Ziehen Sie Ihre Kälber an der Amme auf und haben Sie Interesse an der Forschung?

Die Veterinärmedizinische Universität Wien sucht Betriebe mit Ammenkuh-Haltung für eine geplante Studie zum Thema „Wird die Mensch-Tier-Beziehung durch das Verhalten der Kuh auf das Kalb übertragen?“.

Warum? Eine gute Mensch-Tier-Beziehung trägt entscheidend zu Wohlbefinden, Gesundheit und Leistung von Kühen sowie zu besserer Handhabbarkeit und geringerer Unfallgefahr bei. Zum Beispiel standen auf österreichischen und schweizerischen Betrieben eine höhere Milchleistung, geringere Zellzahl, weniger Euterentzündungen und ein höherer Besamungserfolg mit einer guten Mensch-Tier-Beziehung in Zusammenhang.  Es lohnt sich daher, schon früh den Grundstein für eine gute Beziehung zu legen. Besonders in den ersten Lebenstagen lässt sich die Beziehung leicht verbessern, vor allem durch das Tränken der Kälber durch den Menschen und dabei erfolgende freundliche Interaktionen wie Streicheln. Dieser Kontakt findet bei der mutter- oder ammengebundenen Aufzucht nicht unbedingt statt.  Jedoch spielt das Lernen von der Mutter bzw. der Mutterfigur im Kälberalter eine sehr große Rolle. Somit könnten freundliche Interaktionen mit der Mutter oder Amme und das daraus folgende vertrauensvolle Verhalten dieser Tiere gegenüber Menschen auch in diesem Aufzuchtsystem eine effektive Möglichkeit zur Schaffung einer guten Beziehung zwischen Kälbern und Menschen darstellen.

Was? In unserem Projekt wollen wir erforschen, ob sich eine gute Mensch-Tier-Beziehung bei Kälbern aufbauen lässt, indem die Kuh dem Kalb eine gute Beziehung zum Menschen vorlebt: Wenn die Kuh zu Menschen Vertrauen hat und ruhig im Umgang ist, findet dann auch das Kalb den Kontakt mit Menschen angenehm? Um genetische Effekte auszuschließen, wollen wir die Studie mit Ammenkühen durchführen.

Wie? Wir erheben die Ausweichdistanz der Rinder als Maß für die Qualität der Mensch-Tier-Beziehung. Das ist ein kurzer Test, bei dem man im Stall auf das Tier zugeht und den Abstand zum Tier in dem Moment schätzt, in dem es ausweicht. Dabei benötigen wir keine Hilfe durch den Landwirt/die Landwirtin. Die Dauer und Anzahl unserer Besuche werden betriebsspezifisch sein, da sie von der Anzahl der zu testenden Tiere und von der Saisonalität der Abkalbungen abhängen. 

Haben Sie Interesse, mit Ihren Ammenkühen und -kälbern an unserem Projekt teilzunehmen? Dann kontaktieren Sie bitte Dr. Stephanie Lürzel unter stephanie.luerzel(at)vetmeduni.ac.at oder telefonisch unter 0664-602576962.