Weltantibiotikawoche 2017: Studie bestätigt sparsamen Einsatz von Antibiotika bei Milchkühen

Österreichs TierärztInnen setzen bei Rindern im Vergleich zu anderen Ländern wenig Antibiotika ein. (Foto: Walter Obritzhauser/Vetmeduni Vienna)

Österreichs TierärztInnen sind im europaweiten und internationalen Vergleich sparsam beim Einsatz von Antibiotika bei erkrankten Nutztieren, vor allem Kühen. Das zeigte nun eine umfassende Datenanalyse der Einsatzmengen bei Milchrindern durch das Institut für öffentliches Veterinärwesen der Vetmeduni Vienna. Trotz des positiven Gesamtergebnisses müssen die Anstrengungen zur Reduktion der Antibiotikaanwendung fortgesetzt und insbesondere die Anwendung kritischer antimikrobieller Stoffe weiter zurückgehen. Erreicht werden soll dieses Ziel über Verbesserung der Tierhaltung, Beratung, Wissenstransfer und Weiterbildungen.

Da Nutztiere, wie Schweine, Geflügel oder Kühe, Nahrungsmittel für den Menschen produzieren, ist die Anwendung von Antibiotika ein Thema mit hoher Relevanz für den gesundheitlichen Verbraucherschutz. Eine Analyse der Verwendungsdaten von 232 Milchviehbetrieben unter Federführung von ExpertInnen des Institutes für Öffentliches Veterinärwesen der Vetmeduni Vienna zeigte nun, dass der Einsatz von antimikrobiellen Wirkstoffen bei österreichischen Kühen im internationalen Vergleich niedrig ist. Kritische Wirkstoffe, die auch für die Therapie in der Humanmedizin eine besonders wichtige Rolle spielen, machen jedoch noch immer einen relativ großen Teil der verabreichten Antibiotika aus.

Trotz geringer Menge eingesetzter Antibiotika kritische Wirkstoffe noch zu häufig

An der Studie nahmen österreichweit 17 Tierarztpraxen und 232 Rinderbetriebe mit Antibiotikaanwendung bei Milchkühen während der Laktation teil. Für die Studie wurden anhand der elektronisch erfassten Gesamtmengen verabreichter Antibiotika bei Milchrindern für einen Zeitraum von einem Jahr die Anzahl der Tagesdosen berechnet. Für die Behandlung von akuten Euterentzündungen lagen die österreichischen Studienbetriebe mit 1,21 standardisierten Tagesdosen pro Kuh und Jahr im Schnitt weit unter den Vergleichswerten der USA (2,02) oder Belgiens (2,30). Ähnlich günstig war auch der Wert für alle Eutererkrankungen: Mit einem Mittelwert von 1,33 standardisierten Tagesdosen pro Kuh und Jahr für alle Eutererkrankungen wurden Milchkühe auch insgesamt weniger häufiger mit Antibiotika behandelt als etwa in Irland (1,44 Tagesdosen).

„Besonders interessant war für uns, welche Wirkstoffe für die Behandlung von Eutererkrankungen verwendet wurden“, sagt Erstautorin Clair Firth. „Einige Tierarztpraxen verwenden kaum kritische antimikrobielle Wirkstoffe, andere bei mehr als 75 Prozent der Tagesdosen.“ Nun soll durch Beratung und gezielte Aufklärung in Form von Workshops und Zusammenarbeit mit ForscherInnen, Behörden, TierärztInnen und LandwirtInnen eine weitere Reduktion des Antibiotikaeinsatzes erreicht werden; der Schwerpunkt liegt hierbei auf den für die Therapie beim Menschen besonders wichtigen Wirkstoffgruppen.

Österreich europaweit im unteren Drittel

Europaweit werden zur Beurteilung des Antibiotikaeinsatzes, anders als bei dieser Studie, häufig Verkaufsmengen des Pharmahandels herangezogen. Mit diesen Daten kann man jedoch keine Aussage treffen, bei welchen Tierarten diese Antibiotika eingesetzt wurden, da dies zum Zeitpunkt des Verkaufs an die tierärztlichen Hausapotheken nicht bekannt ist. Um den Antibiotikaeinsatz zwischen Ländern trotz unterschiedlicher Tierhaltungen vergleichen zu können, wird auf europäischer Ebene die Menge antibiotischer Wirkstoffe in Milligramm pro Kilogramm der produzierten Tier-Biomasse aller Nutztierarten, der sogenannten population correction unit (PCU), angegeben. Der für Österreich für das Jahr 2015 errechnete Wert macht mit 56,3 mg/kg PCU nur ein Drittel des EU-weiten Durchschnittverbrauchs von 151,5 mg/kg PCU aus.

Antibiotika unverzichtbar, aber mit Maß und Ziel

Ein genereller Verzicht auf den Einsatz antimikrobieller Wirkstoffe gegen Infektionskrankheiten beim Tier ist laut den ExpertInnen der falsche Ansatz. „Die Therapie von bakteriellen Infektionen beim Tier erfordert den gezielten Einsatz von Antibiotika, sie sind ein unverzichtbarer Beitrag zur Wiederherstellung der Tiergesundheit und zum Tierwohl“, erklärt Annemarie Käsbohrer, Vorstand des Instituts. „Durch den restriktiven Einsatz von Antibiotika soll das Vorkommen von Resistenzen vermindert werden“. Die Verwendung von Antibiotika ist in vielerlei Hinsicht streng reglementiert. Jeder Einsatz muss auf der Grundlage der Diagnose eines Tierarztes erfolgen. Bei der Behandlung von Nutztieren muss für jedes Antibiotikum die festgelegte Wartezeit eingehalten werden, das heißt in dieser Zeit dürfen keine Lebensmittel gewonnen werden. Mit dieser Maßnahme wird die Sicherheit für den Verbraucher gewährleistet. Die Rückstandsfreiheit von Milch ist auch für Molkereien wichtig, denn Antibiotikarückstände würden die Weiterverarbeitung der Milch, etwa zu Käse, stören. Schwerpunkt aller Bemühungen von LandwirtInnen und TierärztInnen muss die Gesunderhaltung der Tiere sein, so dass keine Antibiotikaanwendung erforderlich ist.

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