Die Vorlieben der Blutsauger: Wann und wo Zecken Hunde stechen

23.04.2013 - Jedes Jahr kehrt mit dem Frühling auch die Zeckenzeit wieder. Gerade jetzt im April ist die Begegnung zwischen Zecke und Hund fast unvermeidbar. Jeder Spaziergang durch Wald und Wiese birgt das Risiko eines Zeckenstiches. Hat so ein Parasit einmal zugestochen, sollte er so schnell wie möglich gefunden und entfernt werden, um eine Übertragung von Erregern zu verhindern. Für eine wirksame und vorbeugende Behandlung beim Hund ist es wichtig zu wissen, wann und wo verschiedene Zeckenarten stechen und welche Mittel Zeckenstichen vorbeugen können. Genau diese Fragen haben sich Forschende von der Vetmeduni Vienna gestellt und in einer ausführlichen Studie, die nun im Journal „Parasites & Vectors“ publiziert wurde, in zwei Artikeln beantwortet.

Georg Duscher und seine Kollegen vom Institut für Parasitologie haben über 90 Hunde aus Ostösterreich (Burgenland) innerhalb eines Jahres auf ihren Zeckenbefall hin untersucht. Insgesamt konnten während der Studie 700 Zecken von Hundebesitzern gesammelt und von den Wissenschaftern der Vetmeduni Vienna ausgewertet werden. Die Forschenden fanden heraus, dass Zecken zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Jahr Hunde beißen. Da verschiedene Arten auch unterschiedliche Erreger übertragen, können mit diesem Wissen spezifische Krankheiten im Jahresverlauf eher vorausgesagt werden. Tierärzte und Tierbesitzer können somit gezielt Vorsorgemaßnahmen treffen, um einen Zeckenbefall zu vermeiden. Die häufigste Zeckenspezies, die während der Studie gefunden wurde, war Ixodes ricinus. Vor allem im April und Mai, aber auch ein zweites Mal im September, trat diese Spezies vermehrt auf. Die am zweithäufigsten gefundene Zeckenart war Dermacentor reticulatus, welche schon im März/April und in geringen Zahlen auch im Oktober/November zu finden war. Die dritte Art, Haemaphysalis concinna, bevorzugt eher wärmeres Klima und wurde deshalb vermehrt in den heißen Sommermonaten Juni und Juli gesammelt.

Brust, Hals oder Kehle?

Die Forscher untersuchten auch, ob Zecken bestimmte Körperstellen am Hund bevorzugen. Häufig von Zeckenbefall betroffene Stellen am Hundekörper sind der Kopf, der Nacken, die Schultern und die Brust - Stellen, die beim Spazieren und Streunen den blutsaugenden Parasiten am nächsten kommen. Zecken bleiben bei Hunden häufig dort, wo sie zuerst auf das Tier gelangen. “Aufgrund ihrer ungünstigen Körperform verschwenden Zecken keine Energie, um durch struppiges Fell an andere Körperregionen des Hundes zu gelangen, sondern beißen sich dort fest, wo sie sich gerade befinden. Im Gegensatz dazu, sind die seitlich abgeflachten Flöhe rasch und wendig auf der Hundehaut unterwegs“, erklärt Georg Duscher.

Schutz vor Zeckenstichen

Laut Untersuchungen von Michael Leschnik von der Klinik für Kleintiere der Vetmeduni Vienna, ist die Anzahl gefundener Zecken bei Hunden, die zuvor mit Anti-Zeckenmitteln behandelt wurden, zwar geringer, jedoch schützt dies noch nicht vor übertragbaren Krankheiten. In der Studie wurden verschiedene, am Markt erhältliche, Präparate untersucht. Sogenannte Akarizide, die tödlich auf Zecken wirken, und Repellents, welche Zecken lediglich über den Geruch abstoßen. Die Präparate wurden einerseits in der Kombination Akarizid plus Repellent (Permethrin) aber auch als Akarizid ohne Repellent (Fipronil) getestet. In der Studie konnte gezeigt werden, dass der Wirkungsgrad der Mittel insgesamt eher gering ist solange diese nicht regelmäßig eingesetzt werden.

Durch Zecken übertragene Krankheiten

Für die Übertragung von Erkrankungen, muss eine Zecke einen entsprechenden Erreger in sich tragen und lange genug Blut am Hund saugen. In Mitteleuropa sind Hunde vier verschiedenen Infektionskrankheiten auf Grund von Zeckenstichen ausgesetzt. Bei der Babesiose, auch Hundemalaria genannt, handelt es sich um eine Infektion mit einzelligen Parasiten.  Diese zerstören rote Blutkörperchen und rufen Blutarmut hervor. Unbehandelt kann diese Erkrankung schnell zum Tod führen. Es gibt jedoch eine Vielzahl an gut wirksamen Medikamenten und Vorbeugemaßnahmen gegen die Babesiose. Die granulozytäre Anaplasmose, welche durch bakterielle Infektion, Symptome wie Abgeschlagenheit, Fieber, Fressunlust und Gelenksentzündungen hervorruft, ist mittels Antibiotika auch gut behandelbar. Bei der Borreliose handelt es sich um eine Infektion mit einem schraubenförmigen Bakterium. Anfangs zeigen sich Symptome der Appetitlosigkeit, Fieber und Müdigkeit, im weiteren Verlauf können auch Lahmheiten durch Gelenksentzündungen auftreten. Bakteriell verursachte Erkrankungen können prinzipiell gut mit Antibiotika behandelt werden. Die FSME (Frühsommermeningoenzephalitis) beim Hund wird hingegen durch eine Infektion mit Viren hervorgerufen. Diese seltene Erkrankung des Nervensystems kann zu Fieber, Wahrnehmungsstörungen und Ausfällen von Hirnnerven führen. Gegen diese Art der Infektion gibt es keine Behandlung. Vorbeugende Maßnahmen wie Impfungen und das Verhindern von Zeckenstichen sind generell besonders wichtig.

Michael Leschnik und seine Kollegen konnten über Blutuntersuchungen an 90 Hunden zeigen, dass bei rund 50 Prozent der Vierbeiner eine Infektion während der Studienphase stattgefunden habe. Die Infektionen sind unabhängig von schützenden Präparaten aufgetreten. Die schlechte Wirksamkeit von Anti-Zecken-Präparaten erklärt Leschnik unter anderem durch geringe Konsequenz der Hundebesitzer bei der Verwendung der Mittel: „Das Bewusstsein bei den Hundebesitzern muss geschärft werden. Innerhalb der Studie wurden die Präparate teilweise erst dann aufgetragen, wenn bereits eine Zecke am Hund entdeckt wurde. Zusätzlich wurden die Mittel nicht regelmäßig und nicht oft genug angewendet. Die Effizienz der Produkte ist im Labor, unter streng eingehaltenen Bedingungen, wesentlich höher.“

 

Seasonal and spatial distribution of ixodid tick species feeding on naturally infested dogs from Eastern Austria and the influence of acaricides/repellents on these parameters” (2013, 6:76, doi:10.1186/1756-3305-6-76) von Georg G Duscher, Andrea Feiler, Michael Leschnik und Anja Joachim

Effect of owner-controlled acaricidal treatment on tick infestation and immune response to tick-borne pathogens in naturally infested dogs from Eastern Austria” (2013, 6:62, doi:10.1186/1756-3305-6-62) von Michael Leschnik, Andrea Feiler, Georg G Duscher und Anja Joachim

Beide Artikel sind in der Zeitschrift "Parasites & Vectors" erschienen.