Europas wilde Seite - das Comeback von Luchs, Wolf, Braunbär und Vielfraß

18.12.2014: Das Aussterben bedrohter Arten macht regelmäßig Schlagzeilen. Umso erfreulicher sind Erfolgsmeldungen. Jetzt zeigt eine Studie im Journal Science, unter der Beteiligung der Vetmeduni Vienna, dass die großen Beutegreifer – Luchs, Wolf, Braunbär und Vielfraß – auch im dicht besiedelten Europa wieder geeigneten Lebensraum finden.

Als Konkurrenten und Schädlinge wurden die großen Beutegreifer lange Zeit  verfolgt. Ihr Lebensraum, der Wald, wurde großflächig abgeholzt und ihre Nahrungsgrundlage, die wilden Huftierbestände, großflächig ausgerottet oder auf ein Minimum reduziert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Luchs und Co. weitgehend ausgerottet. Restpopulationen konnten sich nur in den südlichen, östlichen und nördlichen Randgebieten Europas oder in wenig zugänglichen Bergregionen halten. Die Anwesenheit großer Beutegreifer wurde zum Synonym für unberührte Wildnis.  

Internationales Forschungsteam erarbeitet Übersicht zur Situation der großen Beutegreifer in Europa

Nun zeigt sich, dass die großen Beutegreifer viel anpassungsfähiger sind, als geglaubt. In den letzten zwei Jahren hat ein Team von 76 WissenschafterInnen aus 26 Ländern unter der Schirmherrschaft der „IUCN - Large Carnivore Initiative for Europe“ den Status und die Verbreitung der großen Beutegreifer in Europa zusammengestellt. Das Ergebnis präsentiert das AutorInnenteam jetzt im Wissenschaftsjournal Science unter der Federführung von Guillaume Chapron von der Schwedischen Universität für Landwirtschaft. Petra Kaczensky, Georg Rauer und Felix Knauer vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie an der Veterinärmedizinischen Universität Wien waren ebenfalls maßgeblich an der Studie beteiligt.

Erfolgreiche Rückkehr der großen Beutegreifer in Europa

Ein Drittel Europas, das sind etwa 1,5 Millionen Quadratkilometer, ist heute wieder von mindestens einem der vier großen Beutegreifer besiedelt. Auf 600.000 Quadratkilometer kommen sogar mindestens drei der vier Beutegreifer gemeinsam vor. Fast alle Bestände sind stabil oder ansteigend. Insgesamt beherbergt Europa heute wieder 17.000 Bären, 12.000 Wölfe, 9.000 Luchse und 1.250 Vielfraße in seinen dicht besiedelten Kulturlandschaften.

Mehr Wald, mehr Wild und ein neues Naturverständnis fördern Wiederansiedlung

„Die Waldfläche hat sich dramatisch vergrößert“, meint Wildtierforscherin Kaczensky. „Zudem sind  die wilden Huftierbestände vielerorts höher als je zuvor. Auch unser Naturverständnis hat sich geändert und der Schutz der großen Beutegreifer ist ein gesellschaftliches Anliegen geworden. Dafür wurden gesetzliche Grundlagen auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene geschaffen. Diese Entwicklung zeigt, dass es auch ohne riesige Wildnisgebiete möglich ist, Biodiversität auf großer Fläche zu erhalten. Selbst anspruchsvolle Wildtiere wie Luchs und Co. können in vielseitig genutzten Kulturlandschaften mit uns zusammen leben – wenn wir sie lassen.“

Übergriffe auf Haustiere, Beuteneid und die Angst vor dem Unbekannten bestimmen heute vielerorts die Diskussionen um Luchs und Co.. „Obwohl wirtschaftliche Aspekte in den Vordergrund gestellt werden, sind die großen Beutegreifer zur Projektionsfläche für die gesellschaftliche Kluft zwischen verschiedenen Interessensgruppen geworden. Daher gibt es in einigen Gebieten stagnierende oder stark gefährdete Bestände. Um das Zusammenleben mit den großen Beutegreifern in Europa nachhaltig sicherzustellen, sind ein ständiger Dialog mit den Interessensgruppen und ein aktives Konfliktmanagement wichtig“, plädiert Kaczensky.

Der Artikel „Recovery of large carnivores in Europe’s modern human-dominated landscapes” wurde am 18. Dezember Journal Science veröffentlicht. [Link 1]

 

Weitere Informationen


 

Pressefoto

Auch der Braunbär siedelt sich wieder in eurpäischen Gefilden an. (Foto: Petra Kaczensky/Vetmeduni Vienna)

 

Pressefoto

Der Luchs war lange Zeit ein seltener Gast in europäischen Wäldern. (Foto: Petra Kaczensky/Vetmeduni Vienna)

 

Rückfragehinweis

Dr. Petra Kaczensky

T  +43 676-7379650

E-Mail an Petra Kaczensky [Link 4]


 

Aussenderin

Dr.rer.nat. Susanna Kautschitsch
T +43 1 25077-1153
E-Mail an Susanna Kautschitsch senden  [Link 5]