Das Lacan’sche Tier – Eine psychoanalytische Perspektive auf den Anthropozentrismus und die Ambivalenzen in der Mensch-Tier-Beziehung

Dissertationsprojekt von Andreas Aigner

Das Dissertationsprojekt analysiert auf Basis der psychoanalytischen Theorie Jacques Lacans verschiedene Formen des Anthropozentrismus sowie die Ambivalenzen im auf nichtmenschliche Tiere bezogenen Denken und Handeln des Menschen. Darunter fällt z.B. das Phänomen, dass Menschen manche Tiere essen, während sie gleichzeitig andere als geliebte "Schoßtiere" halten und von wieder anderen Tieren fasziniert und erstaunt sind. Untersucht wird, auf welche Weise diese Ambivalenz mit unbewussten Prozessen und Strukturen der menschlichen Psyche verbunden ist, die bewusster Reflexion entgehen. Die interdisziplinäre Ausrichtung des Projekts an der Schnittstelle zwischen Psychoanalyse und Philosophie widmet sich dabei auch der Frage der "ontologischen und epistemischen Grundbedingungen" des "werdenden" Subjekts aus Lacan’scher Perspektive. Damit liegen auch der Begriff des Anthropozentrismus sowie seine fragliche Überwindbarkeit auf dem Prüfstein, da Lacans komplexe Theorie der menschlichen Subjektivität das Konzept des "Anthropos" als ein "Zentrum" des Denkens radikal problematisiert. Es soll im Hinblick auf die späte Lehre Lacans aufgezeigt werden, dass die verschiedenen Weisen, wie sich Menschen auf Tiere beziehen und sich gegenüber diesen verhalten, mit unbewussten Strukturen assoziierbar sind, die dem Anderen gegenüber nicht "neutral" sind. Damit erweist sich mit Lacan nicht nur der in der Tierethik kritisierte Anthropozentrismus gegenüber Tieren als diskussionswürdig, sondern auch jede angestrebte Überwindung desselben. Im Fokus steht nämlich, inwiefern jedes Verhältnis zum Anderen durch ein bestimmtes unbewusstes Interesse oder Begehren an diesem Anderen mitbestimmt oder von einer spezifischen Form unbewussten Genießens getragen wird.      

Durch eine Analyse dieser subjektiven Strukturen und Dynamiken wird die philosophische Debatte zum Anthropozentrismus um eine wichtige neue Perspektive bereichert. Das Projekt wird darüber Einsicht geben, wie verschiedene implizite normative Ideen, welche die ambivalenten Beziehungen zu Tieren regulieren, mit unbewusstem Begehren und Genießen verknüpft sind. Ziel ist es, ein besseres Verstehen des in der Tierethik diskutierten Problems der vermeintlichen Widersprüche in der Mensch-Tier-Beziehung zu ermöglichen.

Projektnummer: P 27428

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