Zuschauen und Lernen – Soziales Lernen bei Hunden und Wölfen

04.12.2013 -Hunde sind höchst soziale und kommunikative Tiere, die von ihren Artgenossen und auch vom Menschen lernen können. Ob diese Fähigkeit bereits bei den Wölfen, den Vorfahren der Hunde, vorhanden war, oder ob das Lernen vom Menschen erst mit der Domestikation eingeführt wurde, untersuchten Forscherinnen des Messerli Forschungsinstitutes an der Vetmeduni Vienna. Sie verglichen das soziale Lernverhalten der Wölfe mit dem der Hunde. Das Ergebnis: Wölfe und Hunde lernen von Artgenossen und auch vom Menschen. Die Ergebnisse wurden heute im Journal Frontiers in Psychology veröffentlicht.  

Hunde waren die ersten Tiere, die der Mensch domestizierte. Die hohe soziale und kommunikative Kompetenz des Hundes im Umgang mit Menschen, macht ihn zu einem der beliebtesten Haustiere. Die nahen Verwandten der Hunde, die Wölfe, sind ebenso hoch sozial. Sie kooperieren untereinander, ziehen gemeinsam ihre Jungen groß, jagen gemeinschaftlich und verteidigen als Rudel ihr Territorium. Friederike Range und ihre Kollegin Zsófia Virányi vom Messerli Forschungsinstitut an der Veterinärmedizinischen Universität Wien wollten wissen, ob die sozialen Fähigkeiten des Hundes, die bei der Hund-Mensch Interaktion zu beobachten sind, während der Domestikation entstanden sind oder ob bereits Wölfe diese Fähigkeiten hatten.

In einer kürzlich erschienenen Studie im Magazin Science [Link 1] zeigten Forscher, dass Hunde vor etwa 15.000 bis 33.000 domestiziert wurden und von einer ausgestorbenen europäischen Grauwolfpopulation abstammen.

Hunde und Wölfe lernen von Artgenossen und Menschen

Die Verhaltensforscherinnen untersuchten 11 Wölfe und 14 Hunde, die im Wolf Science Center in Niederösterreich aufgezogen und in Rudeln gehalten wurden. Mit einfachen Lernexperimenten, in denen Haushunde und Menschen etwas vorzeigten, erforschten die Wissenschafterinnen die kognitiven Fähigkeiten beider Tierarten.

Wölfe und Hunde beobachteten wie ein Mensch oder speziell trainierte Haushunde, Nahrung vor den Augen der Tiere versteckten. Beide, Wölfe wie Hunde, fanden verstecktes Fressen häufiger, nachdem sie einen Demonstrator, Hund oder Mensch, beim Verstecken beobachteten als während der Kontrolle, wo sie keine Demonstration sahen. Das bedeutet also, dass die Tiere nicht nur ihrem Geruchssinn vertrauen, sondern auch beobachten und diese Information nutzen.

Die Forscherinnen interessierten sich auch dafür, wie genau die Tiere beobachten. Wenn ein Demonstrator (Hund oder Mensch) nur vorgab, Fressen zu verstecken, reagierten die Tiere unterschiedlich. Hunde unterschieden zwischen der Demonstration und der Kontrollsituation und suchten nur, wenn wirklich Futter versteckt wurde. Wölfe dagegen unterschieden nur zwischen den beiden Situationen beim Menschen. War der Demonstrator ein Hund, schauten die Wölfe generell weniger zu als die Hunde und machten keinen Unterschied zwischen den beiden Situationen. Das könnte daran liegen, dass die Hundedemonstratoren das Futter, das sie verstecken mussten, nicht mochten und dies auch durch ihr Verhalten gezeigt haben. Die Forscherinnen nehmen an, dass genau hier der Knackpunkt liegt. Wölfe sind sehr wachsam, wenn es um genaues Beobachten von Artverwandten geht. Und da die Demonstratoren selbst die Belohnung nicht mochten, interessierten sich auch die Wölfe weniger dafür, das Fressen zu finden.  

Die Vorfahren der Hunde lernten bereits von ihren sozialen Partnern

Insgesamt lassen die Forschungsergebnisse darauf schließen, dass Hunde und Wölfe Informationen nutzen, die sie von Artgenossen und von Menschen erhalten. Hunde und Wölfe haben also sehr viel gemeinsam, wenn es um ihre kognitiven Fähigkeiten geht. „Die Fähigkeit, von sozialen Partnern – ob Artgenosse oder Mensch - zu lernen, beschränkt sich nicht auf den Hund sondern war bereits bei den Vorfahren, den Wölfen, vorhanden. Bei der Domestikation machte sich der Mensch diese sozialen Fähigkeiten der Wölfe zu Nutze“, so das Resümee von Friederike Range.

Der Artikel “Observing humans and conspecifics: social learning in dogs and wolves”, von Friederike Range und Zsófia Virányi wurde gestern im Journal Frontiers in Psychology veröffentlicht.  [Link 2]

 

 

Weitere Informationen


 
Autorin Zsófia Virányi mit ihrem Studienobjekt, dem Wolf. (Bild: Wolf Science Center)
Autorin Zsófia Virányi mit ihrem Studienobjekt, dem Wolf.

 

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