Bandscheibenvorfall

Bandscheibenvorfall ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen beim Hund (betrifft etwa 2% von allen Erkrankungen).

Unter einem Bandscheibenvorfall versteht man die komplette oder teilweise Verlagerung der Bandscheibe, die meist durch eine Degeneration der Bandscheibe (mit dem Alter ändert sich die Konsistenz der Bandscheibe), seltener durch ein Trauma verursacht wird. Ursächlich wird eine genetische Prädisposition vorausgesetzt, ob auch physische Belastungen eine Rolle spielen, ist schwierig zu beurteilen. Meistens tritt der Vorfall sehr plötzlich auf, wenn der Hund springt oder eine abrupte Bewegung beim spielen macht.

Etwa 84-86% kommt im thorakolumbalen Bereich vor, davon 75% zwischen Th11-L2.

Die klinischen Symptome (von Schmerzen bis zur Lähmung) hängen von verschiedenen Faktoren ab:

  • Menge des ausgetretenen Bandscheibenmaterials
  • Kraft, mit der Bandscheibenmaterial in den Wirbelkanal eindringt.

Um die Diagnose, den Behandlungsplan und die Prognose stellen zu können müssen verschiedene klinische und spezielle Untersuchungen ausführlich durchgeführt werden.

Nach der Lokalisation des Problems in der Wirbelsäule und/oder im Rückenmark (klinisch-neurologische Untersuchung) sind Spezialuntersuchungen nötig, um die Natur der Läsion näher zu charakterisieren. Diese sind in erster Linie Bildgebende Verfahren. In einem Leerröntgen (einfache Rö-Untersuchung) können schon einige Veränderungen sichtbar gemacht werden (z.B. Frakturen/Luxationen, Veränderungen der Wirbelstruktur, Missbildungen). Ist die Diagnosestellung mit dieser Technik nicht möglich, bzw. muss das Ausmaß einer Rückenmarkserkrankung näher festgestellt werden, wird die Diagnostik erweitert: Entnahme und Untersuchung des Liquor cerebrospinalis (Gehirnflüssigkeit) dient der Feststellung einer primären entzündlichen Erkrankung bzw. einer sekundären entzündlichen Reaktion (Tumor, Bandscheibenerkrankungen). Mithilfe des CT, MRI und der Myelografie (Kontrastmittelstudie des WS-Kanals) bzw. Myelo-CT kann in den meisten Fällen die Läsion charakterisiert werden. Sollte das nicht der Fall sein, bzw. tauchen unsichere Befunde auf, kann die Biopsie weitere Aufschlüsse liefern oder die Diagnose muss als klinische Verdachtdiagnose im Ausschlussverfahren gestellt werden (Rückenmarkinfarkt, degenerative Rückenmarkserkrankungen).

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Klinische Klassifikation:

  • Grad 1.
    - nur Schmerzen
  • Grad 2.
    - Schmerzen, Propriozeptionsdefizite, Ataxie, Parese
  • Grad 3.
    - Parese, nicht mehr gehfähig
  • Grad 4.
    - Paraplegie, Tiefensensibilität vorhanden
  • Grad 5.
    - Paraplegie, ohne Tiefensensibilität

Die Prognosestellung erfolgt nach Art der Läsion, aber auch nach den klinischen Symptomen (Lokalisation und Ausmaß der Gewebezerstörung). Bei vollständiger Lähmung und abwesenden Reflexen ist die Prognose generell vorsichtiger zu stellen. Zur Prognosestellung dient auch die Beurteilung der Schmerzempfindung: ist keine Schmerzempfindung mehr vorhanden, ist die Prognose als vorsichtig bis schlecht zu bezeichnen. Ausnahmen sind akute Zustände, die mit starker Flüssigkeitsansammlung im Rückenmark einhergehen.

Generell führt eine Kompression des Rückenmarks zu Durchblutungsstörungen und Hypoxie (Sauerstoffmangel) der Nervenzellen. Die Reversibilität des Rückenmarkschadens ist indirekt proportional zur Dauer der Kompression. Ein "Absterben" von Nervenzellen kann relativ rasch entstehen und ist nicht mehr rückgängig zu machen.

Therapie:

Die Behandlung kann konservativ oder chirurgisch erfolgen.

Konservative Behandlung

ist sinnvoll nur bei Hunden mit leichter Symptomatik. Mit absoluter Boxenruhe hofft man auf Bildung einer Fibrose und Vernarbung des vorgefallenen Materials. Das Tier wird in einem engen Käfig oder einem sehr engen Raum gehalten, damit es so viel wie möglich liegt. Dreimal am Tag lässt man den Hund für kurze Zeit aus dem Käfig, damit er Urin und Kot absetzen kann. Diese Bewegungseinschränkung sollte mindestens 3-4 Wochen dauern; danach sollte wieder langsam mit der Bewegung begonnen werden. Am besten wäre ein stationärer Klinikaufenthalt. Bei kleinen Hunden besteht die Möglichkeit, die Boxenruhe zu Hause in einer Transportbox zu gewährleisten. Während der Immobilisierungsperiode ist eine Verabreichung vom Schmerzmittel anzuraten. Diese medikamentöse Therapie ist nur sinnvoll, wenn das Tier absolut ruhig!! gehalten wird. Durch die Verminderung der Schmerzen könnte sich der Hund zu heftig bewegen und so die Situation drastisch verschlimmern.

Chirurgische Behandlung

besteht in der Dekompression des Rückenmarks durch Eröffnung des Wirbelsäulenkanals. Verschiedene Techniken wurden beschrieben, prinzipiell erlauben sie den Sitz der Kompression zu erreichen und das vorgefallene Material aus dem Wirbelkanal zu entfernen. Eine intensive Betreuung einschließlich Physiotherapie ist nach der Operation notwendig.

Bei Hunden bei denen seit mehr als 48 Stunden keine Schmerzempfindung mehr vorhanden ist, wird von einem chirurgischen Eingriff abgeraten.

Das auftreten von weiteren Bandscheibenvorfällen ist möglich. Besonders die vor und hinter der Operationsstelle liegenden Bandscheiben sind gefährdet, da sie die Funktion der fehlenden übernehmen müssen.

 

 

Prognose

 

konservativ %chirurgisch %
Grad I.10097
Grad II.8495
Grad III.8493
Grad IV.8195
Grad V.764 (bis 48 h.)
Rezidive40-503-23

  

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