Der Mensch ist der beste Freund des Hundes

21.06.2013 - Hunde lassen sich auf besonders enge Beziehungen zum Menschen ein. Dass sich erwachsene Hunde wie Kinder zu ihren Eltern verhalten, haben nun Wissenschafter der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna) herausgefunden. Hunde sind deutlich motivierter, ihre Umwelt zu erkunden und Probleme zu lösen, wenn „Frauchen“ oder „Herrchen“ anwesend sind. Ihre Ergebnisse publizierten die Forscher im Journal PLOS ONE.

Ein Aspekt der Bindung zwischen Mensch und Hund ist der so genannte „Sichere Basis-Effekt“, den es auch in der Eltern-Kind-Beziehung gibt: Die Bezugsperson gibt den Kindern dabei Sicherheit beim Erkunden ihrer Umwelt. Dieser Effekt war bis vor kurzem beim Hund noch kaum erforscht. Lisa Horn aus der Abteilung für Vergleichende Kognitionsforschung des Messerli Forschungsinstituts untersuchte nun, wie sich die An- oder Abwesenheit von „Herrchen“ oder „Frauchen“ auf das Erkundungs- und Spielverhalten, aber auch auf die Problemlösungskompetenz des Hundes auswirkt. Dazu führte sie zwei Versuche durch, in denen Hunde die Möglichkeit hatten, sich durch Manipulieren von interaktivem Hundespielzeug eine Futterbelohnung zu erarbeiten. Es stellte sich heraus, dass die Hunde weit weniger motiviert waren, sich Futter zu erarbeiten, wenn ihre Bezugsperson nicht da war. In Anwesenheit ihres vertrauten Tierhalters waren die Tiere motivierter und arbeiteten lieber mit dem Spielzeug. Ob die Besitzer ihre Hunde während der Aufgabe noch zusätzlich motivierten oder stumm blieben, hatte kaum Einfluss auf die Motivation der Tiere.

Fremde Personen bieten dem Hund wenig Sicherheit

In einem weiteren Versuch ersetzten Lisa Horn und ihre Kollegen die Bezugsperson durch eine fremde Person. Die Forscher beobachteten, dass Hunde sich kaum mit der fremden Person auseinandersetzten. Die Tiere waren ähnlich motiviert wie in der Situation ohne Bezugsperson. Die Hunde waren nur dann deutlich motivierter, wenn sich „Frauchen“ oder „Herrchen“ im Raum befanden. Eine fremde Person konnte dem Hund also nicht die gleiche Sicherheit und daraus folgende Motivation zu spielen und zu erkunden bieten wie der eigene Besitzer.

Bindungsverhalten der Hunde ähnelt dem von Kleinkindern

Der Effekt der „sicheren Basis“ konnte bei Hunden in der vorgelegten Studie zum ersten Mal wissenschaftlich nachgewiesen werden. Die bemerkenswerte Ähnlichkeit der Beziehung zwischen Hund und Halter zur menschlichen Eltern-Kind-Beziehung soll in weiteren Studien noch genauer untersucht werden. Eine der Fragen, die sich die Wissenschafter momentan stellen, lautet: „Wieso verhalten sich erwachsene Hunde wie Kleinkinder?“ Horn erklärt: “Die Bindung eines Säuglings an seine Bezugsperson ist eine evolutionär verankerte Reaktion, die das Überleben des noch unselbständigen Kleinkindes sichert. Unsere Studie ist die erste, die zeigt, dass auch erwachsenen Hunden die Anwesenheit ihrer Bezugsperson Sicherheit in der Interaktion mit ihrer Umwelt geben kann, ähnlich wie bei menschlichen Kindern. Wie sich dieses Verhalten bei den Hunden entwickelt hat, ist eine interessante Frage für zukünftige Forschungsprojekte, bei denen wir planen, Hunde und Kinder direkt zu vergleichen.“

 

Die Publikation „The importance of the Secure Base Effect for Domestic Dogs – Evidence from a Manipulative Problem-Solving Task” von Lisa Horn, Ludwig Huber und Friederike Range wurde im Journal PLOS ONE veröffentlicht.  [Link 1]

Die Studie wurde über Mittel der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der Universität Wien und des FWF gefördert. Die Hunde wurden über das Clever Dog Lab an der Vetmeduni Vienna und das Family Dog Forschungsprogramm der Eötvös Loránd Universität in Budapest rekrutiert.

 

 

Weitere Informationen


 

Foto

Hund und Mensch sind eng miteinander verbunden (Bild: Fotolia, Bettina Kuß)
Eine Menschenhand hält eine Hundepfote

 

Rückfragehinweis

Dr.rer.nat. Lisa Horn
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Aussenderin

Dr.rer.nat. Susanna Kautschitsch

T +43 1 25077-1153
M +43 664 60257-6587
susanna.kautschitsch(at)vetmeduni.ac.at [Link 3]