Anders als Wölfe, sind Hunde in den Menschen vernarrt

Testphase 1/Vortest (Straßenhunde in Marokko), Foto © Giulia Cimarelli

Testphase 1/Vortest (Straßenhunde in Marokko), Foto © Giulia Cimarelli  1

Testphase 2/Testphase, Foto © Giulia Cimarelli

Testphase 2/Testphase, Foto © Giulia Cimarelli  2

Hunde sind der „beste Freund des Menschen“. Eine aktuelle Studie des Domestikation Labs der Vetmeduni Vienna erbrachte nun den Nachweis, dass die Domestizierung dafür verantwortlich ist. Hunde scheinen sich demnach mehr als Wölfe zum Menschen hingezogen zu fühlen und zwar unabhängig von ihrer Sozialisierung.

Aktuelle Vergleichsstudien zu auf Menschen gerichtetem Verhalten von Hunden und Wölfen deuten darauf hin, dass die Domestizierung die allgemeinen Einstellungen von Hunden und nicht spezifische soziokognitive Fähigkeiten beeinflusst hat. Vor diesem Hintergrund legt eine aktuelle Hypothese – die sogenannte Hypersozialitätshypothese – nahe, dass die Domestizierung die allgemeine Geselligkeit von Hunden erhöht haben könnte.

Domestizierung erhöhte das soziale Interesse am Menschen

In einer nun präsentierten Studie gingen ForscherInnen des Domestikation Labs der Vetmeduni Vienna diesem Ansatz genauer nach und testeten einen Aspekt der Hypersozialitätshypothese – und zwar, was Hunde im Vergleich zu Wölfen zur Interaktion mit Menschen motiviert: Futter oder Streicheleinheiten. Und weiters, wie Erfahrungen mit Menschen die Motivation mit Menschen zu interagieren beeinflusst. Das zentrale Ergebnis der Studie: Die Domestizierung der Hunde hat ihr allgemeines Interesse an Menschen erhöht. Im Vergleich zu Wölfen haben Hunde ein deutliches höheres Interesse, in der Nähe des Menschen zu sein.

Treibende Motivation für die Interaktion mit Menschen weiterhin unklar

Dazu Martina Lazzaroni: „Unsere Studie stützt die Idee, dass die Domestizierung das Interesse von Hunden an der Nähe zu einem menschlichen Partner, der Futter oder Streicheleinheiten anbietet, beeinflusst hat. Dies scheint auch bei Hunden mit einer eher spärlichen Sozialisationserfahrung der Fall zu sein.“ Derzeit ist laut den ForscherInnen jedoch nicht klar, was genau die treibende Motivation für die Interaktion mit dem Menschen ist. „Zukünftige Studien, die Hunde mit unterschiedlichen Erfahrungen in unterschiedlichen Kontexten testen, und detailliertere Analysen der gezeigten Verhaltensweisen könnten helfen, diese spannende Frage zu beantworten“, so Lazzaroni weiter.

Versuchsanordnung: Wahlaufgabe für Wölfe und Hunde

Im Rahmen ihrer Studie verglichen die ForscherInnen Wölfe und Hunde, die im Wolf Science Center (WSC) der Vetmeduni Vienna leben, mit Haushunden und mit Straßenhunden in Marokko, die freilebend sind. Getestet wurde das Verhalten der Tiere mit einer zweistufigen Versuchsanordnung: In Phase 1 – dem Vortest – wurden die Tiere nacheinander mit zwei Personen konfrontiert. Eine Person lud das Tier zum Streicheln ein (Kontaktanbieter), die andere fütterte das Tier (Futteranbieter). In der daran anschließenden Phase 2 – der Testphase – konnten die Tiere wählen, welcher der beiden Personen sie sich nähern wollten, wobei sich beide in einer neutralen Haltung präsentierten. Überraschenderweise verbrachten die Straßenhunde in Phase 1 mehr Zeit mit dem Kontaktanbieter als Haushunde. Daher führten die ForscherInnen einen Folgetest für Hunde in einem vertrauten, ablenkungsfreien Bereich durch. Straßenhunde und Haushunde zeigten hier keine Unterschiede beim Ausmaß der Kuschelzeit.

Test zeigt keine klare Präferenz für einzelne Personen

In der Testphase (Phase 2) trafen die am WSC gehaltenen Hunde eher als Wölfe eine Entscheidung zwischen den beiden Experimentatoren. Allerdings konnten die ForscherInnen weder beim Vergleich der im WSC gehaltenen Hunde und Wölfe noch beim Vergleich zwischen Haushunden und den Straßenhunden eine klare Präferenz für eine Person feststellen. Damit stützen die Ergebnisse der Studie zwar die Hypothese, dass die Domestizierung das Verhalten von Hunden im Hinblick auf ihr allgemeines Interesse an der Nähe zu einem menschlichen Partner beeinflusst hat – und zwar auch bei Hunden mit einer eher spärlichen Sozialisationserfahrung, wie bei den Straßenhunden.

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