Schwarzkopfkrankheit – eine gefährliche Allianz aus Parasiten und Bakterien

Image of Histomonas meleagridis and Escherichia coli bacteria in a scanning electron microscope. © Michael Szostak/Vetmeduni Vienna

Image of Histomonas meleagridis and Escherichia coli bacteria in a scanning electron microscope.  © Michael Szostak/Vetmeduni Vienna 1

Die gefährliche und mit schweren Auswirkungen verbundene parasitäre Schwarzkopfkrankheit ist bei Puten und Hühnern wegen des Verbots wirksamer Arzneimittel zurückgekehrt. Neue Ansätze zur Prophylaxe und Therapie sind deshalb dringend erforderlich. Ein im Christian Doppler Labor für Innovative Geflügelimpfstoffe (IPOV) der Vetmeduni Vienna entwickelter Impfstoff kann Tiere erfolgreich schützen. Bis zum Einsatz im Feld sind noch einige technische Fragestellungen zu beantworten, dabei ist insbesondere die Interaktion zwischen dem einzelligen Parasiten Histomonas meleagridis und den im Darm vorhandenen Bakterien von grundlegender Bedeutung für den Erfolg einer Impfung oder Infektion, Aspekte die an der Universitätsklinik für Geflügel und Fische der Vetmeduni Vienna erforscht werden.

Aufgrund des Verbots von wirksamen Arzneimitteln zur Prophylaxe und zu therapeutischen Zwecken ist die Histomonose – auch Schwarzkopfkrankheit genannt – bei Puten und Hühnern wieder im Vormarsch. Die vom einzelligen Parasiten Histomonas meleagridis hervorgerufene Krankheit befällt Truthühner und hühnerartige Vögel. Insbesondere bei Puten führt diese Parasitose oftmals zu einem schweren Krankheitsverlauf, generell ist die Erkrankungs- und Sterberate bei infizierten Vögeln extrem hoch – die Todesrate bei infizierten Puten kann bis zu 100 Prozent betragen. Allein in Österreich sind in den letzten Jahren ca. 30.000 Puten verendet oder mussten getötet werden. Aufgrund mangelnder Biosicherheit ist die Schwarzkopfkrankheit bei Tieren in Freilandhaltung von besonderer Bedeutung.

Einzigartiges Zusammenspiel von Parasiten und Bakterien

Eine Besonderheit des Parasiten ist seine intensive Interaktion mit Bakterien, sowohl in vitro als auch in vivo. Ein wichtiger Einflussfaktor, der von Michael Hess, Leiter der Universitätsklinik für Geflügel und Fische der Vetmeduni Vienna, und seinen MitarbeiterInnen in zwei aktuellen Studien zusammenfassend dargestellt wird. Aufgrund aktueller Analysen könnte das Zusammenspiel von Parasiten und Bakterien demnach eine Symbiose darstellen, mit tödlicher Konsequenz für den Wirt, mithin eine einzigartige Allianz in der Medizin. Die zugrundeliegenden Funktionsmechanismen müssen laut Michael Hess jedoch in weiteren Studien geklärt werden.

Wichtiger neuer Ansatzpunkt zur Bekämpfung der Krankheit

„Zukünftige Forschungen sollten sich verstärkt auf die Aufklärung der Wechselwirkung zwischen Bakterien und H. meleagridis konzentrieren, insbesondere auch, um herauszufinden, ob eine gezielte Manipulation des Darmmikrobioms klinische Konsequenzen minimieren könnte. In ähnlicher Weise könnte dieses Wissen auch dazu verwendet werden, um die entwickelte Impfstoffstrategie zu optimieren. Detailliertere Untersuchungen sollten außerdem helfen, die enormen Unterschiede in der Mortalität und die Manifestation des Parasiten in bestimmten Betrieben zu erklären“, so Michael Hess.

Weiterer bedeutender Einflussfaktor: Der Fadenwurm Heterakis gallinarum

Besondere Aufmerksamkeit sollte auch dem Parasiten Heterakis gallinarum gewidmet werden, ein im Blinddarm, insbesondere von Haushühnern und Puten, lebender Fadenwurm. Er verursacht zwar nur eine leicht pathogene Infektion, ist jedoch häufig Träger von H. meleagridis der wichtigste Vektor für die Übertragung des einzelligen Parasiten. Die Bedeutung von H. gallinarum ist auch deshalb nicht hoch genug einzuschätzen, da H. meleagridis in den Eiern des Fadenwurms bis zu drei Jahre überleben kann.

Bislang dürftige Forschungslage zum Parasiten und zur Krankheit

Die Komplexität des Erregers, seine Epidemiologie und die verschiedenen Einflüsse auf die Pathogenese der Krankheit erfordern erhebliche Anstrengungen, um eine ausgeklügelte Schutzstrategie zu entwickeln. Doch trotz der – auch wirtschaftlich – großen Schäden der Krankheit sind die aktuellen Forschungsergebnisse zum Parasiten H. meleagridis und zur Schwarzkopfkrankheit sehr begrenzt, was möglicherweise auf verschiedene Faktoren, wie Schwierigkeiten beim Umgang mit dem Parasiten in vitro, zurückzuführen ist, was sich auch in der großen Variation innerhalb der experimentellen Studien widerspiegelt. Auch die Wechselwirkung zwischen H. meleagridis und dem Mikrobiom wurde bislang kaum untersucht, weshalb die wahre Natur des Zusammenhangs zwischen dem Parasiten und bestimmten Bakterien noch nicht geklärt ist.

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