Ein Fall für(s) VETMED – Ein Lebensretter für Herkules

Hämolyse: Bei Herkules wurde eine Autoimmunerkrankung festgestellt. Foto © Minisfotos

Hämolyse: Bei Herkules wurde eine Autoimmunerkrankung festgestellt. Foto © Minisfotos 1

Blutspende: An der Universitätsklinik für Kleintiere kann durch eine eigens dafür hergestellte Zentrifuge das gewonnene Vollblut in Plasma und Erythrozytenkonzentrat aufgespalten werden. Durch die Auftrennung in die einzelnen Bestandteile kann jedem Patienten die benötigte Komponente zur Verfügung gestellt werden. Foto © Stephanie Scholz/Vetmeduni Vienna

Blutspende: An der Universitätsklinik für Kleintiere kann durch eine eigens dafür hergestellte Zentrifuge das gewonnene Vollblut in Plasma und Erythrozytenkonzentrat aufgespalten werden. Durch die Auftrennung in die einzelnen Bestandteile kann jedem Patienten die benötigte Komponente zur Verfügung gestellt werden. Foto © Stephanie Scholz/Vetmeduni Vienna 2

Lebensretter auf vier Pfoten: Rooney hat ein sanftes Gemüt und viel Geduld. Hunde wie er retten etwa jeden zweiten Tag das Leben anderer Hundepatienten in der Universitätsklinik für Kleintiere der Vetmeduni Vienna. Als Belohnung für seinen Einsatz bekommt er eine Futterstärkung. Foto © Stephanie Scholz/Vetmeduni Vienna

Lebensretter auf vier Pfoten: Rooney hat ein sanftes Gemüt und viel Geduld. Hunde wie er retten etwa jeden zweiten Tag das Leben anderer Hundepatienten in der Universitätsklinik für Kleintiere der Vetmeduni Vienna. Als Belohnung für seinen Einsatz bekommt er eine Futterstärkung. Foto © Stephanie Scholz/Vetmeduni Vienna 3

Aus VETMED 03/2019 – Manche Engel kommen auf vier Pfoten und das nicht nur einmal, sondern sogar regelmäßig und retten dadurch Hunden wie Zwergdackel Herkules das Leben. Möglich wird das durch die Blutbank der Vetmeduni Vienna. Das VETMED hat nachgefragt, was es mit der Blutspende bei Hunden auf sich hat.

Wenn Herkules durch die Wiese tobt oder um ein Leckerli bittet, merkt man ihm gar nichts an. Doch vor einem Jahr stand es nicht gut um den mittlerweile fünfjährigen Zwergdackel. Im Herbst 2018 war Herkules plötzlich lustlos und wollte nicht mehr fressen. Wegen seiner blassen Schleimhäute wurde von Herkules’ Haustierärztin eine Anämie vermutet und er wurde an die Klinische Abteilung für Interne Medizin Kleintiere der Vetmeduni Vienna überwiesen. „Die klinische Untersuchung und die darauffolgende Blutuntersuchung bestätigten den Verdacht der Kollegin. Herkules zeigte eine hochgradige regenerative Anämie, eine Blutarmut“, berichtet Tierärztin Verena Steiner von der Klinischen Abteilung für Interne Medizin Kleintiere. Da ein vorangegangenes Trauma, die Aufnahme von giftigen Substanzen, wie zum Beispiel Rattengift, Zwiebeln oder Ähnlichem, aus geschlossen werden konnte, wurden weiterführende Untersuchungen eingeleitet. „Nach einem ansonsten unauffälligen Bauchultraschall sowie einem Lungenröntgen kam als mögliche Ursache für die Anämie eine Zerstörung der roten Blutkörperchen, eine Hämolyse, in Frage“, so Steiner.

Diagnose Autoimmunerkrankung

Nachdem die behandelnden TiermedizinerInnen mögliche auslösende Faktoren wie zum Beispiel Blutparasiten ausgeschlossen hatten, wurde ein Test auf Antikörper gegen Erythrozyten, die roten Blutkörperchen, durchgeführt. „Herkules zeigte neben einem positiven direkten Antikörpertest, einem sogenannten Coombs-Test, auch andere Anzeichen auf eine Hämolyse im Blutbild. Nach Ausschluss möglicher sekundärer Auslöser kann man in diesem Fall von der Autoimmunerkrankung Primäre Immunmediierte Hämolytische Anämie sprechen, die unbehandelt schnell zum Tod führt. Und Herkules’ Zustand verschlechterte sich rasch“, erklärt Steiner. „Deshalb begannen wir umgehend mit einer immunsuppressiven Therapie, die das Immunsystem unterdrückt. Diese Therapie benötigt jedoch einige Tage, bis sich ein entsprechender Wirkspiegel gebildet hat. Bei Herkules war es daher ein Wettlauf gegen die Zeit und so erhielt er innerhalb dieses ersten Behandlungszeitraums mehrere Blutkonserven an aufeinanderfolgenden Tagen. Zum Glück haben wir eine Blutbank, die dies ermöglicht.“ Herkules schaffte es schließlich, gegen die Autoimmunerkrankung anzukämpfen, und ein Jahr später konnte der Zwergdackel nicht zuletzt dank der Blutspende durch einen anderen Hund seinen fünften Geburtstag feiern.

Blutspenden retten Leben

„Blutkonserven und Bluttransfusionen werden an unserer Klinik etwa jeden zweiten Tag eingesetzt“, erklärt Iwan Burgener, Leiter der Universitätsklinik für Kleintiere an der Vetmeduni Vienna. „Notwendig ist dies etwa bei Unfällen, Operationen mit hohem Blutverlust sowie bei schweren Infektionserkrankungen oder immunbedingter Zerstörung der roten Blutkörperchen. Einige der behandelten Tiere würden wir ohne diese lebensrettenden Blutkonserven verlieren.“ Seit etwa 12 Jahren gibt es an der Vetmeduni Vienna eine eigene Blutbank. Besonders Hunde zeigen sich sehr kooperativ bei der Blutabnahme, einige Spendertiere sind in einer Datenbank vermerkt und stehen immer wieder für akute Notfälle zur Verfügung. Für gesunde Tiere mit einem ruhigen Gemüt, einem Mindestgewicht von etwa 17 Kilogramm und einem Alter zwischen ein und sieben Jahren ist eine Blutspende etwa alle drei Monate möglich.

Einer von ihnen ist Rooney. Der siebenjährige Flat Coated Retriever liegt geduldig auf dem Behandlungstisch, eine Routine-Gesundenuntersuchung vorab sowie eine Kontrolle der Blutwerte hat er bereits erfolgreich hinter sich. „Durch eine klinische Untersuchung wird vor jeder Blutspende der Gesundheitszustand geprüft“, erklärt Burgener. Für gesunde Tiere ist das Blutspenden völlig unbedenklich, denn die gespendete Blutmenge kann vom Organismus schnell wieder ausgeglichen werden. „Wichtig ist uns allerdings, dass für die Spendertiere die Blutentnahme ein positives Erlebnis bleibt. Wenn ein Hund gestresst ist, brechen wir sofort ab“, so der Klinikleiter. Doch Rooney ist ein routinierter Blutspender. Ein Pieks und nach etwa fünf Minuten ist die Prozedur für ihn auch schon vorbei: Er bekommt die verdiente Futterstärkung, – das Highlight seines Besuchs in der Universitätsklinik für Kleintiere. Für seine Besitzerin gibt es zusätzlich die Bestätigung, dass Rooney gesund ist und einem anderen Hund vermutlich das Leben retten wird.

Verwendung von Blutkonserven

Rooneys Blut wird nun schnell weiterverarbeitet. Da er die Blutgruppe DEA 1.1 negativ hat, ist er ein Universalspender, dessen Blut für alle Hunde eingesetzt werden kann. „In der Regel werden Hunden, entsprechend dem jeweiligen Körpergewicht etwa 250 bis 450 Milliliter Blut abgenommen. Durch moderne Notfall- und Intensivmedizin herrscht ein großer Bedarf an den verschiedenen Blutbestandteilen“, sagt Iwan Burgener. Prinzipiell kann eine abgenommene Blutspende durch die Weiterverarbeitung auf drei Wegen Patiententieren zugute kommen: als Vollbluttransfusion, die direkt gegeben wird, als Erythrozytenkonzentrat der roten Blutkörperchen, das etwa vier bis sechs Wochen haltbar ist, oder als Blutplasma, das bei einer Lagerung von minus 20 Grad bis zu einem Jahr haltbar gemacht wird. „Daher kann eine einzige Spende unter Umständen sogar zwei Tieren helfen“, so der Klinikleiter. Die entstandenen Blutprodukte der jeweiligen Blutgruppen werden bis zu ihrem Einsatz bei einem Notfall in der Blutbank der Vetmeduni Vienna aufbewahrt.

Blutspender werden

Ihr Hund ist ein Retter auf vier Pfoten? An der Abteilung für Interne Medizin Kleintiere können Termine für Blutspenden vereinbart werden.

Voraussetzung für die Blutspende beim Hund:

  • Klinisch gesund, keine Medikation zum Zeitpunkt der Blutspende, keine Bluttransfusion erhalten
  • Zwischen ein und sieben Jahre alt (je nach Gesundheitszustand bis zu acht Jahre)
  • Körpergewicht von mindestens 17 Kilogramm
  • Regelmäßige und vollständige Impfungen
  • Freundliches und ruhiges Wesen

Weitere Informationen: https://www.vetmeduni.ac.at/interne-kleintiere/dienstleistungen/serviceeinrichtungen/blutspende/ 4

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Kategorie: Magazin, Service, Tierspital & Universitätskliniken  6