Sprechen mit den Augen und Händen: die hormonellen und kognitiven Grundlagen der Kommunikation bei Hunden und Wölfen (WWTF CS11-026)

Zsófia Virányi, Friederike Range, Zsolt Rónai

 

Menschliche Kommunikation ist einzigartig, da sie stark auf Sprache aufbaut und sich auf die außergewöhnliche Motivation der Menschen Information mit anderen zu teilen stützt. Sich mit Hilfe von Wörtern identifizieren, die jemand spricht, ist kaum möglich bei nicht-menschlichen Tieren, aber der Mensch sowie nicht-menschliche Tiere können die Blickrichtung und Gesten anderer nutzen um herauszufinden, auf welches Objekt oder welchen sozialen Partner sich das Verhalten der anderenbezieht. Es wurde infolge nahe gelegt, dass dem Blick und den Gesten anderer zu folgen eine evolutionäre und Entwicklungs-Vorstufe der linguistisch-referentiellen Kommunikation sein könnte. 

Obwohl gezeigt wurde, dass einige Tierarten die Fähigkeit besitzen, dritte Einheiten in der Umwelt wahrzunehmen in dem sie dem Blick anderer folgen, ist es fraglich, ob sie erkennen ob ihre Partner die Motivation zu kommunizieren und Information zu teilen besitzen. Dies zeigt sich zum Beispiel im Misserfolg von Schimpansen, einen von zwei Versteckplätzen zu wählen, der Futter beinhaltet und von einem kooperativen Menschen oder Artgenossen durch Anschauen oder Zeigen gekennzeichnet wurde – trotz der sonst gut entwickelten Fähigkeiten dieser Tiere, in kompetitiven Situationen Objekte entlang der Blickrichtung anderer zu lokalisieren.

Haushunde hingegen zeigen in dieser Aufgabe eine menschenähnlichere Leistung. Folglich wurde vermutet, dass Hunde im Laufe der Domestikation der erhöhten Hilfsbereitschaft von Menschen analoge Fähigkeiten entwickelt haben. Wir behaupten jedoch, dass es sich dabei um eine verfrühte Schlussfolgerung handelt, da kein sicherer Beleg zeigt, dass der Erfolg der Hunde auf denselben Mechanismen wie bei Menschen basiert, und da unsere neuesten Ergebnisse gezeigt haben, dass auch Wölfe, die nächsten nicht domestizierten Verwandten der Hunde, verstecktes Futter basierend auf Zeichen von Artgenossen und Menschen finden können, wenn, anstelle einer menschen-spezifischen Handgeste ein arttypischeres Zeichen (Blick) benutzt wird um das Futter anzuzeigen.

Dementsprechend ist das Hauptziel des beabsichtigten Projektes, kritisch die Phylogenie des Blickfolgens und Zeigens als eine nonverbale Form von kooperativer, referentieller und intentionaler Kommunikation zu untersuchen. Um dieses Ziel zu erreichen, werden wir untersuchen ob - ähnlich wie bei Menschen-, Welpen, erwachsene Haushunde, im Rudel lebende Hunde und im Rudel lebende Wölfe Aufmerksamkeitspräferenzen zu jenen Körperteilen und Gesichtsregionen von Artgenossen und Menschen zeigen, die für Kommunikation ausschlaggebend sind (z.B. Augen, Mund, Hände). Um exakte Messungen zu erhalten, werden wir für diesen Zweck einen Eye-Tracker verwenden. Wir werden auch untersuchen, ob Angst-bezogene Motivationen die Aufmerksamkeit der Hunde und Wölfe auf menschliche Gesichter und menschliche Hände im Vergleich zu anderen menschlichen Körperteilen und Gesichtern von Artgenossen, einschränken.

Das erreichen wir, indem wir untersuchen ob der Genotyp von polymorphen Regionen des Rezeptorgens von Oxytocin (ein angstmodulierendes Hormon und Neurotransmitter) Blickmuster bei 400 Individuen beeinflusst. Weiterhin zielen wir darauf, die Mechanismen festzustellen, die ihre Nutzung des Blicks von Artgenossen, des Blicks von Menschen und des menschlichen Zeigens zugrunde liegen, in dem wir das Verhalten von Hunden und Wölfen in unterschiedlichen Versionen einer Aufgabe mit zwei möglichen Antworten vergleichen. Wir werden variieren, ob derjenige, der das Zeichen zum Versteck des Futters gibt, das in einer kommunikativen oder nicht-kommunikativen Weise ausführt, und ob das Zeigen oder der Blick sich auf ein bestimmtes Objekt bezieht oder nur eine Richtung anzeigt.

Eine solch sorgfältige Analyse macht einen Vergleich der menschlichen und tierischen kooperativ-referentiellen Kommunikation auf Ebene der zugrunde liegenden Mechanismen möglich, und wird eine zuverlässigere Rekonstruktion der Phylogenie der kognitiven und motivationalen Bausteine der kooperativen und intentional-referentiellen Kommunikation fördern.

Ein besseres Verständnis, ob Hunde den kommunikativen und kooperativen Charakter der menschlichen Kommunikation erkennen oder ob sie auf menschliches Verhalten in einer eher Reiz-angetriebenen Art antworten, kann direkt bei der Hundehaltung und der Hundeausbildung von Vorteil sein, und wird das Zusammenleben sowie das gemeinsame Arbeiten von Hunden und Menschen in unserer Gesellschaft und das Wohlergehen auf beiden Seiten verbessern.