Goffin Forschung

 

Das Innovationsproblem: Faktoren, die den innovativen Werkzeuggebrauch bei Kindern und Kakadus beeinflussen

Goldegg Goffin Lab

Innovatives Verhalten ermöglicht Tieren und Menschen mit neuen Herausforderungen umzugehen und neue Gelegenheiten zu erschaffen. Werkzeuginnovationen sind besonders nützlich um den Zugang zu Umweltresourcen zu erweitern und haben daher eine wichtige Rolle in der menschlichen Evolution gespielt.

Obwohl Kinder schon mit zwei Jahren kompetent Werkzeuge verwenden haben sie bis zu ihrem achten Lebensjahr überraschend Probleme damit selbst neue Werkzeuge zu erfinden.Die Gründe für dieses Phänomen sind kaum erforscht jedoch äusserst wichtig um die Entwicklung unserer kognitiven Fähigkeiten in der technischen Domaine zu verstehen. Interessanterweise ist Werkzeuginnovation nicht auf Menschen begrenzt: die neuste Forschung an menschlichen Kindern wurde sogar durch Studien an Vögeln motiviert.

Goffini Kakadus sind hervorragende Werkzeug Erfinder und die unabhängige Evolution dieser Fähigkeit in Menschen und Tieren erlaubt uns Schlüsse zu deren Auslösern und Mechanismen zu ziehen. Wir planen unser Wissen aus Entwicklungspsychologie und Kognitionsbiologie zu vereinenden um die Entwicklung und Wirkungsart von Werkzeuginnovation in Menschen und Goffinis zu studieren.

Wir werden Motivationssysteme (Exlorier- und Spielverhalten) und kognitive Mittel für innovative Werkzeugmodifikation/-manufaktur sowie Kombinationen von mehr als einem Werkzeug untersuchen. Auf diese Art werden wir spezifische Hypothesen testen welche auf bisher bekannten Unterschieden und Ähnlichkeiten basieren.

 

Projektleiter: Alice Auersperg; Co-PIs: Sarah Beck; Sabine Tebbich
Projektmitarbeiter: Antonio Osuna-Mascaro; Poppy Lambert; Jennifer Colbourne
Laufzeit: Mai 2019 – Juli 2022
gefördert von: WWTF Wiener Wissenschaft und Technologiefund

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Innovatives Verhalten

Goldegg Goffin Lab 

Innovationen, oder Verhaltensweisen die plötzlich in einer Population auftauchen spielen eine wichtige Rolle im Problemlösungsverhalten vieler Tiere und sind höchstwahrscheinlich eng mit höheren kognitiven Prozessen verbunden. Spezies die eine sogenannte ‚generelle Intelligenz‘ besitzen zeigen ein hohen Grad an Flexibilität über ein großes Spektrum verschiedener technischer Probleme und sind daher besonders geeignet um innovatives Verhalten zu studieren. Für dieses Projekt benutzen wir den Goffinkakadu als Model um eine Anzahl wichtiger Aspekte innovativen Verhaltens zu untersuchen. Wir werden zwei Versuchsreihen anwenden um den Einfluss von Lernmechanismen sowie von individuellen Eigenschaften (wie Geschlecht, sozialer Status und Persönlichkeit) auf die jeweiligen Innovationsraten zu etablieren und mögliche innovative Strategien aufzudecken. In diesem Fall interessiert uns besonders ob Innovationen in dem Repertoire eines Tieres auftauchen während dieses aktiv nach Informationen zu bestimmten Problemen sucht oder ob dieses durch zufällige Entdeckungen Lösungen findet. Zusätzlich werden wir innovative Aufgaben anwenden welche zum Testen fortgeschrittener technischer Intelligenz an adaptiven Spezialisten (z.B. habituelle Werkzeugverwender) entwickelt wurden. Die erste ist das Haken-Biege Paradigma, ein Beispiel innovativer Werkzeugmanufaktur und das zweite ist sequentieller Werkzeuggebrauch, ein Bespiel von assoziativem Werkzeuggebrauch. Beide Tests wurden zuvor an Spezies angewendet welche mögliche ökologische Vorveranlagungen für Werkzeugverhalten haben (durch Nestbau oder habituellen Werkzeuggebrauch). Diese können beim Goffinkakadu ausgeschlossen werden.


Projektleiter: Alice Auersperg
Projektmitarbeiter: Theresa Rössler, Berenika Mioduszewska; Isabelle Laumer
Laufzeit: Oktober 2016 - September 2019
Gefördert durch: FWF, 
Österreichischer Wissenschaftsfonds

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Werkzeugmanufaktur

Goldegg Goffin Lab

In diesem Projekt werden wir Tiere mit kontrollierten Versuchsanordnungen konfrontieren bei welchen sich Futter außer Reichweite befindet und verschiedene Materialien zum Bau von Werkzeugen (die Zugang zum Futter erlauben) zu Verfügung stehen: Wir werden die Flexibilität der Tiere bezüglich verschiedener Aufgaben und verschiedener Materialien untersuchen. Zudem werden wir ihre Zielstrebigkeit sowie den Grad ihres Verständnisses der Funktionalität der von ihnen gebauten Werkzeuge testen. Hierbei versuchen wir zu etablieren ob die Leistung der Tiere die Kriterien für flexible, ‚intelligente‘ Werkzeugherstellung trifft. Wir haben zusätzlich die Kosten Evaluierung der Vögel untersucht indem wir uns angesehen haben in welchen Situationen sich die Tiere ihre Werkzeuge für später aufheben.

Dieses Projekt wird uns helfen zu verstehen wie innovative Werkzeugherstellung außerhalb von Primaten entstehen kann und ultimativ unser Wissen über die Rolle von innovativem Verhalten in der Entstehung von werkzeugbezogenen Verhalten erweitern.

Projektleiter: Alice Auersperg
Projektmitarbeiter: Mark O’Hara (Technik), Andreas Auersperg (Technik)
Laufzeit: April 2016 - März 2019
Gefördert durch: FWF, Österreichischer Wissenschaftsfonds

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Kognitive Ökologie bei Goffin Kakadus

Tanimbar Goffin Lab

Der Goffin Kakadu (Cacatua goffiniana)ist eine endemische Art deren natürliches Verbreitungsgebiet auf die Tanimbar Inseln in Indonesien beschränkt. In Gefangenschaft, unter kontrollierten Bedingungen, konnte diese Spezies mit erstaunlichen kognitiven Fähigkeiten überzeugen, darunter auch dem Erzeugen und Verwenden von Werkzeugen um an Futter heranzukommen.

Allerdings ist nur sehr wenig über die Ökologie und dem Verhalten dieser interessanten Art in ihrem natürlichen Habitat bekannt. Um zu untersuchen welche Faktoren an der Evolution solch herausragender kognitiver Leistungen beteiligt sein könnten, planen wir, in einem ersten Schritt, die Nahrungsökologie und das natürliche Verhalten von freilebenden Goffin Kakadus auf Tanimbar näher unter die Lupe zu nehmen.

Denn mitunter ein Grund für hochentwickelte Intelligenz, könnte mit einem reichen Nahrungsangebot und damit einhergehenden unterschiedlichen Verarbeitungstechniken zusammenhängen. Deshalb planen wir mittels Isotopenanalyse von Futter- und Federproben zu ermitteln welche Nahrungsmittel zu welchen Anteilen eingenommen werden.

Ein weiterer Faktor, der helfen kann manuelle Probleme zu lösen, wird im Spielverhalten mit Objekten vermutet. Auf diese Weise können Erfahrung im Umgang mit diversen Objekten für einen späteren Gebrauch angeeignet werden. Mittels speziell entworfener Aufgaben, die von den Vögeln spielerisch angegangen werden, können wir untersuchen wie sich flexibler Werkzeuggebrauch aus Objektspiel ergeben kann und welche kognitive Mechanismen beteiligt sind.

Die Fähigkeiten die bisher in der Gefangenschaft beobachtet worden sind mögen sich auf einen sogenannten 'Captivity effect' zurückführen lassen. Gehaltene Individuen werden bestens versorgt, müssen sich kaum um Nahrungsbeschaffung kümmern und sind keinem Raubdruck ausgesetzt, was dazu führt, dass sie mehr Zeit und Ressourcen zur Verfügung haben. Dies wiederum könnte zur Entwicklung von 'intelligentem' Verhalten geführt haben. Dies macht den Vergleich mit 'wilden' Vertretern dieser Art so wichtig, denn wenn wir bei freilebenden Individuen ähnliche Fähigkeiten finden, lässt sich ausschließen das die Intelligenz der Goffin Kakadus durch die Gefangenschaft bedingt ist.

Projektleiter: Mark O'Hara
Projektmitarbeiter: Berenika Mioduszewska 6, Tri Haryoko 7, Dewi Prawiradilaga 8, Arisitde Parisod, Melissa Sebilleau, Alice Auersperg 9, Ludwig Huber 10
Laufzeit: September 2018 - September 2021
Gefördert durch: FWFÖsterreichischer Wissenschaftsfonds (Projekt Nummer: J 4169)

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Goffin Lab