Stechmücken in Wien- TCS Top Citizen Science (FWF)

Hans-Peter Führer, Ellen Schöner, Carina Zittra, David Ebmer

 

Stechmücken sind als Überträger diverser Krankheitserreger (z.B. Flaviviren) von Bedeutung. Eine systematische und andauernde Stechmückenüberwachung gilt als das wirksamste Mittel, um zum Beispiel das WNV Übertragungsrisiko auf den Menschen vorherzusagen. Trotzdem ist das Wissen über die Artzusammensetzung der Mückenpopulation, deren Verbreitung und Ökologie lückenhaft und wird zudem durch den Mangel an öffentlichen Geldern eingeschränkt. Bis jetzt sind 46 verschiedene Mückenarten in Österreich bekannt und eine vorrangegangene Studie hat mehr als 30,000 Mücken an mehr als 60 Standorten in Ostösterreich gesammelt. Die am häufigsten vorkommenden Arten waren dabei Mücken aus dem Culex pipiens- Komplex, die zu den einheimischen österreichischen Arten zählen und bekannte WNV- Überträger sind. Nur drei neobiotische Arten wurden gefunden, die japanische Buschmücke (Ochlerotatus japonicus japonicus) sowie auch Culiseta longiareolata and Anopheles hyrcanus. Die asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), ein bedeutender Krankheitsüberträger in vielen tropischen Ländern, wurde nicht nachgewiesen, aber ihre Einschleppung und Etablierung ist nur eine Frage der Zeit als Folge von intensiven Handel und Verkehr in einer globalisierten Welt und auch durch voranschreitende Erderwärmung. Da der Einfluß des Klimawandels nicht vorhergesagt werden kann, ist es um so wichtiger, die gegenwärtige Verbreitung und mögliche zukünftige Ausbreitung invasiver und einheimischer Mücken zu verstehen. Dadurch kann das zukünftige Vorgehen zur Mückenkontrolle geplant und festgelegt werden. Die Erfahrung aus vorrangegangenen Projekten hat ein reges Interesse der Öffentlichkeit an der Forschung über Stechmücken und ihre Rolle als Krankheitsüberträger, sowie deren Kontrolle und Vorbeugungsmaßnahmen, aufgezeigt und die Unterstützung der Öffentlichkeit in der Mückenüberwachung in Ländern wie Deutschland war bisher erfolgreich. Deswegen erscheint uns ein Citizen Science Projekt in der Stadt Wien, in Zusammenarbeit mit dem Zentralverband der Kleingärtner, sinnvoll, um die Aufmerksamkeit in Bezug auf Mückenvorkommen, -bestimmung, -überwachung und –kontrolle in der Bevölkerung zu erhöhen. Im Rahmen dieses Projektes werden Mücken von teilnehmenden Freiwilligen in einfachen, selbstgebauten Fallen gefangen und an die Veterinärmedizinische Universität Wien geschickt. Dort werden die Proben von Experten untersucht und Ergebnisse gesammelt. Um die Effektivität dieser Methodik zu kontrollieren und um Vergleichbarkeit mit vorherigen Studien zu gewährleisten, wird die Vektorenforschungsgruppe auch selbst kommerziell erhältliche BG Sentinel Fallen an den verschiedenen Standorten ausbringen. Die teilnehmenden Freiwilligen werden zudem von den Wissenschaftlern in Bezug auf Stechmückenbestimmung, -ökologie, -überwachung und –kontrolle aufgeklärt und über alle Ergebnisse der Studie auf dem Laufenden gehalten. Zusätzlich wird ein Umweltpsychologe die Teilnehmer betreuen, befragen und evaluieren. Wir hoffen, mit diesem Projekt den Nutzen von Citizen Science Projekten für zukünftige Stechmückenkontrolle hervorzuheben.

 

Video zur Bastelanleitung einer Mückenfalle [Link 1]

  

Praktikum am Institut für Parasitologie

Alle Informationen für Studierende der Veterinärmedizin rund um ein Praktikum an unserem Institut finden Sie unter Lehrangebot  [Link 2](bitte ganz nach unten scrollen)