Die Vetmeduni Vienna trauert um Olena Andrukhova

Wir trauern um Olena Andrukhova. (Foto: Irene Nefischer/Vetmeduni Vienna)

Olena Andrukhova

Olena Andrukhova (2. von rechts) gemeinsam mit ihren KollegInnen nach bestandener Habilitation. (Foto: Abt. f. Physiologie, Pathophysiologie und exp. Endokrinologie)

Gruppenfoto Andrukhova Habil

Andrukhova liebte des gemeinsame Kochen in der Küche des Instituts. (Foto: Abt. f. Physiologie, Pathophysiologie und exp. Endokrinologie)

In der Kueche

Olena Andrukhova war stets ein liebenswerter und humorvoller Mensch. (Foto: Abt. f. Physiologie, Pathophysiologie und exp. Endokrinologie)

Mit Doktorhut

Mit großer Betroffenheit erreichte uns gestern die Nachricht vom plötzlichen Ableben Olena Andrukhovas. Sie war als Assistenzprofessorin und Spezialistin für die Molekulare Endokrinologie des Knochen- und Mineralstoffwechsels viele Jahre eine engagierte und erfolgreiche Mitarbeiterin der Abteilung für Physiologie, Pathophysiologie und experimentelle Endokrinologie. Unser Mitgefühl gilt ihren Angehörigen, Freundinnen und Freunden, sowie Kolleginnen und Kollegen. Aus Respekt und Anteilnahme für unsere Kollegin ist unser Campus mit der schwarzen Fahne beflaggt.

In unserer schnelllebigen Zeit gilt es leider zumeist bei traurigen Ereignissen innezuhalten und über den Verlust eines wichtigen Bausteins einer Einheit nachzudenken. Denn seit gestern betrauert die Vetmeduni Vienna den Verlust einer engagierten und beliebten Mitarbeiterin. Die Nachricht vom plötzlichen Tod von Olena Andrukhova löst tiefe Betroffenheit aus. Die Veterinärmedizinische Universität Wien möchte daher ihren Angehörigen ihr Mitgefühl und ihre Anteilnahme am Verlust aussprechen. Gleiches gilt für ihren Freundeskreis und die unmittelbaren Kolleginnen und Kollegen. Das Ableben von Olena Andrukhova hinterlässt eine große, menschliche Lücke im kollegialen Umfeld und im Forschungskreislauf unserer Institution.

Die Abteilung für Physiologie, Pathophysiologie und experimentelle Endokrinologie hat zum Gedenken an ihre Kollegin einen persönlichen Nachruf  [Link 1]verfasst und Erinnerungsbilder von und mit Olena Andrukhova zur Verfügung gestellt:

Assistenzprofessorin, Dr.rer.nat. Olena Andrukhova

Die Abteilung für Physiologie, Pathophysiologie und experimentelle Endokrinologie der Vetmeduni Vienna hat eine ihrer erfolgreichsten und beliebtesten Mitarbeiterinnen verloren. Ass.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Olena Andrukhova verstarb am 03.10.2017 in Wien.

Lena studierte Biochemie in Kiew in der Ukraine und kam dann 2002 für ihre Doktorarbeit nach Österreich an die Universität Salzburg, wo sie 2006 zum Dr.rer.nat. promovierte. Danach wechselte sie nach Wien, wo sie von 2006 bis 2009 eine Postdoc-Stelle an der Medizinischen Universität Wien innehatte. Ihre Tätigkeit an der Vetmeduni Vienna begann Lena am 2. Jänner 2010. Sie hatte sich im damals neu geschaffenen Postdoc-Programm aufgrund ihrer hervorragenden Leistungen für eine der Stellen qualifiziert. Ihr Projekt befasste sich mit der Aufklärung der Wirkungen eines im Jahr 2000 entdeckten Hormons aus dem Knochen, dem Fibroblast growth factor-23 (FGF23). Durch ihr Engagement, ihre Ideen und die professionelle Umsetzung wurde dieses Projekt zum erfolgreichsten in der Geschichte der Abteilung, die seit 2005 besteht. Ihre Arbeit hat zu bahnbrechenden Erkenntnissen auf diesem Gebiet geführt. So konnte sie die bis dato unbekannten Mechanismen aufklären, wieso FGF23 die Phosphat-Absorption in der Niere hemmt. Ein Thema, an dem weltweit geforscht wurde. Zudem fand sie ganz neue Wirkungen von FGF23 in der Niere, die möglicherweise von sehr großer Relevanz für humane und tierische Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz sind. Diese Arbeiten haben Lena international sichtbar und bekannt gemacht und ihr größte Anerkennung in der internationalen Scientific Community eingebracht. Ein Kollege sagte einmal: „Ich glaube, Lena ist geboren worden, um die Wirkungen von FGF23 aufzuklären.“ Der Lohn für ihre harte Arbeit war ein "Young Investigator Award" der American Society for Bone and Mineral Research im Jahr 2009 und der Friedrich Heuck Osteologie Preis, den sie im März 2014 in München entgegennahm.

Ihr Karriereweg führte sie weiterhin steil nach oben. So folgte im April 2014 die Zuerkennung einer sog. Qualifikationsstelle als Assistenz-Professorin für Molekulare Endokrinologie in unserer Abteilung. Fast zeitgleich konnte sie sich im März 2014 über ihr erstes, eigenständig eingeworbenes Drittmittel-Projekt freuen. In dem vom Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekt beschäftigte sie sich bis jetzt mit den kardiovaskulären Wirkungen von FGF23, einem Hot Topic in der internationalen Forschungslandschaft. Dieses Drittmittelprojekt brachte gerade im September 2017 eine erste Publikation hervor. Ihre Projekt-MitarbeiterInnen erhielten bereits internationale Preise. In den kommenden Jahren werden viele Publikationen folgen, deren Konzept von Lena stammt und die von ihr durchgeführt, betreut und erarbeitet wurden. Der jüngste und sicherlich einer der größten Meilensteine in Lenas Karriere war die Habilitation im Fach „Molekulare Endokrinologie“ mit dem Thema „Role of fibroblast growth factor 23 (FGF23) signalling axis in the regulation of mineral homeostasis“, die am 18. Mai 2017 mit großem Erfolg stattfand. Die internationalen Gutachter und die Habilitationskommission waren begeistert von der experimentellen Qualität und Wichtigkeit von Lenas Arbeiten für Grundlagenforschung und Klinik. Ihr Habilitations-Vortrag war eine eindrucksvolle Demonstration ihrer didaktischen Fähigkeiten.

Einer ihrer typischen Charakterzüge war die Offenheit für Neues, gepaart mit ihrer unnachahmlichen Fähigkeit, innovative Ideen auch praktisch umzusetzen. So setzte sie zum Beispiel sehr geschickt die in der Arbeitsgruppe geborene Idee um, mittels der sogenannten „Laser Capture Microdissection“ aus Gefrierschnitten von Knochengewebe gezielt Zellen zu gewinnen, um sie analysieren zu können. Diese zukunftsweisende Technologie führte letztlich zu einem ganz neuen Verständnis, wie Östrogene den Knochenstoffwechsel regulieren. Die gleiche Technologie setzte sie in Kombination mit genomweiten Sequenzieranalysen ein, um in der Niere nach noch unbekannten Wirkungen von FGF23 zu suchen, was ebenfalls zu bahnbrechenden, noch nicht publizierten Ergebnissen führte. Lenas 7jährige Arbeit an der Vetmeduni Vienna brachte 18 Publikationen in internationalen Fachzeitschriften und ein Buchkapitel hervor. Diese Publikationen wurden bis dato insgesamt über 400mal zitiert, was die hervorragende internationale Perzeption von Lenas Arbeiten unterstreicht. Ihr gesamtes wissenschaftliches Schaffen umfasst 46 Publikationen in internationalen Fachzeitschriften.

Lenas Engagement galt jedoch nicht nur der Forschung. Sie hatte eine besondere Begabung, Studierende und junge WissenschafterInnen für wissenschaftliche Themen zu begeistern. Es war wohl diese Begabung, ihre Engagement und ihr Charisma, die sie zu einer der aktivsten und beliebtesten Lehrenden im Rahmen der Lehrveranstaltungen für die wissenschaftliche Ausbildung von Studierenden an der Vetmeduni Vienna machte. Ihre vorbildliche Betreuung von studentischen PraktikantInnen, Abschlussarbeiten und Doktorarbeiten war sprichwörtlich. Es ist ganz wesentlich ihr zu verdanken, dass unsere Abteilung in den letzten Jahren über unsere Universität hinaus zu einer beliebten Anlaufstelle von Studierenden für Praktika und Abschlussarbeiten geworden ist.

Lena war immer mit großem Herz bei allen Dingen, die sie tat. Ob es das Bekochen von „Geburtstagskindern“ war, das Mentoring von Studierenden, das Halten von Journal Clubs und Progress Reports, sie hat stets gezeigt, was für eine starke Persönlichkeit und für ein besonderer Charakter sie war. Sie war als Wissenschafterin nicht nur innovativ, genau und äußerst professionell, sie hatte auch eine sehr tiefgängige und gefühlvolle Art, wenn es darum ging, auf Besonderes hinzuarbeiten und mit uns zu diskutieren. Ihr Fleiß und Einsatz für unsere Gemeinschaft hat sich nie erschöpft, wobei dies ganz unbeschwert und locker geschah. Man konnte mit ihr entspannt auch zur Abendstunde ein Päuschen oder eine mit intellektuellen und auch gesellschaftsrelevanten Inhalten gefüllte Zigarettenpause einlegen. Lena war eine junge Wissenschafterin mit sehr gutem Geschmack für Mode, aktuelle Trends und Entwicklungen in allen Bereichen. Auch dies machte sie für unsere Universität zu einem herausragenden Vorbild für Studierende und KollegInnen.

Lena ging am 03.10.2017 nach kurzer, schwerer Krankheit viel zu früh von uns, 3 Tage vor ihrem 38. Geburtstag. Die Nachricht davon hat uns alle tief betroffen gemacht. Wir verlieren unsere liebenswerte Kollegin mit Charisma, Herz und Verstand, die uns sehr fehlen und unvergesslich bleiben wird. Es war ein Privileg, mit ihr 7 Jahre lang arbeiten und auch feiern zu dürfen! Ihrer Familie, Freundinnen und Freunden gilt unsere herzlichste Anteilnahme!

Mit dem Tod eines Menschen verliert man vieles, niemals aber die gemeinsam verbrachte, schöne Zeit!

Im Namen der Abteilung für Physiologie, Pathophysiologie und experimentelle Endokrinologie der Vetmeduni Vienna

P.S.: Zu kurz war unser gemeinsamer Lebensweg, als FREUNDIN, KOLLEGIN und MENTORIN. Könnten wir DIR Lena, noch einen Wunsch erfüllen, dann wäre es der gemeinsame Ausflug, den du Dir im Frühling noch so sehr gewünscht hast. Wir dachten immer, dafür kommt schon irgendwann die Zeit. Bei jeder gemeinsamen Unternehmung warst du mit Herz und Seele dabei. Ob Sommerparty, Weihnachtsfeier oder unserem Geburtstagscatering, du warst mit Liebe bei der Sache. Wir haben mit Dir viel gelacht und erlebt, schöne Gespräche beim gemeinsamen Arbeiten geführt. Du warst ein starker Mensch, mit hohen Werten. Woran du geglaubt hast, das hast du umgesetzt und erreicht, wie dein Lebensweg deutlich gezeigt hat. Weil Du so ein starker Mensch warst, haben wir uns gewünscht und die ganze Zeit gehofft, dass Du die Krankheit besiegen wirst und wieder zu deiner geliebten Arbeit zurückkehren kannst. Wir sind eine Familie. Du hast tapfer gekämpft. Uns bleiben Deine Willensstärke, Dein Engagement, Deine Freude am Leben, Deine Liebe zu Pflanzen und Deinem Garten, Deine Lieblingsfarbe und die gemeinsamen Erinnerungen.

Lena, wir werden DICH nie vergessen. Danke für die gemeinsame Zeit.

am )

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