International gefragter Kurs für Kryokonservierung und Embryotransfer bei Mäusen an der Vetmeduni Vienna

Die Basis von EMMA ist die Kryokonservierung, d.h. das Sammeln und Einlagern von Mausspermien und -embryonen in flüssigem Stickstoff, bei Temperaturen von fast -200°C. Foto © Stephanie Scholz/Vetmeduni Vienna

Die Basis von EMMA ist die Kryokonservierung, d.h. das Sammeln und Einlagern von Mausspermien und -embryonen in flüssigem Stickstoff, bei Temperaturen von fast -200°C. Foto © Stephanie Scholz/Vetmeduni Vienna 1

Der Kurs für Kryo-Konservierung und Embryonentransfer ist international gefragt: Heuer kamen die TeilnehmerInnen aus Österreich, Deutschland, Slowenien, Tschechien, Polen und der Schweiz. Foto © Stephanie Scholz/Vetmeduni Vienna

Der Kurs für Kryo-Konservierung und Embryonentransfer ist international gefragt: Heuer kamen die TeilnehmerInnen aus Österreich, Deutschland, Slowenien, Tschechien, Polen und der Schweiz. Foto © Stephanie Scholz/Vetmeduni Vienna 2

Vom 2. bis 6. September 2019 fand zum fünften Mal einer der international gefragten Kryokonservierungs- und Embryotransferkurse am Institut für Labortierkunde der Vetmeduni Vienna statt (Vienna Cryocourse). Die Kryokonservierung ermöglicht die Archivierung wertvoller Mauslinien, die am Institut vor allem im Rahmen des Europäischen Mausmutantenarchives (EMMA) stattfindet. Via EMMA können Mausstämme, die für die biomedizinische Forschung von Relevanz sind, per Mausklick online bestellt werden. Um das Know-how in Bezug auf den Umgang mit tiefgefrorenen Maus-Proben im Laboralltag zu fördern und zu verbreiten, bietet das Institut für Labortierkunde spezielle Trainingskurse für Forschende an. Heuer kamen die TeilnehmerInnen aus Österreich, Deutschland, Slowenien, Tschechien, Polen und der Schweiz.

Die Maus besitzt über 98% an Erbanlagen, die auch bei anderen Säugern vorhanden sind. Da sie sich schnell vermehrt und kostengünstig in der Haltung ist, dient sie als wichtiges Modell für die Erforschung von Lebensfunktionen anderer Säugetiere und des Menschen.

Das European Mouse Mutant Archive (EMMA) sammelt und stellt tiefgefrorene (kryokonservierte) Spermien und Embryonen unterschiedlicher Mauslinien interessierten ForscherInnen zur Verfügung. EMMA fungiert als eine Art zentrale „Börse“, dient rein wissenschaftlichen Zwecken und trägt zur Reduktion von Tierversuchen sowie zum Tierwohl bei. Wertvolle Mausmodelle für Forschungszwecke müssen nicht wiederholt hergestellt werden; Infolge sinkt auch der Lebendversand der Tiere und deren langfristige Haltung.

Know-How über Kryokonservierung verbreiten  
           

Spermien und Embryonen von Mäusen richtig zu gewinnen und mittels flüssigem Stickstoff einzufrieren, erfordert eine spezielle Ausbildung. Damit dieses Konzept der Kryokonservierung Erfolg hat, bieten Standorte von EMMA spezielle Kurse für die Gewinnung, Aufbewahrung und Revitalisierung der tiefgefrorenen Proben an. Vom 2. bis 6. September 2019 fand einer dieser international gefragten Kurse an der Vetmeduni Vienna - dem österreichischen EMMA-Knotenpunkt - statt. TeilnehmerInnen aus Österreich, Deutschland, Slowenien, Tschechien, Polen und der Schweiz wurden fünf Tage lang durch ExpertInnen des Instituts für Labortierkunde im richtigen Umgang mit kryokonservierten Proben, künstlicher Befruchtung und Embryonentransfer bei Mäusen eingehend geschult.

Trainingskonzept: „Hands-on“

Im Fokus des Kurses stand die praktische Schulung der TeilnehmerInnen. „Unser Ziel ist es, die TeilnehmerInnen zu befähigen, diese Techniken selbstständig und erfolgreich durchzuführen, was uns in den vergangenen Kursen auch gut gelungen ist“, sagt Thomas Rülicke, Leiter des Instituts für Labortierkunde. Nach einer theoretischen Einführung in die neuesten Methoden der Kryokonservierung und dem Embryonentransfer bei der Maus folgte die Praxis. „90% der Zeit verbringen wir im Labor und führen nach kurzer Demonstration die wichtigsten Techniken im Bereich der assistierten Reproduktion bei Labormäusen durch. Hierzu gehören die Archivierung und Revitalisierung von Embryonen und Keimzellen, die in vitro Fertilisation, der Embryotransfer, um nur einige Techniken und Anwendungen zu nennen“, so Rülicke weiter.

Der Kurs bot auch die Gelegenheit mit KollegInnen anderer Forschungseinrichtungen Kontakte zu knüpfen. „Ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt solcher Kurse ist die immer bessere Vernetzung. Wir begleiten die TeilnehmerInnen auch nach dem Kurs bei der Implementierung der Techniken im Heimatlabor, vor allem wenn Probleme auftreten. Dadurch entstehen wertvolle Beziehungen zum Nutzen beider Seiten,“ erklärt Auke Boersma, EMMA-Archivmanager der Vetmeduni Vienna.

EMMA als Beitrag zum Tierschutz

Seit mittlerweile achtzehn Jahren kümmert sich das European Mouse Mutant Archive (EMMA) um die Archivierung und den Versand von tiefgefrorenen Mausspermien und -embryonen an interessierte Forschungsgruppen. Die Veterinärmedizinische Universität Wien ist seit 2010 österreichischer Knotenpunkt des Netzwerkes. Die schnelle Verfügbarkeit wertvoller Mausmodelle ist eine wichtige Ressource für die biomedizinische Forschung und auch ein Beitrag zum Tierschutz.

 „Unser Ziel als Europäisches Mausmutantenarchiv (EMMA) ist es, dass durch Cryokurse und die Weiterverbreitung von Know-how über das Handling von kryokonserviertem Material der Versand lebender Mäuse immer mehr vermieden werden kann. Tatsächlich konnten wir den Prozentsatz von Lebendmaussendungen seit 2002 von über 90% auf 42% senken. Dies ist ein großer Beitrag zum Tierschutz im Sinne der 3R*,“ so Boersma. Die Bereitstellung archivierter Mausmodelle reduzierte seither kontinuierlich den mit Stress verbundenen Transport lebender Mäuse. Zudem können dadurch unnötige Kosten und Zeitaufwand gespart werden.

 

Kurzinfo

Das European Mouse Mutant Archive (EMMA) ist ein Teil der europäischen Forschungsinfrastruktur INFRAFRONTIER, die die phänotypische Charakterisierung der Mausmodelle in sogenannten Mauskliniken europaweit koordiniert. Alle in EMMA gelagerten Mausmodelle sind über die Website www.infrafrontier.eu 3 weltweit abrufbar. Per Mausklick kann das passende Mausmodell in Form archivierter Spermien oder Embryonen bestellt werden.

 

* Die zentralen Leitprinzipien zum Schutz von Versuchstieren werden als 3R bezeichnet. 3R steht für Replacement (Vermeidung), Reduction (Verringerung) und Refinement (Verbesserung). Die 3R verpflichten die ForscherInnen zur Anwendung von Ersatzmethoden, wann immer dies möglich ist, Verringerung der Zahl der verwendeten Tiere auf das unbedingt erforderliche Minimum sowie zur Minimierung der Belastungen der verwendeten Tiere. Diese Leitprinzipien bilden die Grundlage für alle internationalen und nationalen Regelungen zum Schutz von Versuchstieren.

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