Tierhaltung

 

Kea-Haltung

Die Keas 1 leben in einer einzigen, großen (520 m2) und reichhaltig ausgestatten Voliere. Diese Anlage 2 wird dem Spieltrieb und dem Gemeinschaftsleben der Vögel gerecht und ermöglicht in speziellen Abteilen das Testen einzelner Vögel. Zwei Wasserbecken, mehrere Blumenbeete, Sträucher und Bäume, viele große Sitzäste, Hütten und Sitznischen, Futtertische und Spielobjekte boten den Tieren eine reichhaltige und geistig anregende Umgebung.

An den beiden Enden der 52 m langen, 10 m breiten und 5 m hohen (2600 Kubikmeter!) Voliere wurden zwei mit Sichtschutz abgetrennte Brutabteile errichtet. In einer großen Hütte mit einem Brutkasten ausgestattet sollten die Vögel für Nachwuchs sorgen können.

Die beiden daran anschließenden Testabteile konnten zweifach unterteilt und von der restlichen Voliere mit oder ohne Sichtschutz abgetrennt werden. Zwei Touchscreens, die jeweils mit einem Testcomputer und einer Futtermaschine verbunden sind, ermöglichen die Untersuchung von Wahrnehmungs- und Lernvorgängen bei Keas.

Heute leben 22 Keas, davon 12 Männchen und 10 Weibchen aller Altersklassen in der großen Voliere. Es gelang über die Jahre – teils mit menschlicher Hilfe (2 x Handaufzucht) – eigenen Nachwuchs (6 Tiere) zu bekommen, die den Bestand auf Dauer sichern. Die Forschungen 3 werden von Prof. Ludwig Huber 4, mit Unterstützung von Dr. Gyula Gajdon und Raoul Schwing, PhD 5 (alle Messerli Forschungsinstitut) geleitet.

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Corviden-Haltung

Für die Rabenvögel wurden drei durch Gänge verbundene Volieren mit einer Gesamtfläche von 680 Quadratmetern errichtet. Diese wurden von Prof. Bugnyar unter Berücksichtigung der Lebensweise von Kolkraben und der erforderlichen Testmöglichkeiten geplant. Kolkraben leben in wechselnden Gemeinschaften. Die verpaarten Tiere leben territorial, das heißt sie behaupten und verteidigen ihr Revier.

Die (noch) nicht verpaarten Tiere leben in Gruppen, welche von einem ständigen Kommen und Gehen gekennzeichnet sind ("Fission-Fusion-System"). Die Anlage am Haidlhof ist die weltweit erste Voliere für Vögel, die versucht dieser Dynamik Rechnung zu tragen. Die einzelnen Teile stehen über insgesamt 15 Türen und drei Fluggänge in Verbindung.

Sie erlaubt den Raben je nach Alter und Saison in Gruppen oder in Paaren zu leben bzw. den Forschern die Größe und Zusammensetzung der Rabengruppen experimentell zu steuern und kurzzeitig zu ändern. Zudem beinhaltet jeder Teil kleine Testabteile, wo die Raben einzeln und ungestört von ihren Artgenossen an kognitiven Aufgaben arbeiten können.

In den letzten 5 Jahren verbrachten insgesamt 30 Kolkraben ihre Jugendzeit am Haidlhof. Als Vergleichsart zu den Kolkraben wurde 2012 eine Gruppe von 10 Aaskrähen etabliert, die unmittelbar neben den Raben gehalten werden. Die Forschungen werden von Prof. Thomas Bugnyar 8 (Universität Wien) geleitet.

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Schweine-Haltung

Im Sommer 2014 wurde mit Hilfe der Messerli-Stiftung in der Nähe des Haidlhofs, am sogenannten Sägeacker, ein Freilandgehege 11 für rund 40 Schweine 12 errichtet. Um ihre Fähigkeiten in voller Stärke einsetzen und in ihrer Entwicklung gefördert zu werden, brauchen Schweine eine natürliche, anspruchsvolle und vielseitige Umgebung. Daher werden die Schweine in einer Weidehaltung und in natürlicher Gemeinschaft – eine sogenannten Matrilinie mit drei Weibchen und ihren Nachkommen – gehalten.

Die Tiere leben bis zu ihrem natürlichen Tod auf der ca. 8 ha großen Weide, in deren Mitte sich ein kleiner (ca. 1 ha) Wald befindet. In diesem Wald haben die Tiere Schatten und Ruhe, dort befinden sich 5 schöne, selbstgebaute Schlafhütten in A-Form (doppelwandig mit Isolierung und versetzbar) und eine Schlammsuhle.

Die frostsichere Wasserversorgung besteht aus einem Brunnen (Tiefe 12 Meter), einem gedämmten Wasserturm (1000 Liter) und beheizten Tränkebecken. Auf der Weide wurde eine spezielle Kleegrasmischung angebaut, diese bietet den Tieren genügend Nahrung. Am Waldrand befinden sich die Forschungseinrichtungen, insbesondere eine Testhütte mit einer Lernbox (mit Computer und Touchscreen) und ein Bürocontainer.

Mit einem Videoüberwachungssystem aus stationären und mobilen Videokameras, die mit einem großen Videoserver verbunden sind, können die Gruppenstruktur und die Interaktionen der Tiere erfasst und anschliessend analysiert werden. Die Forschungen 13 werden von Prof. Ludwig Huber 4, mit Unterstützung von Tierärztin Marianne Wondrak 14 (alle Messerli Forschungsinstitut) geleitet.

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© Isabelle Grubert
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