Österreichische Vogelwarte/Austrian Ornithological Centre (AOC)

Rotkehlchen (Erithacus rubecula) (Foto: Anne Hloch)

Die Österreichische Vogelwarte/Austrian Ornithological Centre (AOC) hat ihren Sitz am Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Veterinärmedizinischen Universität Wien und ist eine wissenschaftliche Einrichtung zur Erforschung sämtlicher Aspekte der Biologie und Ökologie von Vögeln. Sie dient als Dokumentationsstelle der Ornithologie und soll alles bündeln, was an Vogelforschung in Österreich passiert. Mit ihrer Gründung im Jahr 2015 bekam Österreich als letztes europäisches Land eine solche Vogelwarte.

Zu ihren Aufgaben zählen die Grundlagenforschung der Lebensweise wildlebender Vögel, die Ursachenforschung in Bezug auf Bedrohungen für unsere Vogelwelt, die Überwachung (Monitoring) von Brut- und Zugvogelpopulationen sowie die Errichtung und der Betrieb einer nationalen Beringungszentrale 1.

 

Aktuelles

 
 

Riskantes Schlafen mit verstecktem Kopf spart Energie bei nachtaktiven Zugvögeln

Gartengrasmücke (Foto Biillyboy, Wikimedia Commons)
Gartengrasmücke

Schlafen mit dem Kopf nach hinten ins Gefieder gesteckt ist eine verbreitete Verhaltensweise, die die meisten Vogelarten zeigen. Wissenschafter vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni Vienna und der Universität Wien fanden nun heraus, dass das Verstecken des Kopfes während der Nachtruhe den Wärmeverlust bei Zugvögeln reduziert und deren Energiereserven dadurch geschont werden. Allerdings bedingt das Schlafen auf Sparflamme auch Risiken für die Vögel: Durch die gedrosselte Stoffwechselrate und Reaktionsgeschwindigkeit laufen sie Gefahr, leichte Beute zu sein.

Nächtlich ziehende Singvögel, die das Mittelmeer überqueren, um den europäischen Kontinent zu erreichen, legen oft einen Zwischenstopp auf Inseln nahe der Küste ein, bevor sie ihre Reise fortsetzen. Durch detaillierte Beobachtungen von Gartengrasmücken, die gerade auf einer dieser Rast-Inseln angekommen waren, fand ein Team um Leonida Fusani heraus, dass die Schlafhaltung der Grasmücken von ihrer physiologischen Kondition abhängt.

Diese Erkenntnisse erlauben eine neue Sicht auf die Funktion der Schlafposition von Vögeln, sowie auf die ökologischen und physiologischen Herausforderungen denen Zugvögel ausgesetzt sind.

Der Artikel „Sleeping unsafely tucked in to conserve energy in a nocturnal migratory songbird 2“ von Andrea Ferretti, Niels C. Rattenborg, Thomas Ruf, Scott R. McWilliams, Massimiliano Cardinale und Leonida Fusani wird heute in Current Biology veröffentlicht.

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(Web-Redaktion, 19.8.2019)

 
 

Genetisches Zeugnis des Aussterbens

Blauracke auf Insektenjagd (Foto David Grabovac – via Wikimedia Commons)
Blauracke mit Insekt im Schnabel 4

Aufgrund des großflächigen Lebensraumverlusts haben die Zahlen von Blauracken (Coracias garrulus) im Laufe des 20. Jahrhunderts in Teilen ihres europäischen Verbreitungsgebiets rapide abgenommen. In Österreich gab es ab 2017 nur noch eine vollständig isolierte Reliktpopulation von zwei Zuchtpaaren und einigen wenigen Nichtbrütern in der Steiermark, verglichen mit etwa 270 Paaren in den 1950er Jahren. Im Jahr 2018 wurden überhaupt keine Brüter aufgezeichnet. Seit 2002 sind alle Nestlinge und erwachsenen Vögel in Österreich beringt. In der vorliegenden Studie wurden genetische Daten basierend auf Blutproben von Nestlingen der letzten Jahre gesammelt und mit Museumsproben aus der Vergangenheit und mit Vögeln aus dem gesamten europäischen Verbreitungsgebiet verglichen, um einen ersten vorläufigen phylogeografischen Datensatz für die Art zu erhalten. Die Tests zeigten eine Abnahme der genetischen Vielfalt im Laufe der Zeit in Österreich. Diese Ergebnisse bestätigen den Verdacht auf genetische Drifteffekte aufgrund des schnellen Populationsabbaus und der geringen Populationsgröße dieser Reliktpopulation. Die Ergebnisse zeigen auch, dass die österreichischen Blauracken Teil einer ehemals kontinuierlichen europäischen Population sind.  Diese Erkenntnis ebnet den Weg, die derzeitige Reliktpopulation mit Vögeln aus Osteuropa anzureichern („genetische Rettung“).

Dear Artikel Witnessing extinction: Population genetics of the last European Rollers (Coracias garrulus) in Austria and a first phylogeographic analysis of the species across its distribution range 5 von Carina Nebel, Kerstin Kadletz, Anita Gamauf, Elisabeth Haring, Peter Sackl, Michael Tiefenbach,  Hans Winkler und Frank E. Zachos ist im Journal of Zoological Systematics and Evolutionary Research erschienen.

(Web-Redaktion, 8.7.2019)

 
 

Erfolge bei der Wiederansiedlung des Habichtskauz

Stephan Pernkopf, Petra Winter, Richard Zink und Alfred Riedl mit einem Habichtskauz. Foto © NLK Reinberger
Stephan Pernkopf, Petra Winter, Richard Zink und Alfred Riedl mit einem Habichtskauz 6

Ein Jahrzehnt ist seit der Freilassung der ersten 22 Jungeulen im Jahr 2009 vergangen. Aktuell leben in Niederösterreich wieder 30 gesicherte Habichtskauz-Paare, nachdem die Vogelart spätestens seit den 1950er-Jahren in Österreich als ausgestorben galt. Das langjährige gemeinsame Engagement von Forstwirtschaft, Naturschutz und Jagd zeigt Wirkung. Bei einer Festveranstaltung in der niederösterreichischen Außenstelle Seebarn der Österreichischen Vogelwarte/Vetmeduni Vienna wurde am 17. Juni 2019 Bilanz über die bisher erfolgreiche verlaufende Wiederansiedlung gezogen.

Projektleiter Richard Zink zeigt sich optimistisch, dass die Habichtskäuze eine veritable Chance haben, sich wieder langfristig in Österreich anzusiedeln. Dafür sind auch Maßnahmen durch Forst- und Landwirtschaft hilfreich. Der Habichtskauz fühlt sich in strukturreichen Laub-Mischwäldern mit einheimischen Baumarten ausgesprochen wohl.

Basis für die Nachzucht der Jungeulen ist ein internationales Zuchtnetzwerk. In Österreich besteht eine langjährige Kooperation mit dem Tiergarten Schönbrunn und 12 weiteren Zoos und Zuchtstationen. Diese unterstützen das Projekt und stellen ihre Jungtiere für die Freilassung zur Verfügung.

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(Web-Redaktion, 18.6.2019)

 

BeringerInnen-Kurs Ausbildungsmodul I

Ausbildungsmodul I 2019
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Von 20.-24. Mai veranstaltete die österreichische Beringungszentrale heuer erstmals das Ausbildungsmodul I für angehende BeringerInnen.

Der Kurs am Wiener Wilhelminenberg bot den NeueinsteigerInnen neben theoretischen Inhalten auch die Möglichkeit, erste praktische Erfahrungen in Vogelfang und –beringung zu sammeln.

Das Interesse und die Motivation der TeilnehmerInnen blieb selbst vom Dauerregen unbeeindruckt - das Team der Beringungszentrale bedankt sich daher auf diesem Wege herzlich für die gute Mitarbeit und die tolle Stimmung beim Kurs!

 

Sensationeller Fang beim Vogel-Monitoring am Wilhelminenberg: Wiener Buntspecht knackt beinahe Altersrekord

12 Jahre altes Buntspecht-Weibchen © Johannes HLOCH
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Ende Jänner 2019 ist der österreichischen Beringungszentrale am Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV) mit einem beringten Buntspecht ein ganz besonderer Vogel ins Netz gegangen: ein Buntspecht-Weibchen mit dem beachtlichen Alter von mindestens 12 Jahren!

Aus den Daten des langjährigen Monitoringprogrammes geht hervor, dass der Vogel bereits im Jahr 2008 am KLIVV beringt wurde. Das ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche Lebenserwartung dieser Vogelart 7 bis 8 Jahre beträgt und dass der derzeitige Altersrekord bei wildlebenden Buntspechten bei 12 Jahren und 8 Monaten liegt!

Wie es der Zufall so wollte, war genau an diesem Tag ein professioneller Fotograf vor Ort, der die schöne Specht-Dame auch gleich noch gebührend porträtieren konnte. Das Buntspecht-Weibchen war übrigens noch sehr fit, es bleibt also zu hoffen, dass es den Wiener Wilhelminenberg noch länger unsicher macht und vielleicht sogar den aktuellen Altersrekord bricht.

 
 

News Archiv AOC 10

  

 

Vogelring gefunden?

Foto von Vogelringen

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TV-Tipp: Von der Steppe in die Alpen - Vögel in Österreich

Ein interessanter Dokumentarfilm über Österreichs Vogelwelt, online verfübar auf 3Sat  12bis 20.9.2019. Dabei gibt es auch Information über die Vogelberingung durch die Österreichische Vogelwarte.