Florien Jenner ist neue Leiterin der Pferdechirurgie

Foto von Professorin Florian Jenner, der neuen Leiterin der Pferdechirurgie

Univ.Prof. Dr. Florien Jenner (Foto: privat)

Seit 1. Jänner 2013 ist Florien Jenner die neue Leiterin der Pferdechirurgie an der Vetmeduni Vienna. Die international erfahrene Großtierklinikerin setzte bisher auch in ihrer Forschung zu Therapien für Arthrose beim Pferd Maßstäbe. Für ihre Zukunft in Wien hat sie viele Pläne.

Ein Heimspiel kann man die Laufbahn von Univ.Prof. Dr. Florien Jenner wohl nicht nennen. Die meiste Zeit ihrer beruflichen Karriere verbrachte die gebürtige Innsbruckerin nämlich außerhalb Österreichs: zuerst Tierarztstudium in München, dann viele Jahre USA, zuletzt Irland. „Meine gesamte berufliche Laufbahn habe ich in englischsprachigen Ländern verbracht“, so Jenner. Seit 1. Jänner 2013 leitet die international erfahrene Großtierchirurgin die Klinische Abteilung für Pferdechirurgie der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna). 

Studierende als Kunden

Seit 2006 arbeitete Jenner an der School of Veterinary Medicine des University College der irischen Hauptstadt Dublin, wo sie zuletzt die Abteilung Großtierchirurgie leitete. „An der Großtierklinik in Dublin decken wir im Bereich Chirurgie und Orthopädie nahezu alle Felder ab, zum Beispiel Lahmheiten, Atemwegserkrankungen, Koliken und vieles mehr“, schildert sie ihre bisherige Arbeit in Dublin. Jenner nimmt aus dieser Zeit viele Erfahrungen und Pläne nach Wien mit: „Vor allem in den USA, aber auch in Irland, sind die Hierarchien an den Universitäten flach, unsere Studierenden sehen wir als Kunden. Ich möchte diese Aspekte auch in meine Arbeit in Wien verstärkt einfließen lassen“, sagt sie.

Privatpraxen als wichtige Partner

Die Pferdechirurgie arbeitet nahezu ausschließlich mit Tieren, die  zur Behandlung an die Vetmeduni Vienna überwiesen werden. Jenner möchte deshalb in Zukunft der Kommunikation und Zusammenarbeit mit den überweisenden Kolleginnenen und Kollegen noch mehr Aufmerksamkeit widmen. „Wir sehen die Tierärzte draußen als wichtige Partner“, erklärt sie, „wir arbeiten rein auf der Basis von Überweisungen und übergeben die behandelten Patienten mit einem detaillierten telefonischen und schriftlichen Bericht wieder an den überweisenden Tierarzt zurück.“ Zudem möchte Jenner das Angebot der Klinik für Fachkollegen in Beratung und Fortbildung weiter ausbauen.

Wirksame Therapien gesucht

Jenners Spezialgebiet sind die Gelenke an Pferdebeinen. „Pferde leiden wie auch Menschen sehr häufig an Arthrosen, das sind Entzündungen und Abnützungen der Gelenke“, schildert sie einen der Schwerpunkte ihrer bisherigen Arbeit. Die Suche nach wirksamen Therapien für diese Erkrankungen war und ist ihre Motivation, auch in der Forschung aktiv zu sein. „Die klinische Arbeit ist die Inspiration für meine Forschung, denn es ist frustrierend, für ein leidendes Tier keine Behandlung parat zu haben.“

Nachwachsende Gelenksknorpel

Diese Forschungsarbeit führte auch zu Jenners Habilitation. Dafür untersuchte sie, wie sich die Knorpel in den Gelenken von heranwachsenden Pferdeembryos ausbilden. Ihr Ziel ist es basierend auf der natürlichen embryonalen Knorpelentwicklung, eine Behandlungsmethode zur Regeneration beschädigter Gelenksknorpel zu entwickeln. Ergebnisse aus ihrer Arbeit könnten sich durchaus auch auf den Menschen übertragen lassen, wie sie meint. Das entsprechende Forschungsgebiet der Stammzell-Forschung erlebt derzeit einen Aufschwung, sowohl in Österreich als auch international. „Bevor wir die Mechanismen der Knorpelentstehung für Behandlungen von Gelenken nützen können, müssen wir sie aber in ihren vielen Details genau verstehen“, erklärt sie.

Opernfans

Florien Jenner freut sich auch privat auf Wien: „Mein Ehemann und ich sind begeisterte Opernfreunde, da kommt uns Wien mit seinem vielfältigen Kulturangebot natürlich sehr entgegen.“ Mit dabei sind übrigens auch ihre beiden eineinhalb und dreieinhalb Jahre alten Töchter. Und auch zwei Pferde bringt sie aus Irland mit, beides ehemalige Patienten. Die Tiere, ein amerikanisches Rennpferd und ein irisches Kaltblut, das früher bei der Polizei gearbeitet hat, sind bereits nach Wien übersiedelt.

Einen Plan haben und dabei bleiben

Jenner stammt aus der Tiroler Hauptstadt Innsbruck, was man ihrem Deutsch auch anhört, trotz der vielen Jahre im englischsprachigen Ausland. Ungewöhnlich früh hat sie sich für ihren zukünftigen Beruf entschieden. „Mit vier Jahren habe ich meine erste Kuhgeburt erlebt, und seit damals stand mein Entschluss fest, Tierärztin zu werden“, sagt sie. Anders als andere Kinder revidierte sie ihre Entscheidung nie, entsprechend zielstrebig verfolgte sie ihren Plan.

Nach der Matura absolvierte sie zunächst ihr Studium der Veterinärmedizin an der Ludwig-Maximilians Universität in München in Mindestzeit und zudem mit hervorragendem Notendurchschnitt. Mit dem Diplom in der Tasche wechselte sie als Research Fellow an die Tufts University im US-amerikanischen Massachusetts. Es folgten ein Internship und eine Residency an der University of Pennsylvania, USA. In ihrer Zeit als Assistant Clinical Professor an der University of Minnesota, USA, machte Jenner ihren Diplomate am American College of Veterinary Surgeons (ACVS), ehe sie 2006 in München ihre Doktorarbeit abschloss.

Im selben Jahr wechselte sie als Lektorin für Großtierchirurgie an die School of Veterinary Medicine des University College Dublin. Sie qualifizierte sich dort auch als Diplomate des European College of Veterinary Surgeons (ECVS), bevor sie auch die Leitung der Großtierchirurgie übernahm. Zuletzt schloss sie auch einen PhD zum Thema Gelenksentwicklung und deren Implikationen für das Knorpel tissue engineering ab, ehe sie mit Jänner 2013  die Leitung der Pferdechirurgie an der Vetmeduni Vienna übernahm.

(Web-Redaktion am 18.01.2013)

Kategorie: Studium & Lehre, Forschung [Link 1], Tierspital & Universitätskliniken [Link 2], Presseinformation [Link 3], Startseite [Link 4]

 


Mitteilen: | weitere

Ergänzende Informationen

Acrobat Reader zum Anzeigen von PDF Dokumenten hier kostenlos downloaden [Link 7]