Der Haidlhof – perfekt adaptiert für Studien bei Pferden und anderen Equiden

Pferdehaltung: Der Haidlhof bietet Forschenden die Möglichkeit, Studien bei Pferden und Pferdeartigen unter idealen Bedingungen durchzuführen. Nach Abschluss der derzeitigen Forschungsprojekte werden die in die Studien eingebundenen Pferde wieder in ihre gewohnte Umgebung entlassen, wo sie weiterhin als Übungs- oder Reitpferde leben. Foto: Sabine Brandt/Vetmeduni Vienna

Pferdehaltung: Der Haidlhof bietet Forschenden die Möglichkeit, Studien bei Pferden und Pferdeartigen unter idealen Bedingungen durchzuführen. Nach Abschluss der derzeitigen Forschungsprojekte werden die in die Studien eingebundenen Pferde wieder in ihre g 1

Aus VETMED 01/2018 – Zu den Höfen der VetFarm zählt der 1820 erbaute Vierkanthof „Haidlhof“, dessen Ursprünge bis ins 14. Jahrhundert reichen. Derzeit wird dieser Standort zur Durchführung von zwei Projekten der Forschungsgruppe Onkologie (RGO) der Universitätsklinik für Pferde unter der Leitung von Sabine Brandt und Edmund Hainisch genützt.

Massive Wände, eine hohe Decke und zahlreiche Fenster sorgen für ein ideales Stallklima, gute Durchlüftung und viel Licht im neu umgebauten Stall am Haidlhof. In sechs großzügigen Boxen sowie einem Laufstall können nun bis zu zwölf Großpferde gehalten werden. Zentraler Fokus zweier Pferde-Forschungsprojekte, die seit Herbst 2017 am Haidlhof der VetFarm durchgeführt werden, sind sogenannte Sarkoide. Dabei handelt es sich um grundsätzlich nicht-metastasierende Hauttumoren, die bei bis zu zwölf Prozent aller Pferde weltweit auftreten und auch bei Eseln, Maultieren, Mauleseln und Zebras häufig diagnostiziert werden.

„Sarkoide entstehen als Folge einer Infektion durch Papillomviren in Zusammenhang mit kutanen, also sich an der Hautoberfläche befindlichen Verletzungen“, erklärt Sabine Brandt, Leiterin der Forschungsgruppe Onkologie (RGO). Die Tumoren können als einzelne, milde okkulte oder warzenförmige (verruköse) Läsionen oder aber als aggressivere knotenförmige (noduläre), eitrig blutige fibroblastische oder lokal bösartige (malevolente) Umfangsvermehrungen an mehreren Hautstellen simultan auftreten. In vielen Fällen bilden unterschiedliche klinische Sarkoidtypen Konglomerate, die entsprechend als gemischte Sarkoide bezeichnet werden. „Sarkoide sind äußerst therapieresistent und häufig rezidivierend, das heißt, sie kehren nach invasiver Therapie oder Verletzung in aggressiverer Form wieder. Dementsprechend stellt die Vorbeugung der Erkrankung eine entscheidende Maßnahme dar“, so Brandt.

Impfstoff zum Schutz gegen Sarkoide

Ziel eines der beiden aktuellen Forschungsprojekte ist es, in Kooperation mit einem internationalen Pharmaunternehmen, die europäische Zulassung eines Impfstoffs zum Schutz von Pferden und Pferdeartigen vor Sarkoiden bis zum Jahr 2022 zu erreichen. Den Forschenden der RGO ist es in Zusammenarbeit mit Reinhard Kirnbauer von der Dermatologischen Abteilung der Medizinischen Universität Wien bereits gelungen, einen prophylaktischen Impfstoff zu entwickeln sowie dessen Sicherheit und langanhaltende Wirksamkeit in Pferden überzeugend zu belegen. Nun soll als nächster Schritt die Zulassung dieses Impfstoffs angestrebt werden.

Weiterentwicklung eines Therapeutikums

Das zweite Projekt dient der Etablierung eines immuntherapeutischen Impfstoffs zur Sarkoidbehandlung. Gefördert wird die Weiterentwicklung des Therapeutikums von einem Wiener Unternehmen sowie der Wirtschaftsagentur Wien. „Die Entstehung von Sarkoiden gründet auf einem komplexen Zusammenspiel von Faktoren innerhalb und außerhalb der Zellen“, sagt Brandt. „Papillomviren exprimieren sogenannte Onkoproteine, also Krebs-induzierende Proteine, die in zellregulatorische Mechanismen eingreifen und die Zelle dazu bringen, sich ungehindert zu vermehren. Gleichzeitig wird durch Schaffung eines tumorfreundlichen Immunmilieus dafür gesorgt, dass sich die Erkrankung ungehindert etablieren und gegebenenfalls ausbreiten kann“, fügt die Forscherin hinzu.

Das Wirkprinzip des neuen Therapeutikums basiert darauf, diese Entwicklung umzukehren und das Immunsystem von equinen Patienten gezielt dahingehend zu stimulieren, Papillomvirus-infizierte Zellen zu erkennen und zu zerstören. „Auf Basis vielversprechender Vorstudien wird derzeit eine In-vivo-Studie bei Pferden durchgeführt“, so Brandt. „Nach den bereits positiv abgeschlossenen Vorstudien im Labor erwies sich der therapeutische Impfstoff, wie erwartet, als sicher und sehr gut verträglich. Zudem erhalten wir derzeit erste Hinweise für eine systemische, tumortherapeutische Wirkung, die in den nächsten Monaten weiter untersucht wird.“

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