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"Mini-Mallnitz" KLIVV/FIWI Online-Treffen zum Wissenschaftsaustausch

Ein Nebeneffekt der Arbeit von zu Hause aus während der Covid-19-Pandemie war der Kontaktverlust zu unseren Kolleg:innen. Diese kurzen Gespräche beim Kaffee oder beim Vorbeigehen auf dem Gang waren nicht nur ein wichtiger Bestandteil unseres gesellschaftlichen Lebens, sondern auch hilfreich, um uns über unsere aktuelle wissenschaftliche Arbeit und die damit verbundenen Erfolge und Herausforderungen in Verbindung zu bringen. Um diesen Mangel an zwangloser, wissenschaftsbezogener Kommunikation auszugleichen, haben wir uns 2021 entschlossen, eine online-Veranstaltung zu starten, die möglichst vielen Wilhelminenberger Forschenden und Studierenden einen wissenschaftlichen Austausch ermöglicht.

Am 30. November trafen sich über 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Studierende des FIWI und des KLIVV (inklusive des Wissenschaftszentrums Wolf) zur zweiten Auflage des Treffens online. Auf dem Screenshot oben können Sie einen Teil der Teilnehmenden sehen. Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass es wieder ein voller Erfolg war!

Unser aktuelles Format besteht darin, einen Halbtag lang fünf bis sechs sehr kurze Vorträge in drei Sessions von jeweils einer Stunde abzuhalten. Die Inhalte umfassen laufende Forschungsprojekte sowie Einblicke in die wissenschaftlichen Dienstleistungen am Wilhelminenberg. Wir versuchen, den Vorträgen unserer Doktorand:innen- und Master-Studierenden den Vorrang zu geben und sehen das Treffen als hervorragende Gelegenheit für uns alle, das Vortragen in einer freundlichen Umgebung zu üben. Die strikte maximale Zeit von 5 Minuten pro Reder:in ermöglicht einen effizienten Überblick über viele Projekte, kann jedoch für die Referierenden eine Herausforderung darstellen. Bisher hat es sehr gut funktioniert – wir mussten noch niemanden stumm schalten!

Wir möchten das Treffen weiterhin zweimal im Jahr entweder vollständig online oder in einem hybriden Format durchführen, vorzugsweise mit einem rotierenden Organisationskomitee. Bei Interesse bei der Planung des nächsten Treffens mitzuhelfen, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf.

2021-12-06

Pheromone und männlicher Fortpflanzungserfolg

Viele Studien haben chemische Verbindungen  - häufig als "Pheromone" bezeichnet - identifiziert, die das Sexualverhalten und die Physiologie von Labormäusen unter Laborbedingungen beeinflussen. Es wird allgemein angenommen, dass diese Verbindungen den Fortpflanzungserfolg beeinflussen, und dennoch wurde diese Annahme überraschenderweise nie an Mäusen oder anderen Säugetieren getestet. Um diese Hypothese zu untersuchen, wurde kürzlich eine Studie von Dustin Penn und Sarah Zala und ihren Studierenden des Konrad-Lorenz-Instituts für Vergleichende Verhaltensforschung und ihrem internationalen Kollegen Jae Kwak, einem Chemiker mit besonderer technischer Erfahrung mit Pheromonen, durchgeführt.

Sie wollten testen, ob die zuvor in Studien an Labormäusen identifizierten Pheromone tatsächlich den Fortpflanzungserfolg von Wildhausmäusen beeinflussen. Sie setzten wilde Hausmäuse in große Gehege frei, wo sie um Territorien und Partner wetteiferten. 16 Wochen lang beobachteten die Forscher:innen das Verhalten der Mäuse, sammelten Urinproben und maßen die Ausschüttung von nichtflüchtigen und flüchtigen Pheromonen und bestimmten dann den Fortpflanzungserfolg durch genetische Vaterschaftsanalysen der Nachkommen.

Sie fanden heraus, dass die Proteinausscheidung im Urin mit dem männlichen, aber nicht mit dem weiblichen Fortpflanzungserfolg korrelierte. Dieses Ergebnis erklärt, warum männliche Mäuse 3 bis 4 Mal mehr Urinprotein produzieren als weibliche. Zu ihrer Überraschung war nur ein flüchtiges Pheromon positiv mit der Anzahl männlicher Nachkommen korreliert. Eine andere Verbindung, Trimethylamin oder TMA, korrelierte negativ mit dem männlichen Fortpflanzungserfolg. Laut Dustin Penn riecht TMA für die menschliche Nase nach faulen Fischen oder toten und verwesenden Tieren und wird als Indikator für Verderb verwendet. Er erklärt, dass andere Studien gezeigt haben, dass Mäuse von normalen TMA-Werten im Urin angezogen werden, hohe Konzentrationen jedoch ablehnend sind. Interessanterweise wurde festgestellt, dass TMA im Urin infizierter Mäuse erhöht ist. Der Hauptautor der Arbeit, Ken Luzynski, der kürzlich seine Dissertation an der Vetmed Uni verteidigt hat, weist darauf hin, dass die Studie einige neue Ergebnisse geliefert hat, die trotz ihrer rein korrelativen Qualität auch mit den Ergebnissen experimenteller Studien übereinstimmen.

Der Artikel "Pheromones that correlate with reproductive success in competition conditions" von Kenneth C. Luzynski, Doris Nicolakis, Maria Adelaide Marconi, Sarah M. Zala, Jae Kwak und Dustin J. Penn ist in Scientific Reports erschienen.

Geschwister sind wichtig: Familienheterogenität und Lernen bei Fischen

Trotz des starken Interesses an der Verbindung von sozialer Komplexität und kognitiver Fähigkeit bleibt eine beträchtliche Debatte darüber, wie sowohl kognitive Leistung als auch soziale Komplexität am besten quantifiziert werden können.

Für diese Studie untersuchten Forscher des Konrad-Lorenz-Instituts für Vergleichende Verhaltensforschung zwei Buntbarscharten aus dem Tanganjikasee, einen kooperativ brütende Art und eine biparentale Art in einem Cross-Fostering-Experiment, um die Zusammenhänge zwischen sozialer Komplexität und Kognition zu untersuchen. Einzelne Fische wuchsen entweder in einer sozial homogenen Gruppe nur mit Artgenossen oder in einer gemischten und heterogenen sozialen Gruppe auf. In den gemischten Gruppen wuchsen die Jungen beider Arten gemeinsam auf und alle Individuen wurden dann als Subadulte auf ihre Lernfähigkeit getestet.

Um Unterschiede beim Lernen zu quantifizieren, verwendeten die Forscher zunächst eine Diskriminierungslernaufgabe, gefolgt von einer Umkehrlernaufgabe, die Verhaltensflexibilität erfordert, da frühere Assoziationen vergessen und neue Assoziationen geschmiedet werden. Sie fanden heraus, dass Fische, die in einem vielfältigeren sozialen Umfeld aufwuchsen, schneller lernten und weniger Fehler bei der Diskriminierungslernaufgabe machten, aber diese Fähigkeit ließ sich nicht auf die Umkehrlernaufgabe übertragen.

Der Artikel "Siblings matter: Family heterogeneity improves associative learning later in life" von Stefan Fischer, Sigal Balshine, Michaela C. Hadolt und Franziska C. Schaedelin ist im September im der Zeitschrift Ethology erschienen.

2021-10-11

 

Alte Wiener Bäume tun dem Habichtskauz gut

Seit 20 Jahren geht es mit dem Habichtskauz in Österreich wieder aufwärts. Diese große charismatische Eulenart wurde Mitte des 20. Jahrhunderts im ganzen Land als ausgestorben deklariert - aufgrund von Habitatsverlust und Abschüssen. Derzeit gibt es wieder in etwa 45 brütende Paare in freier Wildbahn, davon ca. ein Drittel in Wien.

Diese erfreuliche Entwicklung ist das Resultat eines von Dr. Richard Zink im Jahr 2009 initiierten Wiederansiedelungsprojekts, das äußerst erfolgreich verläuft. Seit Projektstart wurden 460 Jungvögel aus Zucht freigelassen. Begleitet wird das Projekt von einem kontinuierlichen Monitoring-Programm, bei dem auch der genetische Fingerabdruck jedes Tieres in einer Datenbank gespeichert wird. So können auch individuelle Vögel im Freiland beobachtet und ihr Bruterfolg dokumentiert werden. Webcams gewähren Einblicke in Nistkästen, und Fußringe mit Sendern ermöglichen die Nachverfolgung der Bewegungen der Tiere. Manche von ihnen fliegen bis zur tschechisch-bayerischen Grenze oder nach Slowenien und finden dort Anschluss an bestehende Habichtskauzpopulationen. Diese Vermischung ist wichtig, um die genetische Vielfalt, und damit die Resilienz der österreichischen Population, zu erhöhen.

In Wien geht es den Eulen besonders gut. Im Lainzer Tiergarten, wo es viel alten Baumbestand gibt, findet der Habichtskauz ideale Brutbedingungen, denn die Eulen nisten gerne in Baumhöhlen. Aber auch in anderen Gebieten, wo der Wald weniger naturnah bewirtschaftet wird, haben die Tiere eine neue Chance bekommen.  Richard Zink und sein Team bringen seit 2011 Nisthilfen (ideal sind z.B. ausgediente städtische Müllbehälter, die hoch auf Bäumen montiert werden) im Wienerwald an.

Bis das Überleben der großen Eulen in Österreich langfristig gesichert ist, wird es noch mehrere Jahre dauern, aber die Chancen stehen dank der Bemühungen von Biologen und der hohen gesellschaftlichen Akzeptanz gut.

Mehr Information zum Projekt gibt es auf der Habichtskauz Website.

2021-09-28

 

Die reproduktiven Vorteile von großen männlichen Fischen

Bei Moskitofischen aus der Gattung Gambusia sind die Männchen kleiner als die Weibchen – manchmal nur halb so groß. Biolog*innen sind bisher davon ausgegangen, dass kleinere Männ-chen zumindest teilweise Vorteile bei der Fort-pflanzung haben. Forschende des Transregio-Sonderforschungsbereichs NC3 der Universität Bielefeld, unter ihnen auch Bora Kim die nun am Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhalentsforschung forscht, haben nun in einer Übersichtsarbeit nachgewiesen, dass sich größere Moskitofisch-männchen jedoch besser fortpflanzen können: Sie können sich zum Beispiel besser gegen Rivalen durchsetzen, produzieren mehr Spermien und werden von den Weibchen bevorzugt. Ihre Ergebnisse stellen die Wissenschaftler*innen heute (7. Juli) in der Fachzeitschrift Journal of Animal Ecology vor.

Der Artikel "Male size and reproductive performance in three species of livebearing fishes (Gambusia spp.): a systematic review and meta-analy-sis" von Bora Kim, Nicholas Patrick Moran, Klaus Reinhold, Alfredo Sánchez-Tójar ist im Juli im Journal of Animal Ecology erschienen.

2021-07-07