Das Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung

Das KLIVV im Wandel der Zeit. © Grafik: Matthias Moser © Fotos: 1945 Skizze Lili Koenig; 1956 KLIVV/Vetmeduni Vienna; 1957 KLIVV/Vetmeduni Vienna; 1967 KLIVV/Vetmeduni Vienna; 1984 Monika Preleuthner; 1992 KLIVV/Vetmeduni Vienna; 2002 Bettina Wernisch/Vetmeduni Vienna; 2011 FIWI/Vetmeduni Vienna; 2014 Michael Bernkopf/Vetmeduni Vienna; 2015 Ernst Hammerschmid/Vetmeduni Vienna

Meilensteine 1

Aus VETMED 03/2018 - Dem vergleichenden Studium tierischen Verhaltens, auch Ethologie genannt, widmet sich das Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung, kurz KLIVV (sprich: Kliff). Das VETMED Magazin hat den Forschenden am Wilhelminenberg bei ihrer Arbeit über die Schulter geschaut.

Leises Flügelschlagen und Zwitschern, das Geräusch von Blättern im Wind und ein Rascheln am Boden mischen sich mit dem fernen Geräusch des Busses auf der Savoyenstraße. Bereits auf dem Weg zum Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV) empfängt einen die Forschungsstätte mit ihrer umliegenden Natur. Lokalisiert am Wiener Wilhelminenberg schmiegen sich die Gebäude und Volieren der Forschungsstätte in die ersten Ausläufer des Wienerwalds. Linkerhand, gleich nebenan, befindet sich das Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI), das ebenfalls zur Vetmeduni Vienna gehört.

Forschungsstation mit Geschichte

Das KLIVV hat eine reiche Historie: Gegründet wurde die ursprünglich privat finanzierte „Biologische Station Wilhelminenberg“ von Otto und Lilli Koenig im Jahr 1945 in verlassenen Militärbaracken. Später wurde die Einrichtung als Institut für Vergleichende Verhaltensforschung in die Österreichische Akademie der Wissenschaften eingegliedert. Der Öffentlichkeit wurde die Forschungsstation durch die TV-Sendung „Rendezvous mit Tier und Mensch“ bekannt, die mehr als 30 Jahre lang im österreichischen Fernsehen ausgestrahlt wurde.

Durch die Angliederung des KLIVV an die Vetmeduni Vienna im Jahr 2011 entstand gemeinsam mit dem benachbarten FIWI das Department für Integrative Biologie und Evolution als nunmehr fünftes Department der Universität. Die Forschungsthemen reichen von Verhaltensforschung und Evolution bis zur Erforschung physiologischer Anpassungen von Wildtieren an die ökologischen Bedingungen in ihren Lebensräumen. „Beide Institute beschäftigen sich generell mit Fragen der Wildtierökologie“, erklärt Leonida Fusani, Leiter des KLIVV. „Trotzdem sind die Forschungsbereiche aufgeteilt: Während sich das KLIVV eher auf Grundlagenforschung in Bezug auf Partnerwahl im Tierreich und daraus resultierender Selektion widmet, verfolgt das seit 1977 am Wilhelminenberg ansässige FIWI physiologische, veterinärmedizinische und stärker anwendungsorientierte Forschungsinteressen.“ Durch die räumliche Nähe der beiden Forschungseinrichtungen zueinander können Infrastrukturen, wie etwa das molekular-genetische Labor, gemeinsam genutzt werden. Die Abteilung Ornithologie des KLIVV betreibt zudem seit 2014 die Österreichische Vogelwarte/Austrian Ornithological Centre (AOC).

Verhaltensforschung an Säugetieren, Vögeln und Fischen

Tiere passen sich an wechselnde ökologische Faktoren in ihrem Lebensraum an. Ziel des KLIVV ist es, diese Verhaltensänderungen, aber auch physiologische Anpassungen besser zu verstehen. Dieses grundlegende Verständnis kann wiederum genutzt werden, um Veränderungen in der Umwelt, etwa langfristige Klimaverschiebungen zu erkennen und zu bewerten. „Die Einbindung dieser Fachexpertise am KLIVV und der Zusammenschluss mit dem FIWI zu einem eigenen Department für Integrative Biologie und Evolution waren und sind eine nachhaltige Erweiterung des Forschungsportfolios unserer Universität, beschreibt Rektorin Petra Winter den Mehrwert einer breiteren Forschungsstruktur für die Vetmeduni Vienna. „Ein wissenschaftliches Spektrum von der klinischen über die Grundlagenforschung bis eben hin zur Verhaltens- und Evolutionsforschung im Wildtierbereich vereinen zu können, zeichnet uns als einzigartiges Wissensnetzwerk aus, das über den rein tiermedizinischen Ansatz vieler anderer Veterinärfakultäten hinausgeht.

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Kategorie: Magazin, Service, Forschung