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Tierisch viel los bei uns am Tag der offenen Tür der Vetmeduni

Am Samstag, 21.5. fand nach einer Corona-bedingten Pause endlich wieder der Tag der offenen Tür der Veterinärmedizinischen Universität Wien statt. Forscher:innen und Tierärzt:innen präsentierten einer breiten Öffentlichkeit mit vielfältigen Herzeige- und Mitmachstationen die Themen ihrer Arbeit. Auch unser Department war wieder vertreten und weckte bei den Besucher:innen großes Interesse. Insgesamt haben 2.700 Menschen den Vetmeduni Campus besucht und sich über die vielfältigen Aufgaben und Möglichkeiten unserer Universität informiert.

Der Tag der offenen Tür war somit wieder ein wichtiger Beitrag zu unserem Auftrag, das durch unsere Forschung gewonnene Wissen auch über die Lehre hinaus in die Gesellschaft zu tragen.

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2021-05-23

Technik trifft Natur: 2. Mallnitzer Tage

Innovationen im Wildtiermonitoring standen am 13. Mai im Fokus der 2. Mallnitzer Tage, die im Jahr 2019 aus der Kooperation der Veterinärmedizinischen Universität Wien, dem Land Kärnten und dem Nationalpark Hohe Tauern hervorgegangen waren.*

Neue Technologien eröffnen zahlreiche Möglichkeiten, Veränderungen in Ökosystemen zu beobachten, und sind aus dem Naturschutzbereich nicht mehr wegzudenken. Die Optionen im Wildtiermonitoring reichen dabei weit über das bekannte GPS-Halsband hinaus. Expert*innen aus Wien und Kärnten vermittelten den Teilnehmer*innen der 2. Mallnitzer Tage aktuelle Hightech-Methoden zur Überwachung von Wildtieren und informierten über praktischen Einsatz sowie Auswirkungen der eingesetzten Technologien.

LH Peter Kaiser:„Es freut mich, dass unter Einsatz hochtechnologischer Innovationen ein Mehrwert zum Naturschutz im Nationalpark Hohe Tauern geleistet werden kann. Auf diesem Weg ist es möglich, Tier und Natur in Bezug auf den eintretenden Klimawandel bestmöglich zu beobachten und in Enkelverantwortung mit notwendigen Maßnahmen darauf zu reagieren.“

Viele interessante Themen wurden präsentiert, unter anderem ein neues Forschungsprojekt zum Heiligenbluter Gamswild, ein Update zur Bestandsentwicklung von Eulen und Greifvögeln in Österreich, spannende Information zur Entwicklung der heimischen Vogelwelt, das Thema Drohnen, Klimawandel und Gesundheit: Zukunftsthemen im Bereich Wildtiermonitoring, sowie die Rolle der Genetik im Monitoring von Wildtierpopulationen. Ebenso wichtig waren Informationen zur Gesundheitsüberwachung von Wildtieren mit Demonstration am Schautisch, und zur Nutzung von Radiosendern bis zur Satellitentechnologie: moderne Methoden der Wildtiertelemetrie.

Otto Doblhoff-Dier, Vizerektor für Forschung und Internationale Beziehungen der Veterinärmedizinischen Universität Wien: „Ich freue mich sehr, dass die Mallnitzer Tage nach einer corona-bedingten Pause heuer wieder stattfinden konnten: Sie sind ein wichtiger Baustein in unserer VetmedRegio-Initiative, in deren Rahmen wir die Expertise unserer Universität allen Interessierten österreichweit zur Verfügung stellen.“

*Pressemitteilung Nationalpark Hohe Tauern, 13.05.2022

Vetmeduni Pressemeldung

 

Wertvolle Lebensräume: Vögel sind echte Bahn-Fans

Auch aufgelassen und ungenützt schlägt die Bahn die Straße ökologisch deutlich. Das zeigt eine soeben in „Agriculture, Ecosystems and Environment“ veröffentlichte polnisch-österreichische Studie unter Leitung von Marcin Tobolka des Konrad-Lorenz-Instituts für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni, die aufgelassene Bahnstrecken hinsichtlich ihrer Qualität als Habitat für Vögel untersuchte. Vögel finden hier einen attraktiven Lebensraum vor, der vielfältige Möglichkeiten bietet und eine beachtliche Biodiversität aufweist. Von großer Relevanz ist dieser Lebensraum vor allem dort, wo Vögel aufgrund intensiver Landwirtschaft aus ihren angestammten Habitaten vertrieben werden.

Im Rahmen ihres ganzjährigen Untersuchungszeitraum erfassten die Wissenschafter 9678 Individuen von 99 Vogelarten. An aufgelassenen Eisenbahnstrecken wurden 4614 Vögel aus 80 unterschiedlichen Arten gezählt, entlang von unbefestigten Straßen in Ackerbaugebieten waren es immerhin noch 3124 Individuen von 73 Arten, während auf Feldern nur 1940 Vögel aus 60 Arten gefunden wurden. 

Da solche Strukturen ein hohes Potenzial als alternative Lebensräume besitzen und für den Naturschutz von Vorteil sind, sollten diese im Rahmen von Landschaftsplanungsprogrammen berücksichtigt werden. Ungenutzte Eisenbahnstrecken können als eines von mehreren Instrumenten zur Minderung des Verlusts der biologischen Vielfalt auf landwirtschaftlichen Flächen eingesetzt werden, was laut den Studienautoren auch eines der Ziele der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union ist.

Der Artikel „Unused railway lines as a contributor to bird abundance, species richness and diversity in intensively managed farmland“ von Łukasz Dylewski und Marcin Tobolka wurde in „Agriculture, Ecosystems and Environment“ veröffentlicht.

Die Studie wurde vom National Science Center (Poland) unterstützt; Projekt 2016/21/N/NZ8/01289

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2022-05-03

Was das Wetter bringt, bestimmt das Leben von Wiedehopf-Küken

Über das Verhalten von Vögeln mit ihren Jungen im Nest gibt es bis dato überraschend wenig wissenschaftliche Informationen. Eine aktuelle internationale Studie unter Leitung von Herbert Hoi vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Veterinärmedizinischen Universität Wien belegt nun, dass der Einfluss des Wetters ein bestimmender Faktor ist, der sich auf Aspekte wie Brutleistung, Nahrungsangebot aber auch auf die Nestnutzung auswirkt.

Welchen Einfluss unterschiedliche Wetterbedingungen auf Brutleistung, Nahrungsangebot und Nestraumnutzung haben, untersuchte die Studie anhand von Wiedehopf-Küken (Upupa epops). Dazu Studienautor Herbert Hoi vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni: „Insbesondere der Ort der Futterübergabe durch die Eltern und die Beutegröße können zu einer unterschiedlichen Nistraumnutzung bei den Nestlingen führen. Die elterliche Fütterstrategie und die Größe der Beute werden wiederum von den Wetterbedingungen beeinflusst, welche den bedeutendsten Faktor für die Nutzung des Nestinnenraumes durch die Küken darstellen.“ Zudem liefert die Studie wichtige neue Erkenntnisse über die Kommunikation zwischen Eltern und ihren Nachkommen.

Mit großer Beute versorgte Küken blieben jedoch bei jeder Wetterlage häufiger in einem weiter entfernten Nestbereich versteckt. Damit ist die Beute der wichtigste, die Nestraumnutzung direkt beeinflussende Faktor, was auf eine entscheidende Rolle großer Insekten für den Wiedehopf hindeutet. Zudem zeigte sich, dass langfristige Auswirkungen des Wetters die gesamte Nahrungsversorgung der Küken und damit auch ihr Verhalten beeinflussen. Es ist daher zu erwarten das Klimaänderungen Konsequenzen für den Bestand des Wiedehopfs haben werden.

Die Erkenntnisse sind laut dem Forschungsteam auch von großer Relevanz für den Naturschutz und liefern neue Erkenntnisse bezüglich theoretischer Grundlagen der Habitatauswahl.

Der Artikel „Influence of different weather aspects on breeding performance, food supply and nest‑space use in hoopoe offspring“ von Soňa Nuhlíčková, Ján Svetlík, Manfred Eckenfellner, Felix Knauer, Herbert Hoi wurde in „Behavioral Ecology and Sociobiology“ veröffentlicht.

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2022-04-20

 

Wie lassen sich Unterschiede zwischen den Geschlechtern erklären?

Sexuell dimorphe Expression wichtiger Urinproteine

Männer und Frauen teilen die meisten ihrer Gene, aber dasselbe Gen kann unterschiedliche Auswirkungen auf die Geschlechter haben. Ein Gen, das den Fortpflanzungserfolg von männlichen Organismen verbessert, kann bei weiblichen Organismen keine Wirkung haben oder den Erfolg sogar verringern. Für solche Gene wird erwartet, dass die natürliche Selektion die Evolution von hormonellen Mechanismen begünstigt, die die Genexpression (Proteinproduktion) bei männlichen Organismen verstärken oder die Expression bei weiblichen unterdrücken. Möglicherweise erklärt diese Theorie des „interlocus sexuellen Konflikts“ die Evolution sexuell dimorpher Merkmale wie Größe, Farbe und Geruch.
 
Um dieser herausfordernden Hypothese nachzugehen, überprüften Dustin Penn vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung und seine Kolleg:innen über 200 Studien zur sexuell dimorphen Expression eines großen Clusters von Genen in Hausmäusen, die als „Haupturinproteine“ oder MUPs bezeichnet werden. Männchen scheiden im Urin 3- bis 4-mal mehr MUPs, die als Pheromone und Pheromonträger fungieren, aus als Weibchen. MUPs binden an flüchtige Pheromone und stabilisieren deren Freisetzung aus männlichen Duftmarken. Einige MUPs wirken selbst als Pheromone, sie ziehen Weibchen an und induzieren räumliches Lernen, indem sie das neurale Wachstum im Gehirn von Weibchen stimulieren.
 
Penn und seine Kolleg:innen haben gezeigt, dass Männchen die MUP-Expression entsprechend ihrem sozialen Status regulieren, während Weibchen dies nicht tun. Ihre Übersicht zeigt, wie viele andere Faktoren die MUP-Genexpression ebenfalls beeinflussen. Das Gehirn kontrolliert Geschlechtsunterschiede in der MUP-Genexpression in den Zielorganen, indem es die Freisetzung von Wachstumshormonen aus der Hypophyse reguliert. Mehrere Hormone regulieren Veränderungen in der MUP-Genexpression durch komplexe Rückkopplungsmechanismen, die die Zugänglichkeit von Chromatin und die Bindung von Transkriptionsfaktoren steuern.
 
Die Forscher:innen haben auch gezeigt, dass eine erhöhte MUP-Ausscheidung mit dem Fortpflanzungserfolg von Männchen, nicht aber von Weibchen korreliert. Dieser Befund erklärt, warum Männchen mehr MUPs produzieren als Weibchen, aber nicht, wie sich dieser sexuelle Dimorphismus entwickelt hat. Sie überprüften Studien an verschiedenen Mäusearten, die darauf hindeuten, dass sich dieser sexuelle Dimorphismus eher durch eine Erhöhung der MUP-Expression bei Männchen als durch eine Verringerung der Expression bei Frauen entwickelt hat.
 
Die letzte Herausforderung für die Zukunft, so Penn, besteht darin, zu bestimmen, wie die MUP-Expression den Fortpflanzungserfolg bei Männchen im Vergleich zu Weibchen bei verschiedenen Arten beeinflusst. Seine Co-Autorin Sarah Zala betont, dass sich ihre Forschung auf grundlegende wissenschaftliche Fragen konzentriert, etwa warum sich die Geschlechter unterscheiden, ohne praktische Ziele im Auge zu haben. Dennoch wirft ein besseres Verständnis der geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Genexpression Licht auf geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Krankheitsanfälligkeit, dem Arzneimittelstoffwechsel und anderen Merkmalen von biomedizinischem Interesse. Das Problem ist, dass sich die meisten biomedizinischen Studien auf männliche Labormäuse konzentriert haben, obwohl es zunehmend Forderungen nach einer Einbeziehung beider Geschlechter in die biomedizinische Forschung gibt.

Der Artikel "Regulation of Sexually Dimorphic Expression of Major Urinary Proteins" von Dustin J. Penn, Sarah M Zala und Kenneth C Luzynski wurde in Frontiers in Physiology, section Integrative Physiology veröffentlicht.

Diese Arbeit wurde vom Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) gefördert: P24711-B21 und P28141-B25.

 

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2022-03-31

Kaulquappen und schlechte Sicht – ein spannendes Modell der Evolution

In einem soeben in „Frontiers in Ecology and Evolution“ erschienenen Artikel untersucht ein von der Vetmeduni geleitetes internationales Team von Forscherinnen um Bibiana Rojas vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung, wie Kaulquappen auf die eingeschränkte Sicht in ihrem Habitat reagieren. Demnach bieten Amphibien hervorragende Möglichkeiten, Anpassungen an visuell eingeschränkte Umgebungen besser zu verstehen und neue experimentelle Überlegungen und Interpretationen für zukünftige Forschungen zu liefern.

Laut den Wissenschafterinnen gibt es derzeit wenig evidenzbasiertes Wissen in diesem Bereich, insbesondere was die Rolle von trüben und lichtarmen Umgebungen bei der Gestaltung des visuellen Systems der Amphibienlarven und deren mögliche verhaltens- und phänotypischen Reaktionen auf solche Umgebungen betrifft.

Rojas betont, dass vor allem die phänotypische Plastizität – die Interaktion von Umwelteinflüssen und Genetik – ein Forschungsbereich von großem Interesse ist.Insgesamt bieten Kaulquappen, laut Rojas, eine aufregende Möglichkeit, Anpassungen an visuell begrenzte Umgebungen zu untersuchen. „Die vergleichende Untersuchung dieser evolutionären Anpassungsreaktionen über biologische Abstammungsgemeinschaften (Kladen), Lebensräume und Geographien hinweg, wird Evolutionsökolog:innen sicherlich für die kommenden Jahre herausfordern“, so Chloe Fouilloux, Erstautorin des Artikels und PhD-Studentin in Roja´s Gruppe.

Der Artikel „Tadpole Responses to Environments With Limited Visibility: What We (Don’t) Know and Perspectives for a Sharper Future“ von Chloe A. Fouilloux, Carola A. M. Yovanovich und Bibiana Rojas wurde in „Frontiers in Ecology and Evolution“ veröffentlicht.

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2022-03-22

Ghrelin modifiziert das Migrationsverhalten in der Natur

Auf dem Zug halten die meisten Sperlingsvögel auf dem Weg, um sich auszuruhen und aufzutanken. Ein Netzwerk von Hormonen signalisiert dem Gehirn von Wirbeltieren die Verfügbarkeit von metabolischem Brennstoff, einschließlich des kürzlich entdeckten Darmhormons Ghrelin. Hier zeigen wir, dass Ghrelin an der Kontrolle des Migrationsverhaltens während des Frühjahrszugs in einem ziehenden Singvogel beteiligt ist. Wir verabreichten Ghrelin an während ihres Zwischenstopps gefangene Gelbrumpfsänger (Setophaga coronata coronata) und verfolgten ihre Bewegungen nach der Freilassung automatisch per Funk. Ghrelin veranlasste die Vögel schnell, sich von der Freisetzungsstelle zu entfernen, was darauf hindeutet, dass das Ghrelin-System zentral wirkt, um das Verlassen des Zwischenstopps zu vermitteln. Die Wirkungen der Hormonbehandlung ließen innerhalb von Stunden nach der Freilassung nach und hatten keinen Einfluss auf die Gesamtmigrationsrate. Diese Ergebnisse liefern experimentelle Beweise für eine zentrale Rolle von Ghrelin bei der Modulation von Zwischenstoppentscheidungen während des Zugs und bieten Einblicke in die regulatorischen Funktionen metabolischer Hormone im Dialog zwischen Darm und Gehirn bei Vögeln.

Die Studie war eine Zusammenarbeit mit Christopher G. Guglielmo, Scott A. MacDougall-Shackleton und Yolanda E. Morbey von der Advanced Facility for Avian Research, University of Western Ontario, Kanada, und Hiroyuki Kaiya vom National Cerebral and Cardiovascular Center Research Institute, Japan.

Die Finanzierung erfolgte durch das Marie Skłodowska-Curie Individual Global Fellowship 798739 GHRELMIGRA an Sara Lupi.

Der Artikel "Experimental ghrelin administration affects migratory behaviour in a songbird" von Sara Lupi, Yolanda E. Morbey, Scott A. MacDougall-Shackleton, Hiroyuki Kaiya, Leonida Fusani, Christopher G. Guglielmo wurde in der Zeitschrift Hormones and Behavior veröffentlicht.

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2022-03-21

Verständnis der organismischen Auswirkungen von frühem Stress durch Telomere-Dynamiken

Obwohl frühzeitige Stressfaktoren (wie ernährungsphysiologische und soziale Erlebnisse) mit negativen Konsequenzen während des Erwachsenenalters in Verbindung gebracht worden sind, zeigen neue Studien vermehrt, dass solche Widrigkeiten auch zu anschließender Belastbarkeit und positiven Fitness-Ergebnissen führen kann. Telomer-Dynamiken sind in diesem Zusammenhang aufgrund ihrer Verbindung mit Entwicklungsbedingungen und Langlebigkeit relevant. Bisher gibt es allerdings nur wenige Studien dazu, ob die Auswirkungen der frühzeitigen Widrigkeiten auf Telomere-Dynamiken in der Entwicklungsphase auch einen Zusammenhang mit Telomere-Dynamiken bei Erwachsenen haben.

Frühere Studien beim Menschen heben hervor, dass unterschiedliche Formen von frühzeitigem Stress typischerweise mit einer beeinträchtigten kognitiven Leistung und einer höheren Neigung für psychologische, kardiovaskuläre und metabolische Erkrankungen im Erwachsenenalter zusammenhängen. Die klinischen Erkenntnisse in diesem Zusammenhang trugen stark zur Gründung der "Entwicklungsursprünge der Gesundheits- und Krankheitshypothese" bei. Neuere Studien haben jedoch herausgefunden, dass es auch positive Ergebnisse für Individuen geben kann, und dass die in der frühen Entwicklung gestressten Organismen später mit Widrigkeiten besser zurechtkommen können.

Telomere spielen eine wichtige Rolle in der Genomstabilität und in der Integrität, da sie als "Schutzkappen" -Schirding-Gene aus dem Verlust von kodierenden Sequenzen während der Zellteilung wirken und die End-to-End-Fusion von Chromosomen verhindern. Teile der telomeren DNA-Sequenzen gehen bei jeder Zellteilung verloren und können auch von einer Reihe externer Faktoren, wie beispielsweise oxidativen Schäden, beeinflusst werden. Andererseits gibt es auch Mechanismen, einschließlich der Enzymtelomerase, die Telomere-Länge aufrechterhalten oder wiederherstellen können. Bei Erwachsenen gibt es häufig eine große interindividuelle Variabilität der Telomer-Dynamik, und diese Variabilität wurde mit Umweltherausforderungen in Verbindung gesetzt.

Eine Wissenslücke bleibt jedoch, um die Konsequenzen des frühen Lebenswidrigkeit bei der Erwachsenen-Telomere-Dynamik erklären zu können. Wir haben drei Hypothesen vorgeschlagen, die einen solchen Link erklären könnten: die Constraint, Resilience, und Pace of Life Hypothesen. So zum Beispiel, da sehr starke chronische Stressoren wahrscheinlich die Hirnentwicklung beeinträchtigen, würde die Constraint Hypothese, and bis zu einem gewissen Grad auch die Pace of Life Hypothese wahrscheinlich am besten Szenarien hervorsagen durch welche Widrigkeiten in der Entwicklungsphase sich auf Telemore-Dynamiken im Erwachsenenalter auswirken. Andererseits würden wir für verschiedene Stressoren erwarten, dass die Resilienz-Hypothese ein besserer Rahmen sein könnte, um zu erklären warum gewisse milde Widrigkeiten lang anhaltende positive Auswirkungen haben können. Sie könnte auch die Rolle von Telomer-Reparatur- und Erhaltungsprozessen vorhersagen, wenn es um die Entwicklung von Mechanismen zur Stressbekämpfungs und Stressresilienz geht.

Es ist auch wichtig anzumerken, dass es große individuelle Unterschiede gibt was organismische Antworten auf Widrigkeiten im frühen Leben betrifft. Vergleicht man dann verschiedene Arten ist die Variabilität noch höher. Verschiedene Widrigkeiten werden von verschiedenen Tierarten anders verarbeitet und rufen andere phenotypische Antworten hervor.

Es braucht zusätzliche Forschung, die experimentelle Laborstudien mit epidemiologischen Studien kombiniert, sowohl bei Wildtieren als auch bei Menschen, um diese Hypothesen zu testen.

Der wissenschaftliche Artikel "How does early-life adversity shape telomere dynamics during adulthood? Problems and paradigms." von Marasco, V., Smith, S., & Angelier, F. ist in der Zeitschrift BioEssays erschienen.

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2022-03-10

VetmedTalk: Aktuelles Thema: „Heiße Luft - Vögel, Bienen und der Klimawandel“

Die Luft die wir atmen ist auch der Lebensraum von unzähligen Tieren wie Vögeln und Insekten, die sich an laute Flugzeuge, giftige Chemikalien und steigende Temperaturen anpassen müssen. Im VetmedTalk am 14.3.2022 stellten wir dazu spannende Forschungsprojekte aus der Veterinärmedizin vor und erklärten, wie die Gesundheit der Tiere und die Gesundheit der Menschen über den Lebensraum Luft zusammenhängen. Der Talk ist auf Vimeo nachzusehen.

Luftverschmutzung ist eine der größten umweltbezogenen Gesundheitsgefahren für Menschen und Tiere. In Europa sterben jährlich rund 800.000 Menschen an verschmutzter Atemluft. Luft ist aber nicht nur zum Atmen da. Für viele Vögel und Insekten ist sie der zentrale Lebensraum. Durch unterschiedlichste Verunreinigungen, den Klimawandel, Windräder, Flugverkehr etc. nehmen wir Menschen massiven Einfluss auf das Leben dieser reichhaltigen Tierwelt. Doch wie passen sich Vögel und Insekten an die neuen Lebensumstände an? Was sind Beobachtungen aus der Forschung und wie lassen sich Tierwohl und Artenschutz auch in Zukunft garantieren? Die Vetmeduni legt 2022 einen Kommunikationsschwerpunkt auf „Leben an Land“, dem UNO-Nachhaltigkeitsziel Nr. 15, und wird dabei pro Quartal den Fokus auf einen speziellen Lebensraum legen. Den Anfang macht Luft, dann folgen Süßwasser, Wiese und Wald. Im ersten VetmedTalk des heurigen Jahres geht es daher um den Status quo unserer Luftbewohner und wie wir deren Lebensraum schützen können. Dazu stellen sich Wissenschaftskommunikator Bernhard Weingartner und seine Gäste den Fragen des Online-Publikums.

Expert:innen

  • Herbert Hoi – Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung, Vetmeduni
  • Ivan Maggini – Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung, Vetmeduni
  • Linde Morawetz – Institut für Saat- und Pflanzgut, Pflanzenschutzdienst und Bienen, AGES
  • Kerstin Seitz – Institut für Virologie, Vetmeduni

Moderation

  • Bernhard Weingartner – Wissenschaftskommunikator und Initiator Science Slams Österreich

Talk ansehen (Vimeo)

 

2022-03-15