In den Wolken: Die Bibliothek im digitalen Zeitalter

Keine Bibliothek mehr, wie sie im Buche steht: Elektronisches Publizieren und die damit verbundene schnelle und einfache Verbreitung von Dokumenten ermöglichen einen Zugriff auf Forschungsergebnisse von jedem Ort der Welt. Foto: Thomas Suchanek/Vetmeduni Vienna

Keine Bibliothek mehr, wie sie im Buche steht 1

Aus VETMED 03/2017 – Dem Buch wird eine Verdrängung durch E-Books und Online-Angebote vorausgesagt, doch wie sieht die Bibliothek der Zukunft tatsächlich aus? Das VETMED hat Claudia Hausberger, Leiterin der Universitätsbibliothek, und David Frank, Stellvertretender Leiter der Universitätsbibliothek, zum Gespräch getroffen.

Die Zukunft von gedruckten Büchern und physischen Bibliotheken wird seit Jahren leidenschaftlich und kontrovers diskutiert. Aber ist eine bücherlose Bibliothek überhaupt denkbar? Wissenschaftliche Texte durchziehen nicht nur in gedruckter, sondern auch in digitaler Form die Forschung der Gegenwart. Immer schneller wird auf aktuellste Forschungsergebnisse und wissenschaftliche Publikationen zugegriffen. Ein Schlüsselbegriff ist „Open Access“, der freie Zugang zu wissenschaftlicher Literatur, denn mit der Entwicklung des Internets gewann der freie Zugriff auf wissenschaftliche Informationen an Bedeutung. „Die Zukunft liegt für uns sprichwörtlich in den Wolken, also in der Cloud“, erklärt Claudia Hausberger, Leiterin der Universitätsbibliothek der Vetmeduni Vienna. „BibliothekarInnen unterstützen Studierende, Forschende und Lehrende mit der Bereitstellung von Informationen und dem zur Nutzung notwendigen Know-how. Die Vermittlung von Informationskompetenz, information literacy, nimmt einen immer höheren Stellenwert ein. Auf der einen Seite ist die Universitätsbibliothek der Zukunft ein Selbstbedienungsladen, auf der anderen Seite brauchen die NutzerInnen direkte AnsprechpartnerInnen bei Fragen“, umschreibt Hausberger die derzeitige Entwicklung.

Elektronische Dienstleistungen als Trend

In den Regalen der Universitätsbibliothek am Campus in Floridsdorf befinden sich 220.000 Buchbände. Rücken an Rücken gereiht, würden diese bis zum Stephansdom reichen, so Hausberger. Darüber hinaus wird der Zugriff auf über 90.000 Journals angeboten, von denen ca. 5.000 Titel lizenziert sind. Das E-Book Angebot umfasst ca. 2.000 Titel. Damit erfährt die Bibliothek eine Transformation von altehrwürdiger Bildungsstätte zur allzeit bereiten Online-Datenbank. „Elektronische Dienstleistungen sind ein ganz klarer Trend. Dabei sind wir als unmittelbare Ansprechpersonen gefragt, denn wir stellen Informationen zuverlässig und schnell bereit“, betont Hausberger. Bibliotheken werden also weiterhin dafür zuständig sein, Forschenden als qualitätssichernde Informationsvermittler Zugang zu internationaler Fachliteratur zu verschaffen. Die Existenzgrundlage für Bibliotheken erschließt sich damit auch zukünftig aus ihrem traditionellen Auftrag: Das Sammeln, die Erschließung und die Erhaltung relevanter Fachinformationen. Hinzu kommt die Bereitstellung diverser, teils digitaler Services für die NutzerInnen. „Wir bieten Dienstleistungen wie unseren hausinternen Dokumentenlieferdienst Scan2You an“, berichtet David Frank, Stellvertretender Leiter der Universitätsbibliothek. Elektronische Kopien von Artikeln und Buchkapiteln werden bei diesem Service aus dem gedruckten Bibliotheksbestand angefertigt und in der Regel innerhalb von 24 Stunden via E-Mail an die BestellerInnen weitergeleitet „Auch Schulungen oder Hausbesuche bei Forschenden sind möglich, um Fragen der NutzerInnen zu Datenbanken oder Literaturverwaltungsprogrammen direkt an ihren Arbeitsplätzen zu klären“, erklärt der Diplombibliothekar.

Bibliothekentagung an der Vetmeduni Vienna

Um Themen wie die Digitalisierung ging es auch bei der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für medizinisches Bibliothekswesen e.V. (AGMB) im September am Campus der Vetmeduni Vienna. „Zum ersten Mal fand diese Tagung an einer veterinärmedizinischen Universität statt. Dies verdeutlicht die Verortung der Veterinärmedizin als Teilgebiet der Medizin“, so Frank, der die Tagung seitens der Vetmeduni Vienna koordinierte. „An der dreitägigen Konferenz nahmen mehr als 150 TeilnehmerInnen unter anderem aus Universitäten und Hochschulen sowie Krankenhaus- und pharmazeutischen Bibliotheken teil. Auch die umfassende Ausstellung von Verlagen und Bibliothekszulieferern war durchweg gut besucht“, resümiert Frank. Festredner Peter Seitz aus dem Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BMWF) Sektion IV/5 betonte die Anpassung des Bibliothekswesens an neue Herausforderungen: „Die wissenschaftlichen Bibliotheken sind keine Zaungäste digitaler Entwicklungen, sie sind in etlichen Bereichen die Treiber dieser Entwicklungen geworden. Das Open Access Movement wurde und wird in Österreich entscheidend von den wissenschaftlichen Bibliotheken und deren belastbaren Netzwerken wie dem Bibliothekenverbund, der KEMÖ,  bestimmt.“ Auch die Expertise von BibliothekarInnen hob Seitz hervor:  „Die Bibliotheken werden zunehmend auch von der Scientific Community als aktiver Treiber und als Stelle der ExpertInnen wahrgenommen. Die Digitalisierung hat daher die Rolle der Bibliotheken nicht marginalisiert, wie immer befürchtet wurde, sondern gestärkt.“ Damit wird das klassische Bibliotheksparadigma des „information pull“, die aktive Suche der Forschenden nach Literatur, um den „information push“, die proaktive Lieferung und Bereitstellung von Fachinformationen durch ExpertInnen, ergänzt. Aus der Universitätsbibliothek, wie sie im Buche steht, wird also eine flexible Institution, die sich dem Takt der Wissenschaft anpasst. „Bibliotheken müssen immer weiter gedacht werden, räumlich und digital“, fasst Hausberger zusammen.

 

 

Open Access

Der freie Zugang zu wissenschaftlicher Literatur im Internet wird als Open Access (englisch für „offener Zugang“) bezeichnet. Dabei kann es sich um frei zugängliche Beiträge in elektronischen Zeitschriften, Preprints oder Online-Versionen von Beiträgen in Büchern und Zeitschriften handeln, die von den WissenschafterInnen zur Verfügung gestellt werden. Wissenschaftliche Dokumente können so von ForscherInnen entgeltfrei genutzt werden.

 

Einige Services der Bibliothek im Überblick

 

  • Ask A Librarian – Infoservice der Universitätsbibliothek

  • Coffee Lectures – Kurzvorträge zu wissenschaftlichem Arbeiten, mittwochs um 13:00 Uhr im Panoramasaal

  • Scan2You Dokumentenlieferdienst via E-Mail

  • Schulungen und Hausbesuche zu Datenbanken, Literatursuche und -verwaltung

Mehr Infos unter: http://www.vetmeduni.ac.at/de/universitaetsbibliothek/ 2 2http://www.vetmeduni.ac.at/de/universitaetsbibliothek/ 2

am )

Kategorie: Magazin, Buchtipp, Weiterbildung