtasten, rät Franz: „Auf Grund ihres dicken Fells bemerkt man Abmagerungen bei Lamas kaum. Der Ernährungszustand des Tieres liefert aber wichtige Informationen über den Gesundheitszustand. Gewichtsverlust ist meist ein erstes Symptom für eine Erkrankung. Dann sollte sobald wie möglich eine Tierärztin oder ein Tierarzt zu Rate gezogen werden.“

Das Problem dabei: Heute praktizierende TierärztInnen haben während ihres Studiums noch nichts über Neuweltkameliden gelernt. Daher organisieren Franz und Dadak gemeinsam Weiterbildungsveranstaltungen für die interessierte TierärztInnen, mit wichtigen Tipps für die Behandlung und Diagnostik von Neuweltkameliden. Außerdem bietet die Vetmeduni Vienna seit dem Wintersemester 2014/15 spezielle Pflichtlehrveranstaltungen für Veterinärmedizin-Studierende zu Lamas und Alpakas an.

Wussten Sie, dass…

….Lamas und Alpakas zwar wiederkäuen, strenggenommen aber keine Wiederkäuer sind. Die Neuweltkameliden zählen nämlich auf Grund ihrer gepolsterten Füße zur Unterordnung der Schwielensohler. Eine Tatsache, die Lamas und Alpakas für die Pflege von Grasflächen so beliebt macht. Ihre weichen Fußsohlen sowie ihr Fressverhalten schädigen, anders als bei Pferden oder Kühen, die Grasnarbe nicht.

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Kategorie: Studium, Forschung, Magazin, Tierspital & Universitätskliniken  3

 

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