Österreichische Assistenzhunde: zertifizierte Alltagshelfer als europäisches Vorbild

05.07.2017: Menschen mit Behinderungen verlassen sich häufig auf vierbeinige Helfer, die sie in der Bewältigung ihres Alltags unterstützen. Seit 2015 sorgt eine zertifizierte Prüfstelle des Sozialministeriums an der Vetmeduni Vienna dafür, dass Assistenzhunde auf ihre Aufgaben optimal vorbereitet werden. 19 neue Teams aus Hunden und HalterInnen haben die Ausbildung erfolgreich bestanden und wurden heute, am 5. Juli 2017, durch Rektorin Petra Winter und Sektionschef Manfred Pallinger mit einem Zertifikat ausgezeichnet. Damit erfüllen die vierbeinigen Helfer die Voraussetzungen für die Eintragung in den Behindertenpass, der sie von Hundeverboten, Maulkorb- und Leinenpflicht ausnimmt.

Menschen, die ihren Alltag aufgrund einer Behinderung nicht alleine bewältigen können, brauchen verlässliche Helfer. Neben menschlichen Unterstützern eignen sich vor allem Hunde für diese besondere Assistenz. Damit ein „Mensch-Tier“-Team eine ausgewogene und zuverlässige Einheit bilden kann, wurden vom Sozialministerium Österreichs spezielle Richtlinien erstellt und eine eigene Prüfstelle installiert. Diese nimmt im europäischen Raum eine Vorreiterrolle ein.

„Die Prüfstelle wurde 2015 aufgrund der Änderung des Bundesbehindertengesetzes an der Vetmeduni Vienna eingerichtet und vom Sozialministerium gefördert. Dass der Bedarf an einer solchen Einrichtung groß war, verdeutlicht die Anzahl der abgelegten Prüfungen des vergangenen Kalenderjahrs – die Prüfstelle wurde sozusagen gestürmt. Seit dem Start wurden 164 Assistenzhunde und 691 Therapiebegleithunde geprüft. Das hat unsere Erwartungen und Planungen bei weitem übertroffen“, so Rektorin Petra Winter.

Österreich Vorreiter bei der Assistenzhundeausbildung in Europa

Österreich nimmt durch die Gesetzeslage und die Prüfstelle eine Vorreiterrolle in Europa ein und erhält demensprechend viel internationale Aufmerksamkeit. Es gibt viele Anfragen nach den Konzepten aus ganz Europa und MitarbeiterInnen werden regelmäßig zu internationalen Vorträgen eingeladen. Die Prüfstelle bringt sich zudem maßgeblich bei der europäischen Normungsgruppe zum Thema Assistenzhunde ein und wird dort als sogenanntes „Best Practice“-Modell angesehen.

Durch die Einbindung an die Universität und das Messerli Forschungsinstitut ist es außerdem gelungen, dass das Thema Assistenzhunde Eingang in die Wissenschaft gefunden hat. Wissenschaftliche Arbeiten wurden zeitgleich zum Start der Prüfstelle und dem Thema Assistenzhunde initiiert und sind oder werden bald abgeschlossen sein. In den Arbeiten wird neben der Geschichte des österreichischen Blindenhundeführwesens auch die Rolle des Hundes im Notfallmanagement der Stadt Wien analysiert. Eine Vergleichsstudie zur Stressbelastung von Blindenhunden während der Prüfung zwischen Ausbildner und Behindertensachverständigen wurde jüngst durchgeführt und ist erfolgreich abgeschlossen.

Assistenzhund ist nicht gleich Blindenführhund

Menschen ohne körperliche Einschränkung haben dennoch ein relativ reduziertes Bild, wofür die helfenden Vierbeiner eingesetzt werden. „Blindenführhunde sind natürlich fest in unserem Bewusstsein als Alltagshelfer verhaftetet.  Viele der ausgebildeten Assistenzhunde sind jedoch keine Blindenführhunde, sondern auch Servicehunde, die Menschen mit eingeschränkter Mobilität begleiten und ihnen unter anderem einfache Dinge, wie die richtigen Socken, bringen können“, so der Leiter der Prüfstelle Karl Weissenbacher vom Messerli Forschungsinstitut.

Wichtig ist außerdem die Ausbildung von Signalhunden. Diese haben die Aufgabe, Menschen mit chronischen Krankheiten wie Diabetes auf drohende Unterzuckerung aufmerksam zu machen. Vor allem diese speziell eingesetzten Hunde müssen offiziell geschult und schließlich als Assistenzhunde zertifiziert werden. „Assistenzhunde erfüllen die unterschiedlichsten Aufgaben für Menschen mit Behinderung. Dabei haben sie gleichzeitig eine positive Wirkung auf die gesellschaftliche Teilhabe und wirken sich oftmals auch positiv auf die Gesundheit ihrer Hundehalterinnen bzw. Hundehalter aus“, betont auch Sektionschef Pallinger den wertvollen und vielfältigen Beitrag der Assistenzhunde.

 

Weitere Informationen


 

Pressefoto

Rektorin Petra Winter und Sektionschef Manfred Pallinger (Sozialministerium) gratulierten den 19 erfolgreich ausgebildeten und geprüften "Mensch-Tier"-Teams. (Foto: Ernst Hammerschmid/Vetmeduni Vienna)
Zertifikat [Link 2]
Neben den Blindenführhunden sind vor allem Servicehunde wichtige Stützen im Alltag von Menschen mit Behinderungen. (Foto: Ernst Hammerschmid/Vetmeduni Vienna)
Assistenzhund [Link 3]
Rektorin Petra Winter wies in ihrer Begrüßungsrede auf den Erfolg der Prüfstelle seit 2015 hin. 164 Assistenzhunde und 691 Therapiebegleithunde wurden bereits geprüft. (Foto: Ernst Hammerschmid/Vetmeduni Vienna)
Rektorin [Link 4]

 

Rückfragehinweis

Mag.med.vet. Karl Weissenbacher

Messerli Forschungsinstitut

Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)

T +43 1 25077 2699

Email an Karl Weissenbacher senden [Link 8]


 

Mag.rer.nat. Georg Mair
T +43 1 25077-1165
E-Mail an Georg Mair senden  [Link 9]