Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Mit Kind und Kegel

Sabine Trost, Leiterin der Personalentwicklung und Beauftragte der Projektgruppe „hochschuleundfamilie“. Foto: Stephanie Scholz/Vetmeduni Vienna

Sabine Trost Personalentwicklung 1

Aus VETMED 02/2018 – Karriere und familiäres Privatleben unter einen Hut zu bringen, ist für Berufstätige nicht immer einfach. Ihre ArbeitgeberInnen sind deshalb auch gefordert, Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie aufzugreifen und ihre MitarbeiterInnen mit entsprechenden Maßnahmen zu unterstützen.

An der Vetmeduni Vienna wurde vom Rektorat die Projektgruppe „hochschuleundfamilie“ eingesetzt, um mögliche Verbesserungen effizient erarbeiten und umsetzen zu können. VETMED traf für diese Ausgabe Sabine Trost, die als Leiterin der Personalentwicklung und Beauftragte des gleichnamigen Audits auch die Projektgruppe „hochschuleundfamilie“ leitet, zum Interview über Herausforderungen, Maßnahmen und den Konnex zu ihrer Abteilung.

VETMED: Wie kommt es dazu, dass die Personalentwicklung der Vetmeduni Vienna auch das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie bearbeitet?

Sabine Trost: Die Personalentwicklung der Vetmeduni Vienna hat generell ein sehr vielfältiges Aufgabengebiet. Neben überfachlicher Weiterbildung für das Personal, Förderung von Nachwuchsführungskräften und -forschenden sowie der Unterstützung für Führungskräfte gibt es eben auch Angebote im Bereich der Vereinbarkeitsförderung. Personalentwicklung soll ja in erster Linie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie deren Führungskräfte dabei unterstützen, ihre Aufgaben bestmöglich zu erfüllen. Dazu gehört, sich mit ihren Anliegen entsprechend zu beschäftigen, wobei Vereinbarkeit von Beruf und Familie hier zwar eines von vielen, aber ein wesentliches Thema ist.

Warum hat sich das Rektorat der Vetmeduni Vienna dann dazu entschlossen, sich dieser Aufgabe doch mit einer eigenen Projektgruppe zu stellen?

Trost: Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist eigentlich ein sehr individuelles und persönliches Thema. Da man jedoch am Arbeitsplatz Teil einer Einheit mit vielen unterschiedlichen Bedürfnissen ist, müssen auch Aspekte über eine einzelne Familie hinaus berücksichtigt werden. Eine Projektgruppe wie „hochschuleundfamilie“, die aus Personen verschiedener Arbeitsbereiche gebildet wurde, kann sich umsichtiger und effizienter um die Anliegen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der Führungskräfte kümmern und einen hilfreicheren Entscheidungsweg entwickeln als nur eine Abteilung. Denn gerade die Unterschiedlichkeit und Vielfältigkeit der Arbeitsbereiche an der Vetmeduni Vienna ist sicherlich die größte Herausforderung hinsichtlich dieser Vereinbarkeit.

Worin zeigt sich diese Unterschiedlichkeit?

Trost: Ein wichtiger Aspekt ist die Arbeitszeitgestaltung. Durch den Verzicht auf fixe Teilzeit-Systeme ist in einigen Arbeitsbereichen an der Vetmeduni Vienna im Prinzip jede Wochenarbeitszeit möglich und diskutierbar. Diese Arbeitszeit-Flexibilisierung ist etwas Einzigartiges, kann aber aufgrund der Arbeitssituation nicht von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Anspruch genommen werden. Eine Ausnahme bilden hier vor allem die Universitätskliniken. Trotz der Dienste und Rufbereitschaft Flexibilität für Eltern und gleichzeitig einen reibungslosen Betrieb nicht auf Kosten von Kolleginnen und Kollegen zu garantieren, ist eine koordinative Herausforderung für Führungskräfte.

Wie kann die Projektgruppe „hochschuleundfamilie“ diese Herausforderungen unterstützen?

Trost: Es ist wichtig, offen und transparent über die Anliegen aller Beteiligten zu sprechen. Nur so ergibt sich ein grundlegendes Verständnis für die unterschiedlichen Bedürfnisse. Die Gespräche können eine Sensibilisierung dafür schaffen, dass wir nicht alle gleich sind und Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen auch unterschiedliche Verpflichtungen und Prioritäten haben. Die Projektgruppe „hochschuleundfamilie“ unterstützt diesen Sensibilisierungsprozess und bietet einen Rahmen, in dem Vereinbarkeit diskutiert werden kann.

Welche Angebote stehen stellvertretend für den Einsatz der Vetmeduni Vienna, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu garantieren?

Trost: Eine besondere familiäre Herausforderung sind die schul- oder betreuungsfreien Zeiten. Hier stehen der Kindergarten und die Betreuung am Campus während der Sommerferien, dem Landesfeiertag und Pfingstdienstag zur Verfügung. Vor allem für die Eltern schulpflichtiger Kinder ist dieses Angebot, auf das wir sehr stolz sind, eine große Entlastung. Außerdem stellen wir umfangreiche Informationen, wie etwa Checklisten, zur Elternkarenz und zum beruflichen Wiedereinstieg für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie für Führungskräfte in unserem Intranet VetEasy bereit. Allem voran braucht es jedoch eine gute und vorausschauende Planung der Abwesenheit. Gesprächsleitfäden mit Fragestellungen, die zwischen Personal und Führungskräften vorab geklärt werden sollten, wie etwa die Kontaktaufnahme während der Elternkarenz oder wann und in welchem Umfang der berufliche Wiedereinstieg geplant ist, erleichtern es, die Abwesenheit und den Wiedereinstieg besser zu organisieren. Zusätzlich ermöglicht die Vetmeduni Vienna auf eigenen Wunsch der Elternteile auch die Teilnahme an Weiterbildungen während einer Karenzzeit, um eine gute Vorbereitung auf den Wiedereinstieg zu unterstützen.

Was ist darüber hinaus entscheidend?

Trost: Wichtig ist eine Ausgewogenheit zwischen Geben und Nehmen. Nur wenn alle Rücksicht aufeinander nehmen und sich wechselseitig unterstützen, kann eine gute Zusammenarbeit in einem wertschätzenden Klima, so wie wir das auf der Vetmeduni Vienna anstreben, funktionieren.

 

Audit Beruf & Familie

Die Vetmeduni Vienna ist seit 2010 im Audit Beruf & Familie zertifiziert Das Audit Beruf & Familie wird von der Beruf & Familie Management GmbH angeboten, lizenzierte AuditorInnen begleiten den dabei Prozess. Die Begutachtung vor Ort erfolgt durch externe GutachterInnen. Die Variante „Hochschule und Familie“ nimmt seit 2011 auf branchenspezifische Gegebenheiten Rücksicht. Als Pilotuniversität hat die Vetmeduni Vienna an der Erarbeitung des Hochschul-Audits mitgearbeitet und ist dadurch 2011 auch im Audit Hochschule und Familie zertifiziert worden. Im Frühjahr 2018 wurde die Vetmeduni Vienna erneut zertifiziert.
Erforderliche Schritte zur Erlangung des Zertifikats:

  •  Strategieworkshop
  •  Auditierungsworkshop
  •  Unterzeichnung der im Auditierungsworkshop erarbeiteten Zielvereinbarung (Maßnahmen, die in den kommenden drei Jahren umgesetzt werden) durch die Leitung der Universität
  •  Begutachtung durch Zertifizierungsstelle (TÜV Süd)
  •  Nach positiver Begutachtung wird das Zertifikat für die Dauer von drei Jahren verliehen.

Buchtipp

Das E-Book „Studieren und Forschen mit Kind“ ist über den vetmed:seeker auffindbar und via Shibboleth-Zugang auch außerhalb des Campus der Vetmeduni Vienna lesbar.

 

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Kategorie: Magazin, Buchtipp